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Nach der Corona-bedingten Auszeit haben viele Geschäfte in Frankfurt seit Montag wieder geöffnet. Der große Ansturm blieb aber aus.

Frankfurt: Eine Woche nach Wiedereröffnung

Frankfurt: Einzelhandel in der Corona-Krise - Nicht das große Geschäft gemacht

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In Frankfurt bleibt ein Kundenansturm nach der Wiedereröffnung des Einzelhandels aus. Inhaber wollen Verluste der Corona-Krise ausgleichen.

  • Einzelhandel in Frankfurt wieder geöffnet - Händler ziehen Bilanz
  • Corona-Infektion: Angst vor großen Menschenmengen
  • Inhaber wollen Verluste der Corona-Krise ausgleichen

Frankfurt - Die erste Woche nach der Corona-bedingten Schließung hat der Einzelhandel in Frankfurt hinter sich. Die Bilanz von Dr. Joachim Stoll, Frankfurts Einzelhandels-Chef, fällt gemischt aus. "Soweit ich sehe, sind die Händler professionell. Sie lassen nur eine bestimmte Kundenzahl ins Geschäft, haben Ein- und Ausgänge getrennt, geben Masken aus." 

Im Vergleich zu normalen Zeiten betrage der Umsatz aber nur 30 bis 50 Prozent. Schlangen bildeten sich nur vor Lebensmittelgeschäften. Am ehesten laufe das Geschäft mit Sportartikeln und Baby- und Kinderkleidung. Stolls Sorge: Die Geschäfte sind leer, die Plätze davor voll. Menschengedränge gebe es in der Freßgass', der Schweizer, Berger und Leipziger Straße: "Unsere Sorge ist, dass sich die Menschen in den Warteschlangen infizieren."

Stoll vermutet, dass in den Kaufhäusern die erlaubte Verkaufsfläche von 800 Quadratmetern nach und nach in Betrieb genommen wird, einige Häuser erst später öffnen. "Als die Modalitäten am Samstag bekannt wurden, war es für die großen Kaufhäuser zu spät, Entscheidungen für Montag zu treffen."

Corona-Krise in Frankfurt: Verluste im Einzelhandel zumindest etwas ausgleichen

Kaweh Nemati, Vorsitzender der Interessengemeinschaft Untere Berger Straße, bestätigt Stolls Angaben: "Die Plätze sind sehr voll. Wenn zehn Zweiergruppen am Merianplatz sitzen, sind es 20 Leute." Zwar sei es in normalen Zeiten schön, wenn die Leute die Sonne auf der Straße genießen, aber in Corona-Zeiten gehe das eben nicht: "Sonst gibt's Hausarrest, dann sind auch die Geschäfte wieder zu." Für seine zwei Geschäfte und andere Einzelhändler zieht Nemati eine positive Bilanz. "Wenn es so bleibt, werden wir unsere Verluste ein wenig ausgleichen können."

Auch Franz Steul, Inhaber der Meder OHG in der Berger Straße, ist mit der ersten Verkaufswoche sehr zufrieden. "Fast so viel Umsatz wie normalerweise", freut er sich trotz Mehraufwand. "Am Eingang haben wir Körbe aufgestellt, jeder muss sich einen nehmen, will er das Geschäft betreten." Die Zahl der Körbe im Umlauf sei so bemessen, dass zwei Meter Abstand zwischen zwei Kunden bleiben könne. Auch einen Spender mit Desinfektionsmitteln gibt es. Das Verkaufspersonal trägt Masken. "Ich bin gespannt, wie es am Montag wird, wenn die Maskenpflicht kommt. Denn viele Einzelhändler haben keine Masken mehr", sagt Steul. Er versuche gerade, über seine holländischen Großhändler an den Gesichtsschutz zu kommen. "Den geben wir über den Gewerbeverein Bornheim Mitte zum Selbstkostenpreis weiter", sagt der Vorsitzende des Gewerbevereins.

Trotz Corona: Erste Woche im Einzelhandel in Frankfurt war "zufriedenstellend"

Robert Staffetius von der Arbeitsgemeinschaft Rödelheimer Geschäftsleute sagte: "Die erste Woche war sicher noch durchwachsen, aber ich glaube, insgesamt zufriedenstellend." In der kommenden Woche, wenn die Maskenpflicht kommt, sieht er jedoch keine Schwierigkeiten. "Es gibt in Rödelheim noch Masken zu kaufen."

Ralph Haerth, Sprecher der Interessengemeinschaft Hanauer Landstraße, ist zufrieden. In der Hanauer überwiegt der Autohandel, und da seien alle froh, dass sie wieder öffnen konnten. Ob schon gleich viele Verkäufe getätigt wurden, weiß Haerth nicht. "Aber oft, wenn Kunden ihr Auto zur Reparatur brachten, wollten sie anschließend in den Verkaufsraum, und der war zu. Es ist richtig, dass das geändert wurde und die Interessenten zumindest beraten werden können."

Einzelhandel in Frankfurt in der Corona-Krise: Ein weiter Weg zur Normalität

Dagegen hadert Frank Weil, Inhaber von Leder-Weil und Vorsitzender des Gewerbevereins Bergen-Enkheim, mit der Situation. "Es wird noch lange dauern, bis sich alles normalisiert. Wir hatten in der ersten Woche nur sehr wenige Verkäufe. Das meiste waren Reparaturen." Es sei gut, dass das Leben sich normalisiere, aber er sieht sich und den Einzelhandel erst am Anfang des Weges. Bestes Beispiel sei das Triebstraßenfest, bei dem die Gewerbetreibenden sich präsentieren: "Wir haben es 2020 abgesagt." 

Von Thomas J. Schmidt

Am ersten Tag der Mundschutzpflicht halten sich die meisten Menschein in Frankfurt an die Auflagen. Schon die Digitalanzeigen der Bahnen weisen auf die Maskenpflicht hin. Der Schriftzug "Bitte schützen Sie einander und tragen eine Maske! " läuft über die Anzeigetafeln.

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