Frankfurt: Diese Küken sind auf dem Hof geschlüpft: Betriebsleiter Dominik Trillken und Mit-Eigentümer Dimitri Parhofer freuen sich über den flauschigen Nachwuchs, der, wenn gerade kein Presse-Termin ist, behaglich unter einer Wärmelampe sitzt. Fotos: Maik Reuß
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Frankfurt: Diese Küken sind auf dem Hof geschlüpft: Betriebsleiter Dominik Trillken und Mit-Eigentümer Dimitri Parhofer freuen sich über den flauschigen Nachwuchs, der, wenn gerade kein Presse-Termin ist, behaglich unter einer Wärmelampe sitzt.

Frankfurt

Elisabethenhof ist zurück: Das planen die neuen Besitzer

  • Holger Vonhof
    vonHolger Vonhof
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Der Elisabethenhof in Frankfurt Unterliederbach ist zurück. Die Besitzer haben große Pläne. Erste Stände sind geöffnet - und bald soll noch eine Neuerung folgen.

Unterliederbach - Sanft bläst der Wind durch die blühenden Obstbäume. Auf der Weide davor stehen drei Shetland-Ponys, nicht weit davon grasen Haflinger, Merinoschafe und ein Esel. Hühner scharren in der Erde, Tauben gurren auf dem First, und gleich mehrere Katzen schleichen herum und äugen auf Mäuse. Auf dem 35 Hektar großen Elisabethenhof nördlich der Autobahn 66 ist wieder Leben eingezogen; der Hof wird bewirtschaftet, und erste Verkaufsstände locken Kunden an.

"Wir machen ein ,soft opening' ", sagt Betriebsleiter Dominik Trillken und benutzt einen Begriff aus dem Hotel- und Gastro-Gewerbe. "Soft opening" heißt, dass man nach und nach immer mehr anbietet, ohne dass jemand im Blitzlichtgewitter ein Band durchschneidet und warme Worte spricht.

Frankfurt: Viele Gerüchte um den Elisabethenhof in Unterliederbach

Die Frage, was mit dem Elisabethenhof passiert, hat vor allem die Unterliederbacher umgetrieben, seit der ehemalige Besitzer Heiner Christian den beliebten Hofladen geschlossen und das Anwesen verkauft hatte. Ein Interims-Besitzer wurde zwar beim Werkeln beobachtet, doch zeitigte das keine Erfolge. Als dann bekannt wurde, dass ein internationales Immobilienunternehmen den Hof gekauft hatte, blühten statt der Obstbäume die Gerüchte: Wahrscheinlich werde der schöne Hof zu Bauland.

"Quatsch", sagt Dimitri Parhofer, der das Areal zusammen mit seinem Geschäftspartner Olaf Bothe gekauft hat. Parhofer, 1982 in Limburg geboren, ist Unternehmer und Autorennfahrer. Mit seiner Firma entwickelt er Immobilien, aber beim Elisabethenhof geht es ihm um etwas ganz anderes - um Landwirtschaft, um hochwertige Angebote am Rande der Stadt: "Es geht um das Besondere, nicht um Einheitsbrei."

Elisabethenhof in Frankfurt: Gärtner setzt Fokus auf Obstzucht

Diese Idee setzt Dominik Trillken für ihn um. Der junge Mann aus dem Westerwald ist gelernter Gärtner mit viel Ahnung vom Obstbau. Er ist für den Hof zuständig, quasi ein Gutsverwalter. Und er steht für eine nachhaltige regionale Landwirtschaft. "Die Bäume waren in einem schlechten Zustand. Die haben wir erst einmal geschnitten", sagt Trillken und blickt über das Blütenmeer, das hinter den Hofgebäuden beginnt. In Gewächshäusern wird Gemüse gezogen. Die ersten eigenen Produkte gibt es am Eingang zum Hof in einem Verkaufsstand. "Klar sind die Erdbeeren noch unter Folientunneln gezogen", sagt Trillken. "Aber sie schmecken." Und sie sehen aus wie gemalt.

Spargel gibt es und Rhabarber - "so lange etwas da ist. Wenn leer, dann leer", sagt Trillken. Auf dem Spielplatz hinter dem Verkaufsstand juchzen Kinder; Fahrradfahrer schwenken in den Hof und schauen mit großen Augen, was passiert. "Definitiv bleibt der Fokus auf Obst erhalten", sagt Trillken und schwärmt von den Apfelbäumen, von vielen alten Sorten, die es kaum noch gibt, von Kirschen und Mirabellen, Zwetschgen, Birnen und Johannisbeeren. Die ersten 35 000 Liter Apfelwein sind gekeltert, 100 Sherry-Fässer zum Ausbau des Stöffche gekauft, Beratung gibt's vom Hessischen Apfelweinmeister. Auch Apfelwein mit Johannisbeer oder Quitte reift gerade. Eine Brennblase steht bereit, und selbst Bier brauen möchte Dimitri Parhofer. Ihm geht es darum, Landwirtschaft erlebbar zu machen: "Wir möchten Kindern zeigen, wie das funktioniert mit dem Huhn und dem Ei." Natürlich seien ihre Produkte teurer. "Wer wissen will, warum das so ist, kann sich über den Hof führen lassen", sagt der Besitzer. Den Boden wolle man schonen, die Kulturen wechseln.

Frankfurt: Elisabethenhof in Unterliederbach – Auch Cannabis Teil des Angebots

In etwa zehn Wochen, so der Plan, soll der auf 880 Quadratmeter erweiterte Hofladen eröffnet werden, so groß wie ein mittlerer Supermarkt. Viel junge Kundschaft interessiere sich für diese Art Produkte, sagt Parhofer. Neben Obst, Gemüse und Kräutern bauten sie auch Cannabis an, mit Zulassung. Es braucht jedoch kein Hobby-Drogist nachts mit der Taschenlampe übers Gelände schleichen: Die Hanfpflanzen sind nur für Öle und Cremes geeignet.

Als nächstes gibt es wohl Eis aus eigener Produktion, Kuchen und Getränke für die Ausflügler, die täglich mit dem Rad oder zu Fuß vorbeikommen. "Wir haben so viel Platz, wir können die Bänke weit auseinander stellen", sagt Trillken.

Derzeit arbeiten 21 Personen auf den Feldern, den Plantagen und in den Ställen, "wir suchen noch Gärtner", sagt Trillken. Man werde wohl auf 50 Beschäftigte kommen mit Hofladen und Gastronomie. Für Mai ist ein Picknick in den Obstwiesen geplant: Man bucht, bekommt einen gefüllten Picknick-Korb, eine Decke und ein frisch von einem renommierten Frankfurter Koch zubereitetes Pfannengericht - 100 Plätze gibt es, ab nächste Woche soll reserviert werden können. Und dann werden auch die ersten Freiland-Erdbeeren bald reif sein: Der Elisabethenhof, lange vermisst, ist endlich zurück. (Holger Vonhof)

Erst vor wenigen Wochen wurden mehrere Autos in Unterliederbach aufgebrochen, um Lenkräder zu klauen.

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