Schwimmen ist schön, Springen noch schöner: Fürs Foto zeigt Simon im Panoramabad Bornheim, was schon die jüngsten Mitglieder von Schwimmvereinen so alles draufhaben - nämlich auch mutige Faxen vom Dreimeterbrett. Körperbeherrschung ist alles! Foto: Enrico Sauda
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Schwimmen ist schön, Springen noch schöner: Fürs Foto zeigt Simon im Panoramabad Bornheim, was schon die jüngsten Mitglieder von Schwimmvereinen so alles draufhaben - nämlich auch mutige Faxen vom Dreimeterbrett. Körperbeherrschung ist alles!

Schwimmunterricht

Frankfurt: Endlich wieder Bahnen ziehen

  • vonKatja Sturm
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Vereinsschwimmer dürfen gemeinsam kraulen und paddeln, aber nur unter Vorgaben

Frankfurt. -Als es endlich losgehen soll, ist Charlotte nicht mehr zu halten. In Windeseile läuft das neunjährige Mädchen am großen Schwimmbecken des Bornheimer Panoramabades entlang zur anderen Seite, wo sie und die vier anderen kleinen Sportler der SG Frankfurt zu einem ersten Kopfsprung ins Wasser erwartet werden. "Eigentlich ist Rennen im Schwimmbad nicht erlaubt", tadelt Michael Ulmer, der Sportdirektor des Vereinszusammenschlusses, der an diesem Dienstagvormittag für die jungen Talente zuständig ist. Dann lächelt der erfahrene Trainer verständnisvoll. Wer kann es dem Nachwuchs verübeln, dass er sich nach monatelanger pandemiebedingter Pause wieder bewegen will?

Erst seit dem Wochenende ist klar, dass in Hessen Vereinsschwimmer unter gewissen Beschränkungen wieder zusammen kraulen und paddeln dürfen. Am Montag rief Ulmer eine Handvoll seiner Jungen und Mädchen für den offiziellen Start zusammen. Der achtjährige Nicolas wurde dafür eigens vom Schulunterricht freigestellt, die gleichaltrige Liya und Charlotte teilten sich ihre Online-Stunden anders ein.

Vor Aufregung konnte Nicolas die Nacht über nicht schlafen. "Ich habe mich so gefreut, dass es wieder losgeht", erklärt er. Zweimal in der Woche zieht er sonst seine Bahnen. Das reiche ihm, erklärt er, aber weniger sollte es auch nicht sein.

Ulmer versteht nicht, warum es so lange dauerte, den Schwimmbetrieb wieder aufzunehmen. Seit zwei Wochen laufen Angebote für Schulen, und es gebe keinen Unterschied zwischen diesen und den Vereinen. Im Wasser bestehe keine Infektionsgefahr: "Durch das Chlor schwimmt man doch in Desinfektionsmittel", sagt der Fachmann. Ein Risiko gebe es nur außerhalb des Wassers.

Um dieses gering zu halten, müssen die Gruppen, die in die Bäder dürfen, genau nach den Vorgaben des Landes eingeteilt werden. Geschwommen wird bei den Kindern bis einschließlich 14 Jahre mit drei Metern Abstand in den Kleingruppen nur auf jeder zweiten Bahn. Jugendliche und Erwachsene können maximal zu zweit eine Bahn belegen. "Aber die Kinder haben Vorrang", betont Michael Ulmer. "Bei ihnen geht es darum, dass sie schwimmen lernen."

Ein Vorteil sei angesichts dieser Einschränkungen, dass erst einmal nur die Vereine und Schulen die Bäder nutzen dürfen. Laut Boris Zielinski, dem Geschäftsführer der Bäderbetriebe, stehen auch die Lehrschwimmbecken offen. "Wir hoffen, dass wir so die 1000 Kinder in unseren Schwimmkursen wieder versorgen können", sagt Ulmer, der auch Vorsitzender des Ersten Frankfurter Schwimmclubs ist, des mit 2500 Mitgliedern stärksten Vereins dieser Zunft im Stadtgebiet. Noch am Nachmittag will er das selbst in der Geschäftsstelle organisieren.

Die auf Kurzarbeit gesetzten zehn Angestellten und 25 bis 30 Honorarkräfte ließen sich schnell reaktivieren. "Die stehen sowieso Gewehr bei Fuß." Er sei froh, dass die Stadt Frankfurt so schnell nach dem Beschluss auf Landesebene die Möglichkeiten schaffte, die Vereine in die Bäder zu lassen. "Wir wollten die Ersten sein", bestätigte Sportdezernent Markus Frank (CDU). Mit der Öffnung der Freibäder könnte es auch für alle anderen Bürger wieder unter bestimmten Vorgaben mit dem Schwimmen weitergehen.

Es gilt einiges aufzuholen. Die Schwimmvereine haben etwa 15 Prozent ihrer Mitglieder verloren, ein ganzer Jahrgang hat es versäumt, schwimmen zu lernen. Schon vor der Pandemie beklagten Ulmer und seine Mitstreiter zu wenig Wasserfläche, um alle Kursanwärter unterzubringen.

Bei Charlotte sieht es schon gut aus, wie sie sich durchs Wasser bewegt. "Was soll ich jetzt machen?", fragt sie, als sie am Ende eines Programmes auf der kurzen Seite des Beckens anlangt. "Zwei Bahnen nur mit Füßen und sechs normal kraulen", lautet Ulmers Anweisung. Die Reaktion der Sportlerin drückt in einem Wort ihr ganzes Empfinden aus. Sie sagt nur: "Danke." Katja Sturm

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