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Digitaler Unterricht erlebt seit Beginn der Corona-Pandemie einen Boom. Angesichts hoher Corona-Infektionszahlen wünschen sich viele Schüler, Lehrer und Eltern mehr digitalen Unterricht.

Pandemie

Frankfurt: Erste Schule will Wechselunterricht beantragen

  • Julia Lorenz
    vonJulia Lorenz
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Schülervertreter fordern Hybrid-Modelle und drohen mit Streiks

Frankfurt -Die Länderchefs haben es gemeinsam mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) beschlossen: Kindertagesstätten und Schulen bleiben geöffnet. Einen flächendeckenden Hybrid-Unterricht, sprich: den Wechsel zwischen Lernen in der Schule und zu Hause, wird es nicht geben. Allerdings kann dieser in Regionen mit vielen Corona-Neuinfektionen eingeführt werden. Ob dies in Frankfurt eintreten wird, ist fraglich. Bisher haben sich das Land Hessen und die Stadt Frankfurt stets dagegen ausgesprochen.

Hoher Krankenstand wegen Kälte

Die IGS Kalbach-Riedberg will als erste Frankfurter Schule dennoch auf Hybrid-Unterricht setzen. Schon vor dem neuerlichen Bund-Länder-Gespräch dazu hatte die Schule beschlossen, ein Wechselmodell zwischen Präsenz- und Fernunterricht einführen zu wollen - unabhängig davon, was die Politiker entscheiden würden. "Wir können es nicht mehr verantworten, dass alle Kinder täglich in die Schule kommen", sagt Susanne Gölitzer, Leiterin der IGS Kalbach-Riedberg. Zwei Wochen lang habe man sich mit dem Krisenteam der Schule beraten, habe zahlreiche digitale Elternabende organisiert, um alle in diese Entscheidung einzubeziehen. "Wir sind uns einig, dass wir dringend die Klassen verkleinern müssen."

In den Klassen sei es wegen des Dauerlüftens eisig kalt. Der Krankenstand sei enorm hoch, weil sich so viele Lehrer erkältet hätten. Immer mehr Schüler müssten wegen Kontakten zu Corona-Infizierten in Quarantäne. "Viele Eltern lassen ihre Kinder schon jetzt zu Hause, weil ihnen das Infektionsrisiko bei so vielen Menschen auf engstem Raum zu groß ist", sagt die Schulleiterin. Deshalb will die Schule beim Staatlichen Schulamt den digital gestützten Distanzunterricht beantragen, ein Angebot von Hessens Kultusminister Alexander Lorz (CDU), um den Schulen während der Corona-Pandemie mehr Flexibilität beim Organisieren des Unterrichts zu ermöglichen. Es gibt allerdings eine Beschränkung: An weiterführenden Schulen darf nur 25 Prozent des Unterrichts digital durchgeführt werden, an Berufsschulen 50 Prozent.

Zweimal Hybrid-Modell angeordnet

Die IGS Riedberg-Kalbach plant, dass die Kinder im täglichen Wechsel zu Hause und im Klassenraum unterrichtet werden. "Der regelmäßige Präsenzkontakt ist uns wichtig", so Gölitzer. Das Lernmaterial könnten sich die Schüler über die Plattform "Moodle" besorgen. Zudem soll der Unterricht verstärkt per Videokonferenz stattfinden.

Jetzt muss nur noch die Schulkonferenz zustimmen, ein Antrag beim Staatlichen Schulamt gestellt werden und das Kultusministerium seinen Segen geben. Bisher gibt es in Frankfurt zwei berufliche Schulen, die einen Wechsel zwischen Präsenz- und Distanzunterricht eingeführt haben, wie Evelin Spyra, Leiterin des Staatlichen Schulamts, auf Anfrage dieser Zeitung mitteilt. Das Gesundheitsamt hatte das Hybrid-Modell angeordnet, nachdem es in den Einrichtungen zahlreiche Corona-Fälle gegeben hatte. "Ein Antrag auf den digital gestützten Unterricht liegt uns bisher noch nicht vor", sagt Spyra. Sprich: Die IGS Riedberg-Kalbach wäre die erste Frankfurter Schule mit Wunsch nach diesem Modell.

Ginge es nach den Schülervertretern zahlreicher Frankfurter Schulen, sollten noch mehr Bildungsstätten den digital gestützten Unterricht beantragen. "Das Wechselmodell sorgt dafür, dass Ansteckungen an Schulen minimiert werden, Kontaktpersonen leichter nachverfolgt werden können und der Mindestabstand eingehalten werden kann", schreiben die Schüler in einer gemeinsamen E-Mail, die auch an das Kultusministerium ging. Derzeit fühlen sie sich nicht ausreichend geschützt. Allein der Weg zur Schule stellt ihrer Ansicht nach ein hohes Risiko dar, da Busse und Bahnen überfüllt seien. "Wir haben Angst, selbst infiziert zu werden und unkontrolliert Mitschüler und Familie anzustecken. Für viele ist es ein psychischer Druck, mit dieser Angst zu leben", heißt es.

Fortbildungen für Lehrer gefordert

Neben dem Hybrid-Unterricht wünschen sich die Schüler auch Fortbildungen für Lehrer, um digital unterrichten zu können, und Luftfiltergeräte für die Klassenräume. Sie fordern von der Politik, ihre Forderungen und Ängste ernstzunehmen. Andernfalls wollen die Schüler streiken. Für Montag, 11 Uhr, rufen sie zu einer Demonstration vor dem Gesundheitsamt auf. Julia Lorenz

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