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In Frankfurt-Preungesheim wurde der Kioskbesitzer Schorsch am vergangenen Samstag auf offener Straße erstochen. Nun nimmt der Stadtteil Abschied von ihm.

Ganzer Stadtteil trauert

Überwältigende Anteilnahme: So emotional nimmt Preungesheim Abschied von Kioskbesitzer Schorsch

In Frankfurt-Preungesheim ist der Kioskbesitzer Schorsch am Samstag bei einem Messer-Angriff ums Leben gekommen. Nun nimmt der Stadtteil Abschied von ihm.

Frankfurt - Noch immer sind viele in Frankfurt-Preungesheim zutiefst schockiert. Und noch immer legen Menschen vor dem Kiosk von Schorsch, wie ihn alle nur nannten, frische Blumen nieder. Sie stellen Kerzen auf im Gedenken an ihn oder legen Abschiedsbriefe auf die Fensterbank. Eine Passantin bleibt vor dem Lädchen in der Homburger Landstraße 203 stehen, schüttelt den Kopf, sagt "das ist so sinnlos" und geht weiter. Auch ein Busfahrer hält kurz an und schaut herüber, als ob er Abschied nehmen wolle.

Frankfurt-Preungesheim: Große Trauer um Kioskbesitzer Schorsch

Viele Menschen denken dabei auch an die Familie und Freunde des 57-Jährigen, der am vergangenen Samstag im Festeburgring mit Messerstichen getötet wurde. An seine schwangere Lebensgefährtin, seinen Sohn - und daran, wie es für sie weitergeht, wie sie umgehen mit dem Verlust des geliebten Menschen. 

Mandy Wiesener sammelt Geld für die Hinterbliebenen von Schorsch. Sie hat in Frankfurt-Preungesheim zwei Kondolenzbücher ausgelegt: in der Buchhandlung und im Tegut am Gravensteiner Platz.

Mandy Wiesener etwa, die unweit von Schorschs Lädchen wohnt und ihn fast täglich sah. Zwei Spendenboxen hat sie aufgestellt für die Familie, eine im Foyer des Tegut-Markts und eine in der Buchhandlung "Bücher im Bogen" am Gravensteiner Platz. Auch zwei Kondolenzbücher und Stifte liegen dort.

Heimtückische Messerattacke in Frankfurt-Preungesheim: Große Trauer um Schorsch

"Ich finde es einfach wichtig, das sich jemand kümmert", erklärt Mandy Wiesener. Sie bedankt sich bei den beiden Geschäften in Preungesheim, die sofort einwilligten, die Boxen und die Kondolenzbücher dort aufzustellen. "Viel wichtiger als das Geld, das irgendwann aufgebraucht sein wird, sind die lieben Worte, welche die Menschen in den Kondolenzbüchern hinterlassen können", sagt Wiesener. Irgendwann, wenn die erste Trauer verflogen sei, habe die Familie damit etwas, das sie daran erinnere, was für ein toller Mensch Schorsch gewesen sei.

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Sie sagt: "Sein noch ungeborene Kind wird nach seinem Papa fragen und die Mutter kann ihm dann sagen: Schau, das war Dein Vater." Ein Mann, der während dieses eines Jahres, in dem er sein Lädchen in Preungesheim betrieb, den Menschen, die ihn kannten, ein Lächeln ins Gesicht gezaubert habe. "Das hilft hoffentlich ein wenig über den Schmerz hinweg." 

Und dann erzählt sie von den Nachbarn, die oft zu Schorsch ins Lädchen kamen, um mit ihm einen Kaffee zu trinken, um mit ihm am kleinen Tischchen, dass er im Sommer vor seinem Lädchen aufstellte, eine Zigarette zu rauchen. Dass er immer Süßigkeiten für die Kinder hatte und jedem, der vorbeifuhr, zuwinkte. Auch ihr habe er in schweren Zeiten stets Mut gemacht, wie fnp.de* berichtet.

Schorsch: Frankfurt-Preungesheim in Trauer

Ein wenig Angst habe sie gehabt, dass die Kondolenzbücher vielleicht zu groß sein könnten, sagt Wiesener. "Es wäre doch peinlich, wenn ein solches Buch halbleer wäre." Eine Sorge, die am Mittwochmittag unbegründet zu sein scheint: Mehr und mehr Menschen tragen sich ein, gegen 14 Uhr sind beide Bücher bereits zu mehr als der Hälfte gefüllt. Selbst Kinder und Jugendliche seien gekommen, um einige letzte Worte an Schorsch zu richten, erzählen die Mitarbeiterinnen von "Bücher im Bogen". 

"Viel Kraft" wünschen viele Menschen Schorschs Familie und Freunden in ihren Beiträgen - darunter auch Menschen die Schorsch gar nicht oder nur flüchtig gekannt haben. Einige betonen, wie freundlich er stets gewesen sei. Andere haben Umschläge mit Beileidskarten in die Bücher gelegt.

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Der Kioskbetreiber war am vergangenen Samstagmorgen gegen 7.30 Uhr im Festeburgring niedergestochen worden und an den Folgen seiner Verletzungen gestorben. Laut Polizei soll der 30-jährige Tatverdächtige, der gemeinsam mit Schorsch aus dem Kiosk hinaus ins Freie gegangen war, den Kioskbetreiber mit einem Messer niedergestochen haben. Der Tatverdächtige sitze seit Sonntag in Untersuchungshaft. Anders als zunächst vermeldet, habe es am Samstagmorgen keinen Streit zwischen den beiden Männern gegeben. Die Ermittlungen zum Motiv der Tat dauern noch an.

Außerdem haben ein oder mehrere Täter einen 54-Jährigen an der Konstablerwache in Frankfurt brutal attackiert und schwer verletzt. Die Polizei ermittelt wegen schwerer Körperverletzung.

Derweil hat die Feuerwehr in Frankfurt-Nied bei einem Brand einen toten Mensch vorgefunden*. Die Polizei ermittelt.

Auch nach dem Anschlag in Halle ist in Frankfurt die Anteilnahme groß. 900 Menschen kamen für eine Gedenkveranstaltung an die Westend-Synagoge. Die Redner fanden deutliche Worte

Von Andreas Haupt

*fnp.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionetzwerkes.

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