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Bahn-Ausbau in Frankfurt: „Dass man nachts nicht schlafen kann, scheint egal zu sein“

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Von: Sabine Schramek

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In Frankfurt-Eschersheim klagen Nachbarn der S6-Baustelle über laute Nächte und das Verhalten der Bahn. Der sei die Lärmbelästigung herzlich egal.

Frankfurt - Uschi Stutzinger hat eine passable Sammlung an Flyern von der Deutschen Bahn. Seit elf Monaten wird um Verständnis gebeten, dass es nachts rummst. Dabei sollte nachts längst Ruhe sein. „Es ist wirklich stressig“, sagt die Frau, die ihren Balkon genießen möchte und nachts lüften will. Stattdessen wedelt sie sich Luft mit den langen Flyern zu. „Vielen Dank für Ihr Verständnis“, schreibt die Bahn und kündigt bis zum 4. September unter anderem Bohrpfeilarbeiten und Rammarbeiten mit schwerem Gerät an.

Ingrid Malsch wohnt wenige Straßen entfernt und ist ebenso genervt. „Es gibt im Umkreis von zwei Kilometern eine einzige Brücke, über die niemand mit Rollstuhl kommt. Das ist unzumutbar“, sagt sie. Ihre Mutter, die im Pflegeheim auf der anderen Seite der Schienen wohnt, kann sie kaum zu sich holen, der nächtliche Lärm sei ebenso unerträglich.

Bahnlärm in Frankfurt: „Wir werden nicht vorab informiert, welche Nächte laut sind“

Das Angebot der Bahn, ein Hotelzimmer zu nutzen, klingt gut. Doch es hat Haken. Das Zimmer darf nicht teurer sein als 65 Euro pro Nacht, muss selbst gefunden und gebucht werden und in eigener Vorleistung bezahlt werden. „Wir werden nicht vorab informiert, welche Nächte laut sind. Kurzfristig gibt es kein Zimmer für 65 Euro in Frankfurt und die Rückzahlung dauert mehr als vier Wochen“, wissen Stutzinger und Malsch, die am Anfang einmal das Angebot außerhalb der Stadt genutzt haben.

„Das kann kaum jemand leisten, der arbeitet, Familie hat oder nicht gesund ist“, sagt auch Susanne Nordbruch von der Bürgerinitiative „BAHNane“. Sie hat eine fünfköpfige Familie und zwei Hunde. „Versuchen Sie da mal, ein Hotelzimmer in Frankfurt für 65 Euro zu bekommen.“ Sie kenne noch etliche Anwohner:innen, die „richtig unglücklich“ sind.

Anwohner in Frankfurt sind frustriert vom Dauerstress

Alte Menschen, die gar nicht in der Lage seien, etliche Hotels durchzurufen, Alleinerziehende mit Kindern und Leute, die nicht einmal wüssten, dass ihnen die Bahn die Möglichkeit für Hotelzimmer gibt. „Das erfährt man nur, wenn man richtig hartnäckig ist“, so Nordbruch. Warum die Bahn nicht rechtzeitig mitteilt, wann es nachts laut ist, warum sie kein Kontingent an Hotelzimmern bereitstellt und warum sie darauf besteht, dass alle, die das Angebot nutzt, in Vorkasse treten, ist den drei Frauen ein Rätsel.

„Wenn man anruft, wird Verständnis vorgegeben, man kümmere sich und versuche, eine gute Lösung zu finden. Dann wartet man vergeblich auf, gute Lösungen“, seufzt Stutzinger. Sie ist Frührentnerin, kann wegen des Lärms oft nicht schlafen. „Immerhin muss ich nicht völlig übermüdet zur Arbeit gehen“, meint sie sarkastisch. Malsch arbeitet. An zwei Tagen der Woche im Homeoffice, an drei Tagen im Büro. „Der Dauerstress mit der Bahn geht an die Substanz“, sagt sie frustriert. Nordbruch und ihr Mann arbeiten. Sie ist Tagesmutter, der Mann hat sein Büro zu Hause.

Ingrid Malsch, Susanne Nordbruch und Uschi Stutzinger (von links) sind frustriert und sauer auf die Bahn.
Ingrid Malsch, Susanne Nordbruch und Uschi Stutzinger (von links) sind frustriert und sauer auf die Bahn. © Rainer Rüffer

Lärmbelästigung: Die Kaffeetassen wackeln auf dem Tisch

„Der Lärmgrenzpegel wird oft überschritten. Es interessiert niemanden. Dass man nachts nicht schlafen kann, scheint der Bahn auch egal zu sein.“ Natürlich sei der nächtliche Lärm nicht in jeder Nacht ein Horrorerlebnis. Aber selbst in ruhigen Nächten wälze man sich schlaflos im Bett, weil man darüber nachdenke, dass es morgen schon wieder enorm laut wird. „Kopfkino“, sagt Stutzinger. „Vor einigen Tagen habe ich schlaflos saubergemacht. Da wackelte die Kaffeetasse auf dem Tisch.“

Zuweilen sorgten die Rammarbeiten dafür, dass alles wackelt, dröhnt und klirrt. Die Frauen sind genervt und sauer. Wenn der Lachweg gesperrt sei, gebe es keine weiteren Nachtarbeiten, hieß es. „Faule Versprechen. Jetzt wird es bis September so schlimm bleiben, wie es bereits seit elf Monaten ist.“ Auf Anfrage der Redaktion hat die Bahn bis Redaktionsschluss nicht reagiert. (Sabine Schramek)

Der viergleisige Ausbau der Bahnstrecke zwischen Frankfurt und Bad Vilbel sorgt nicht nur bei den Anwohnern der Baustelle für Schwierigkeiten. Auch die Fahrgäste der Strecke S6 haben mit massiven Einschränkungen zu kämpfen.

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