Mit Stab, Schaufel und Schubkarre sind Birgit Sauerbrey (r.) und Monika Gebhart auf dem Hundeübungsplatz unterwegs. Regelmäßig füllen sie die Mäuselöcher mit Erde, doch die Nager kommen immer wieder. 
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Mit Stab, Schaufel und Schubkarre sind Birgit Sauerbrey (r.) und Monika Gebhart auf dem Hundeübungsplatz unterwegs. Regelmäßig füllen sie die Mäuselöcher mit Erde, doch die Nager kommen immer wieder. 

Eschersheim

Mäuse durchlöchern Sportplatz in Frankfurt - Schäferhundeverein Praunheim ratlos

  • Judith Dietermann
    vonJudith Dietermann
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Mäuse durchlöchern den Sportplatz an der Niedwiesenstraße in Eschersheim. Der Schäferhundeverein Praunheim fühlt sich von der Stadt Frankfurt alleingelassen. 

  • Mäuse durchlöchern einen Sportplatz in Frankfurt-Eschersheim
  • Der Schäferhundeverein Praunheim fühlt sich von der Stadt alleingelassen
  • Theoretisch müsste der ganze Platz umgegraben werden

Frankfurt - Schritt für Schritt laufen Birgit Sauerbrey und Monika Gebhart, erste und zweite Vorsitzende des Schäferhundevereins (SV) Praunheim, die Wiese ab. Langsam sind sie dabei unterwegs, den Blick stets auf den Boden gerichtet. Mit einem langen Eisenstab stochern sie ab und zu in der Erde herum, bücken sich und schieben mit den Fingern die Grashalme zur Seite. "Da, da ist noch ein Loch", ruft Monika Sauerbrey und bleibt stehen. Sie nimmt die Stange zu Hilfe und sticht in den Boden. Dann greift sie zur Schaufel, holt etwas Erde aus der Schubkarre und schüttet die Öffnung, nicht größer als ein Tischtennisball, zu.

Noch mehr dieser Löcher finden Sauerbrey und Gebhart an diesem Vormittag auf dem Übungsplatz des Vereins an der Niedwiesenstraße. Und das, obwohl sowohl die Vereinsmitglieder als auch zahlreiche Praunheimer Vereine erst wenige Tage zuvor gemeinschaftlich den löchrigen Rasen gestopft hatten. Mit mehreren Kubikmetern Erde im Wert von mehr als 300 Euro.

Frankfurt: Mäuse heben unter Sportplatz riesiges Gängesystem aus

"Die Verursacher sind uns einfach einen Schritt voraus", sagt Birgit Sauerbrey. Und wer sind die Verursacher? Mäuse, sagt die Vorsitzende. Ob Feld- oder Wühlmäuse, das wisse sie nicht. Noch sei keiner der eigentlich doch recht putzigen Nager, die im Falle des SV Praunheim eine echte Plage sind, gesehen worden.

Seit zwei Jahren schon fühlen sich die Vierbeiner auf der zwischen Feldern liegenden Hundesportanlage pudelwohl. Und haben mittlerweile unterhalb der Rasenfläche ein riesiges Gängesystem angelegt. Das zeigt nicht nur die Anzahl der Löcher, das spürt man sogar bei jedem Schritt. Weich und nachgiebig ist der Boden. Zwar könne auf dem Übungsplatz nach wie vor trainiert werden, sagt Sauerbrey. Was für die Hunde unproblematisch ist, kann für die Halter jedoch gefährlich werden. Tritt man auf eine Stelle mit mehreren Mäuselöchern, sackt der Boden tief ein. "Das ist auch bei der Auffüllaktion passiert. Zum Glück hat sich niemand dabei verletzt", sagt Sauerbrey.

Gift soll Mäuse nicht von Sportplatz in Frankfurt verjagen

Dass die Mäuse den Einsatz der Hundefreunde nicht ernst nehmen und weiterhin ihre Löcher graben, damit hat die Vorsitzende übrigens gerechnet. Das sei auch im vergangenen Jahr schon so gewesen. Allerdings weiß sie sich sonst keinen Rat, denn mit Gift wolle man keinesfalls gegen die Nager vorgehen. "Wir sind Tierfreunde, da muss eine andere Lösung her", sagt Sauerbrey, die deswegen auch schon bei der Stadt, von der der Verein das Gelände seit 1986 gepachtet hat, um Unterstützung bat. Ohne Erfolg. In einer E-Mail habe man ihr erklärt, dass man als Pächter bezüglich der Unterhaltung alle Kosten zu tragen habe. Das sei zwar richtig, sagt Birgit Sauerbrey. "Wir sind jedoch ein sehr kleiner Verein mit 33 Mitgliedern und deswegen um jede Hilfe dankbar", sagt sie. 

Zumal die Lösung, die die Mäuse endgültig vertreiben könnte, nicht gerade günstig sei. "Theoretisch muss der ganze Platz umgegraben, die Gänge zerstört und der Boden anschließend gewalzt werden. Dafür fehlen uns die Geräte, die Stadt hat welche", sagt sie. Den Rasen umzugraben ist auch laut Experten die sicherste Möglichkeit, die Nager zu vertreiben. Ansonsten empfehlen sie, die empfindlichen Nasen der Mäuse zu nutzen. Die Bepflanzung der Fläche mit Kaiserkrone oder Knoblauch sei ebenso effektiv wie die Gänge mit stinkender Holunderjauche oder vergorener Buttermilch zu spülen.

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Mäuse auf Sportplatz in Frankfurt: Verein hofft auf natürliche Feinde

Das ist vielleicht in einem kleinen Garten umsetzbar, aber sicher nicht auf einem solch großen Areal wie dem des Schäferhundevereins. Zumal dies alles in Handarbeit passieren muss, wie auch das Stopfen der Löcher. Deswegen baut Brigit Sauerbrey lieber auf die natürlichen Feinde der Nager, wie den Mäusebussard. "Einer fühlt sich hier schon heimisch, vielleicht bringt das ja etwas", sagt sie. Manchmal, fügt sie dann hinzu, vermisse sie sogar die Maulwürfe, die noch bis vor wenigen Jahren auf der Anlage zu Gast waren. Vielleicht hätten sie ja die Mäuse vertreiben können. 

In einem Monat soll der Platz auf jeden Fall so gut wie mäusefrei oder zumindest frei von Löchern sein. Denn am 28. und 29. März findet auf dem Gelände nämlich die Landesgruppen-Qualifikation für den 7-Länder-Wettkampf statt. "Diese ausrichten zu dürfen und zu können, ist für uns eine große Ehre. Die Freude werden wir uns von den Mäusen sicher nicht verderben lassen", sagt Sauerbrey.

Verein musste in Frankfurt schon mehrfach neuen Sportplatz suchen

Am 19. Februar 1930 gegründet musste der SV Ortsgruppe Praunheim schon mehrfach umziehen. Ab 1931 befand sich der Übungsplatz in der Steinbacher Hohl in Praunheim, 1958 zogen die Hundefreunde an die Sternbrücke in Rödelheim um, ehe sie 1973 in der Woogstraße am Ginnheimer Wäldchen heimisch wurden. Dieses Gelände mussten sie jedoch wegen der Bundesgartenschau im Niddapark verlassen, 1986 bezogen sie ihr neues Heim an der Niedwiesenstraße.

Erziehungs- und Welpenkurse, die Internationale Gebrauchshundeprüfung, der englische Hundesport Agility sowie das Longieren bietet der Verein an. Und das längst nicht mehr nur für Schäferhunde - auch Hundehalter mit Mischlingen, Labradoren und sogar Pekinesen nutzen die Angebote. Dabei ist der Verein stets auf der Suche nach neuen Kursleitern, denn die sind rar gesät. "Die Nachfrage ist leider größer als das Angebot, viele müssen wir vertrösten, sagt Birgit Sauerbrey, seit 1996 Vorsitzende des Vereins. Mehr Informationen gibt es auf der Homepage des SV Praunheim

Von Judith Dietermann

Auch in Frankfurter Supermärkten sind Mäuse immer wieder ein Problem. 2017 kostete einen Gastwirt die Mäusejagd in seinem Lokal 250 Euro

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