Die Visualisierung zeigt den Blick aus dem EZB-Turm auf den möglichen Neubau der Europäischen Schule an den Mainwasen.
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Die Visualisierung zeigt den Blick aus dem EZB-Turm auf den möglichen Neubau der Europäischen Schule an den Mainwasen.

Lange Suche nach Standort

Streit um Mainwasen: Frankfurter Mainufer als neuer Standort?

  • Julia Lorenz
    vonJulia Lorenz
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Baudezernent Jan Schneider (CDU) präsentierte der Römer-Koalition die erste Planung für einen Schulkomplex an den Mainwasen in Frankfurt. Die SPD hält vom Projekt nichts.

Frankfurt - Viele schattenspendende Bäume, viel Grün, der Main direkt vor der Tür: In dieser Umgebung könnten künftig die Schüler der Europäischen Schule unterrichtet werden. Wie das aussehen könnte, das zeigt eine Visualisierung, die Baudezernent Jan Schneider (CDU) der schwarz-rot-grünen Römer-Koalition präsentiert hat.

Die Idee des Stadtrats ist es, die Europäische Schule auf der Sportanlage Mainwasen in Sachsenhausen anzusiedeln - direkt am gegenüberliegenden Ufer der Europäischen Zentralbank (EZB). Um in diesem Zuge auch das Mainufer aufzuwerten, ist geplant, die Gerbermühlstraße zu verlegen. Sie würde dann von Sachsenhausen kommend bis zur Osthafenbrücke nicht mehr direkt parallel zum Main, sondern ein Stück weiter südlich entlang der Bahngleise verlaufen. Dadurch würde ein 82 000 Quadratmeter großes Areal entstehen. Die Schule könnte auf einer Fläche von 49 000 Quadratmetern gebaut werden. Drei bis vier Gebäude mit bis zu fünf Geschossen, Sporthallen, Sportplätze und natürlich ein Schulhof würden darauf Platz finden.

Frankfurt: Neuer Standort für Europäische Schule - Schülerzahl wächst stetig

"Gleichzeitig würden wir aber auch eine Aufenthaltsqualität zum Wasser hin schaffen", sagt Schneider, für den dort "ein Ruhepol zum belebten Hafenpark" auf der anderen Mainseite entstehen würde. "Über die Osthafenbrücke wäre man dort in wenigen Minuten hingelaufen", so der Stadtrat. Deshalb ist er sich sicher: "Nicht nur die Europäische Schule, sondern alle Frankfurter hätten einen Mehrwert von diesem Plan."

Bei der Visualisierung handelt es sich aber noch nicht um einen Architektenentwurf, sondern lediglich um eine Baumassen-Studie, wie es im Fachjargon heißt. Diese überprüft, ob das Vorhaben an dem vorgesehen Ort realisierbar ist und ob der Raumbedarf der Schule abgedeckt werden kann. "Wie die Gebäude letztlich aussehen, wo sie stehen und wie groß sie sind, all das steht noch nicht fest und ist variabel", sagt Schneider im Gespräch mit dieser Zeitung.

Fest steht aber: Die Zahl der Kinder, die die Europäische Schule besuchen, wächst und wächst, das Gebäude am bisherigen Standort in der Nordweststadt jedoch platzt schon jetzt aus allen Nähten, ist es doch für so viele Schüler gar nicht ausgelegt. Deshalb sucht die Stadt schon seit Jahren händeringend nach einem neuen Standort. So ist es mit der Bundesrepublik vereinbart, die für den Bau von Bildungseinrichtungen für die Mitarbeiter europäischer Institutionen in Deutschland verantwortlich ist.

Frankfurt: SPD favorisiert Kaiserlei-Gelände - Entscheidung für neue Europäische Schule zieht sich hin

Eigentlich sollte schon vor drei Jahren eine Entscheidung gefallen sein, wo der Neubau für die Europäische Schule künftig stehen wird. Das zumindest hatte das Bildungsministerium angekündigt. Dann sollte bis zum vergangenen Sommer eine Entscheidung getroffen werden. Doch auch daraus wurde nichts. Die Stadt konnte kein geeignetes Grundstück präsentieren. Zwischenzeitlich war sogar mal eine Erweiterung am jetzigen Gelände im Gespräch. Dagegen protestierten aber Lehrer, Schüler und Eltern der benachbarten Ernst-Reuter-Schulen. Die Idee ist vom Tisch.

Die Sportanlage Mainwasen in einen Schulstandort umzuwandeln, hatte Schneider bereits im März des vergangenen Jahres den Koalitionsmitgliedern vorgeschlagen, gilt dieses Grundstück doch auch als Favorit der EZB. Die SPD-Fraktion jedoch konnte von der Idee nicht überzeugt werden - bis heute nicht. Die Sozialdemokraten favorisieren ein Areal am Kaiserlei, dort wo ursprünglich eine Multifunktionshalle geplant war.

Den Standort an den Mainwasen jedoch betrachtet die SPD-Fraktion als kritisch, weil dafür die Sportvereine VfL Germania und SV 1894 Sachsenhausen weichen müssen. Ihnen ist allerdings ein Ersatzgelände an der Offenbacher Landstraße gegenüber der Theologischen Hochschule Sankt Georgen angeboten worden. Nach "konstruktiven Gesprächen" mit den Sportvereinen stehen diese einem Umzug aber positiv gegenüber, würden sie doch eine nigelnagelneue Anlage bekommen.

Und auch mit dem Kleingartenverein Mainwasen sollen nun noch Gespräche geführt werden, kündigt Schneider an. Wegen der Verlegung der Gerbermühlstraße nämlich müssten einige Kleingarten-Parzellen weichen. Für die Kleingärten sollen ebenfalls Ersatzflächen in der Nähe gefunden werden. "Den Verlauf der Straße kann man möglicherweise aber auch noch optimieren", so Schneider. "Es ist ja noch nichts entschieden." (Von Julia Lorenz)

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