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Die Europäische Schule Frankfurt in der Nordweststadt hat ein Raumproblem. 

steigende Schülerzahlen 

Europäische Schule braucht Platz: Neubau oder doch Erweiterung?

Die Europäische Schule Frankfurt in der Nordweststadt hat absehbar ihre Kapazitätsgrenzen erreicht und braucht Platz. Eine Machbarkeitsstudie des Amtes für Bauen und Immobilien hält eine Erweiterung am Standort für machbar. Bildungsdezernentin Sylvia Weber (SPD) präferiert einen Neubau.

Frankfurt - Die Angelegenheit ist knifflig und einigermaßen delikat. Die Europäische Schule hat seit Jahren steigenden Raumbedarf. Schulerweiterung oder Schulneubau, das mag sich profan anhören. Ist es aber nicht. Die Europäische Schule Frankfurt (ESF) platzt gewissermaßen aus allen Nähten und braucht mehr Platz. Dringend. 

Das zumindest ist unstrittig. Als zu Beginn dieses Jahres wieder mal die Idee eines Schulneubaus aufpoppte, diesmal Sachsenhausen, auf Sportflächen in den Mainwasen, nahe der Europäischen Zentralbank (EZB), waren alle auf der Zinne: Sportvereine kämpften leidenschaftlich für den Erhalt ihrer Plätze, Ortspolitiker kämpften nicht minder engagiert für die Sportvereine. Die kollektive Empörung machte schnell klar: Die Stadt muss mit heftigem Widerstand rechnen, von den Mainwasen lässt sie besser die Finger. Das freilich lässt sie nicht aus der Pflicht, der Europäischen Schule ein Grundstück zur Verfügung zu stellen.

Die Europäische Schule Frankfurt (ESF) wurde 2002 für Kinder von Mitarbeitern der Europäischen Zentralbank (EZB) und anderer europäischer Institutionen gegründet. Eine Privatschule ist sie aber nicht. Sie ist, wie alle 13 Europäischen Schulen, von deren Mitgliedsländern gegründet und damit eine öffentlich-rechtliche Einrichtung. Die Schule in der Nordweststadt verzeichnet weiterhin steigende Schülerzahlen.*

Zuständig für die ESF ist also die Bundesrepublik, die wiederum mit der Stadt vereinbart hat, dass diese zuständig ist, der Schule ein Grundstück zur Verfügung zu stellen.

Frankfurt: Europäische Schule (ESF) braucht mehr Kapazitäten 

Die Raumnot am Standort Nordweststadt ist kein neues Thema. Vor fast auf den Tag genau sechs Jahren, am 17. Oktober 2013, schickte der Elternverein der ESF einen Brandbrief an die Bundeskanzlerin. Tenor: Die Schule ist zu klein, die Aufnahmekapazitäten sind erschöpft, auch die 2011 aufgestellten fünf Container, auf die zwei Jahre später fünf weitere aufgestockt wurden, haben nicht gereicht. Der Plan der Schule, sie auszubauen, damit sie Platz für 1800 Schüler bietet, war 2008 abgelehnt worden. Die Eltern sprachen in ihrem Brief an Angela Merkel von "Vertragsbruch zulasten der Kinder". Sie forderten die "Bereitstellung eines geeigneten Geländes für eine Schule mit mindestens 3000 Schülern, bevorzugt am jetzigen Standort, um unnötige Kosten zu vermeiden".

In der Nordweststadt reicht die Kapazität nur noch etwa bis zum Jahr 2024.* Mittelfristig rechnet die Schule, die bei ihrer Gründung mit 800 Schülern gestartet ist, damit, dass die Eltern von rund 2500 Mädchen und Jungen sich für die ESF entscheiden.

Ein geeignetes Grundstück für einen Schulneubau kann die Stadt der Europäischen Schule offenbar nicht anbieten. Und weil die Zeit drängt, lebt nun eine alte, zwischenzeitlich verworfene Idee wieder auf: der Verbleib der Schule und Erweiterung am Standort. Der Vorschlag, den der ESF-Elternverein bereits vor sechs Jahren machte, womöglich ohne die weitreichenden Konsequenzen in die schulische wie politische Landschaft der Stadt abzusehen, bekommt nun konkrete Konturen durch eine Machbarbarkeitsstudie des Amtes für Bauen und Immobilien, die dieser Zeitung vorliegt. 

Zur Grundbedingung erhebt die Untersuchung einen neuen Zuschnitt des Geländes, der nicht nur das der ESF, sondern auch das der benachbarten Ernst-Reuter-Schulen (ERS) I und II betrifft. Die beiden letztgenannten Schulen gleichen Namens sind eine Integrierte Gesamtschule (IGS) und ein Oberstufengymnasium. Beide sind dringend sanierungsbedürftig, man könnte auch sagen: marode.

Europäische Schule Frankfurt (ESF): Machbarkeitsstudie liegt vor

Die Studie geht pragmatisch zu Werke, wenn sie das gesamte, rund elf Hektar große Areal auf die Schulen aufteilt. Für die ESF sieht sie eine Fläche von gut 45 000 Quadratmetern vor, für die beiden Ernst-Reuter-Schulen zusammen 63 550 Quadratmeter. Räumliche Begrenzungen gibt es einerseits durch die geplante Ortsumgehung Praunheim wie auch durch das bisher freilich lediglich als Idee existierende Projekt der sogenannten Regionaltangente West für eine Stadtschnellbahn und schließlich durch den Martin-Luther-King-Park. Die Studie betrachtet also, auch durch Verschiebung und Neuverteilung der vorhandenen Fläche an die beiden unterschiedlichen Schulen, lediglich rein mathematisch die Machbarkeit, nicht aber andere Ansprüche.

Deshalb sind deren Aussagewert und Verwendbarkeit als Basis weiterer Planungen aus Sicht von Bildungsdezernentin Sylvia Weber (SPD) eher übersichtlich. Ein großer Mangel sei, sagt sie, dass Belange des Denkmalschutzes völlig unberücksichtigt blieben. Teile der Ernst-Reuter-Schule unter den besonderen Schutz der Denkmalpflege zu stellen, ist im Stadtteil politischer Wille. Aufs Engste verzahnt mit der äußeren Gestaltung der 1965 fertiggestellten Schulgebäude ist die Geschichte dieser Bildungseinrichtung, ihr Profil als erste Integrierte Gesamtschule in Hessen, als Modell- und Experimentalschule. Sie machte mit unterschiedlichsten reformpädagogischen Ansätzen von sich reden, die bis heute im Lehrbetrieb fortleben. Das Thema Inklusion hat einen sehr hohen Stellenwert.

Europäische Schule Frankfurt: „Fremdkörper“ im Stadtteil

Sylvia Weber möchte, dass die Denkmalschutzinteressen durch neue Planungen nicht sabotiert werden, vor allem aber möchte sie, dass die lange geplante Sanierung endlich in Gang kommt. Die Mittel stehen bereit, seit Jahren. Eine vollständig neue Überplanung des Areals anlässlich der Erweiterung der ESF bedeute weiteren Verzug. Daraus, dass sie sich nicht erwärmen kann für die Idee vom großen gemeinsamen Campus für EFS und Ernst-Reuter-Schule, macht Sylvia Weber kein Hehl. 

Zu ihren Vorbehalten gehört auch, dass sich die ESF nicht im erhofften Maße zum Stadtteil hin geöffnet habe. Anders als die Ernst-Reuter-Schule, die für die Siedlungsentwicklung der Nordweststadt eine hohe Bedeutung habe und als Bildungseinrichtung Akzeptanz und Beliebtheit im Stadtteil genieße, sei die ESF eher in sich abgekapselt. Weber spricht von einem "Fremdkörper".

Der Vorstellung der Bildungsdezernentin sehr viel näher käme ein Schulneubau für die Europäische Schule am Kaiserlei. Dass auf dem dafür in Frage kommenden Grundstück eine Multifunktionshalle entstehen soll und die Planungen dafür vergleichsweise konkret sind, entmutigt die Bildungsdezernentin nicht. Längst sei die Sache noch nicht in trockenen Tüchern. Man müsse abwarten, wie es weitergehe. Aus ihrer Sicht gibt es keinerlei Notwendigkeit, eine Sport- und Event-Arena ausgerechnet am Kaiserlei zu bauen, zumal sich für den Alternativstandort Flughafen ein großer kanadischer Investor gemeldet habe, um das Projekt dort zu realisieren.

Schließlich bringt Sylvia Weber eine weitere Idee ins Spiel. Sollte auf dem Areal Kaiserlei eben doch keine neue Schule gebaut werden, könnte die Stadt der ESF das Grundstück Seehofweg 41 für einen Neubau anbieten. Noch ist dort das Stadtschulamt ansässig. Das, sagt Sylvia Weber, werde absehbar umziehen. Zwar sei die Liegenschaft dort relativ begrenzt. Aber wenn man sechs, sieben Stockwerke in die Höhe baue, würde es ausreichen.   Von Sylvia A. Menzdorf


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