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Hübsch anzusehen, aber nicht besonders wertvoll sind die beiden französischen Porzellanfiguren, die Barbara Munkler mitgebracht hat. 

Wenig Rares und nichts Bares

Frankfurt: Experten schätzen den Wert von Erbstücken und Kellerfunden

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Kunstvoll gerahmte Ölgemälde, handgeknüpfte Teppiche, edel anmutender Schmuck: Wer sich nicht sicher ist, ob das lieb gewonnene Erinnerungsstück vielleicht doch ein echter Schatz ist, bekommt bei einer Aktion in den Lagerräumen von MyPlace Selfstorage Gewissheit.

Normalerweise bringen Kunden Kisten und Kästen zu MyPlace Selfstorage, um die Gegenstände dort sicher verwahrt zu lagern. Für den Termin "Experten bewerten" am Samstag förderten sie dagegen das zutage, was oftmals schon lange Jahre in Kellern und auf Dachböden gelagert war. Gemälde, die bereits an Opas Wand hingen. Figürchen aus dem Erbe der Großmutter. Schmuck, Instrumente, sogar einen Schrank. Denn am Samstag ging es in der Ludwig-Landmann-Straße bereits zum siebten Mal um die Frage: Großer Schatz oder doch nur ein Erinnerungsstück?

Restaurator und Geschäftsführer Reno Daschmann (61) und Kunsthistoriker Eugen Rodin (32) vom Auktionshaus Wiesbaden sehen das meistens auf den ersten Blick. Drei Gegenstände darf jeder Besucher mitbringen. Manches schiebt Daschmann sofort wieder über den Tisch zurück. "Tut mir leid, das ist viel jünger als es aussieht und hat keinen Wert", sagt er dann. Oder "Eine schöne Bleiverglasung, aber mit dem religiösem Motiv müssten sie heute schon einen Pfarrer als Käufer finden."

Leider nur Massenware

Aber die meisten Stücke begutachtet er länger. Betrachtet bei Bildern auch die Rahmen, holt für Schmuckstücke die Lupe heraus - und riecht an einer Teekanne. "England, ungefähr aus der Zeit um 1920, aber leider nur versilbert, das war damals eine Massenware und ist nur circa 130 Euro wert", sagt er fast entschuldigend zu dem Ehepaar, das ihm dieses Schätzchen mitgebracht hat. Ob versilbert oder aus massivem Silber, das könne er riechen, versichert er. "Silber hat einen ganz eigenen Geruch."

Nicht aus Silber sondern aus Gold ist das Schmuckstück, das das Ehepaar Ulrich danach auspackt. Eine kunstvoll gearbeitete Brosche, die auch als Anhänger oder Verzierung einer Perlenkette getragen werden kann. Jürgen Ulrich (78) hat das besondere Stück vor 27 Jahren in einem Antiquitätenladen entdeckt und seiner Frau gezeigt. "Es gefiel mir so gut, dass ich den Anhänger gerne gekauft hätte, aber mein Mann meinte, so viel Geld könnten wir nicht ausgeben", erzählt Monika Ulrich (76). 

Die Schätze einer Nachbarin haben Manfred Gerth (r.) und Dagmar Thiel mitgebracht. Experte Eugen Rodin schätzt das Werk auf 1000 Euro.

Was sie damals nicht ahnte: Ihr Mann ging heimlich zurück in den Laden, kaufte das Schmuckstück und versteckte es ein ganzes Jahr lang. "An meinem 50. Geburtstag wollte ich dann ein Kleid mit Schal tragen, aber er überzeugte mich, etwas mit Ausschnitt zu wählen, und dann legte er mir den Anhänger an einer schmalen Kette von hinten um den Hals", erinnert sie sich an die romantische Geste. Wie viel er damals für das Schmuckstück bezahlt hat, weiß Jürgen Ulrich nicht mehr, aber für heutige Verhältnisse sei es günstig gewesen, meint er. Jetzt könne er den ungefähr 100 Jahre alten Anhänger bestimmt für 800 bis 1500 Euro verkaufen, versichert Auktionator Daschmann. "Das ist ein Sammlerstück, aber ein heute noch tragbares, so etwas geht immer sehr gut weg", sagt er.

Alle 3 Monate findet in Wiesbaden eine Auktion statt. 1500 bis 2000 Objekte werden dann versteigert, einige davon erhält Daschmann auch nach Schätzungsaktionen wie der am vergangenen Wochenende.

Kaum noch Kellerräume

Fünf bis sechs Mal pro Jahr sind die Experten des Auktionshauses für MyPlace im Rhein-Main-Gebiet im Einsatz. "Natürlich hoffen wir durch diese Veranstaltungen neue Kunden auf unser Lagerangebot aufmerksam zu machen", sagt Regionalmanager Marc Gersin. Wobei die Nachfrage nach Stauraum gerade in Städten wie Frankfurt sowieso zunehmend wachse. "Früher gehörte ein Keller zu so ziemlich jeder Wohnung, heute werden sie häufig ohne vermietet. Oder sind feucht. Dann bringen die Leute ihre Weihnachtsdeko eben zu uns", sagt Gersin.

Der ein oder andere Besucher vom Samstag könnte durchaus als Kunde wieder kommen. Auf Nachfrage geben die meisten an, entrümpeln und Platz schaffen zu müssen. Aber die Bereitschaft, ihre Schätzchen zu verkaufen, ist dann doch häufig noch nicht so ausgeprägt.

Barbara Munkler beispielsweise brachte zwei Porzellanfiguren aus dem Erbe ihrer Großmutter zum Schätzen. Vorsichtig wickelt sie die Figuren im Anschluss wieder in weiche Decken und legt sie eine alte Weinkiste. In der sie nun wieder in den Keller zurück wandern werden. "Verkaufen möchte ich sie nicht. Ich hoffe immer noch darauf, mal einen Verwandten zu treffen, der mir etwas zu ihrer Geschichte erzählen kann", sagt Munkler. Richtig viel einbracht hätten die Figuren sowieso nicht. Wie die britische Teekanne wurden auch diese französischen Figuren um die Jahrhundertwende in Masse produziert. Ganz anders dagegen die später präsentierte Roboterfigur mit Digitaluhr, die von dem Gegenwartskünstler Petrus Wandrey stammt. Er soll ein Schüler von Salvator Dali gewesen sein - was der Figur zu einem Wert von mindestens 4000 Euro verhilft. Das wertvollste Stück des Tages.

Mehrfach im Jahr bietet MyPlace Selfstorage im Rhein-Main-Gebiet die Aktion "Experten bewerten" an. Wer den Termin am Samstag in Frankfurt verpasst hat, kann das Kunst- und Auktionshaus Wiesbaden auch direkt kontaktieren. Anhand eines Bildes können die Spezialisten bereits eine erste Einschätzung vornehmen. Gerne kommen Geschäftsführer Reno Daschmann und seine Mitarbeiter auch unverbindlich zu Hause vorbei und bewerten Gemälde, Möbel, Schmuck und Oldtimerfahrzeuge. Ist ein Schatz dabei, können die Verkäufer ihn dem Auktionshaus für eine der alle drei Monate in Wiesbaden stattfindenden Versteigerung anvertrauen. Die nächste Auktion ist am 20. und 21. September. Alle zur Versteigerung stehenden Objekte sind mit Startpreis in dem Auktionskatalog verzeichnet, der online auf der Internetseite www.auktionshaus-wiesbaden.de eingesehen werden kann. Direkt erreichen Interessenten Reno Daschmann mit einer Mail an info@auktionshaus-wiesbaden.de 

ako

Ebenfalls in Frankfurt regt sich Widerstand im Bahnhofsviertel. Aktivisten protestieren gegen das Vorgehen von Polizei und Stadt. Die Polizei hingegen bereitet sich derzeit auf die IAA vor. Es wird mit vielen „kreativen Aktionen“ gerechnet. 

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