Mit roter Farbe markieren Arbeiter eine Fahrradspur auf der Gutleutstraße in der Innenstadt Frankfurt.
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Mit roter Farbe markieren Arbeiter eine Fahrradspur auf der Gutleutstraße in der Innenstadt Frankfurt.

Verkehrswende

„Rad-Wahnsinn“ in Frankfurt: Automobilclub-Chef kritisiert Ausbau von Fahrradwegen

  • vonDavid Suárez Caspar
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Immer mehr Menschen in Frankfurt fahren mit dem Rad. Weitere Radwege sind bereits geplant. Doch der Präsident von „Mobil in Deutschland“ nennt das „irre“.

Frankfurt – Der Präsident des Automobilclubs „Mobil in Deutschland“, Michael Haberland, kritisiert den zunehmenden Ausbau von Fahrradwegen in Frankfurt aufs Schärfste. Der Bild-Zeitung sagte er: „Stoppt den Rad-Wahnsinn in Frankfurt. Das ist völlig irre, die fahren die Stadt an die Wand.“ Die Grüne und Volt fordern eine City-Maut, um einen Anreiz auf einen Umstieg von Auto auf Fahrrad zu schaffen und die durch den Autoverkehr anfallenden Kosten zu senken. Haberland ist nicht begeistert: „Den Leuten vorzuschreiben, mit was sie fahren sollen, ist Öko-Sozialismus.“

Dabei wird Fahrradfahren in Frankfurt immer beliebter. Der Anteil des Radverkehrs hat im Zeitraum von 2013 bis 2018 von 12,6 auf 19,8 Prozent stark zugenommen. 2003 waren es erst 8,9 Prozent. Verkehrsdezernent Klaus Oesterling (SPD) sieht die Stadt verpflichtet dazu, „dem Radverkehr den entsprechenden Raum einzuräumen“. Denn der habe noch nicht die „40 Prozent des Straßenraums zur Verfügung“, die ihm zustehen. „Das geht nur zulasten des Autoverkehrs“, erklärt Oesterling nach Veröffentlichung einer Mobilitätsstudie im Mai 2020.

„Rad-Wahnsinn“ in Frankfurt: Automobilclub-Chef fürchtet „Veröden der Innenstadt“ durch Radverkehr

Automobilclub-Chef Haberland schlägt vor, wie in München gegen Radwege zu klagen. „Die Innenstadt wird durch den Fahrradverkehr veröden. Dann ist Schluss mit der Urbanität und dem urbanen Leben. Urbanität bedeutet alle Verkehrsmittel – und zwar ausgerichtet nach dem Kundenwunsch. Die meisten fahren nun mal mit dem Auto“, erklärt Haberland der Bild.

Doch für die Innenstadt von Frankfurt gibt es auch Konzepte zum Ausbau von Radwegen mit Einbezug von Autoverkehr und öffentlichen Verkehrsmitteln. Für die Zeil in Frankfurt gibt es ein Konzept, das Verkehr auf der Einkaufsstraße vorschlägt. Der Einzelhandelschef Joachim Stoll steht einem Ausbau von Radwegen ohne Alternative kritisch gegenüber, wie er in einem Interview mit der FNP im Mai 2021 erklärt. „Der Handel braucht eine Erreichbarkeit mit all den Verkehrsmitteln, die seine Kunden bevorzugen. Die autofreie Innenstadt ist genauso illusorisch, wie Autos auf der Zeil in Frankfurt effekthaschend falsch sind. Eine Katastrophe wäre eine reine Verschlechterung des Autoverkehrs ohne eine Verbesserung des ÖPNV und des Fahrradwegnetzes.“

Die Innenstadt Frankfurts sollte so gestaltet werden, dass die Menschen gerne kommen, so Stoll. „Weniger Blech auf der Straße wäre gut, also: ruhender Verkehr runter von der Straße. Die Autos müssen in die Parkhäuser. Dann haben wir auf der Straße mehr Platz für Fahrrad, für Fußgänger, Gastro, Grün, schattenspendende Bäume, kühlende Brunnen, Sitzgelegenheiten, Sicherheit, Sauberkeit. Also insgesamt eine schöne Stadt, wie wir sie uns auch im Urlaub wünschen.“

Radfahrer sind in der Innenstadt Frankfurt auf einem Fahrradstreifen unterwegs, auf den rote Spezialmarkierungs-Kaltplastik aufgetragen ist. Die Corona-Pandemie hat dem Fahrrad auch in Hessen einen enormen Schub versetzt.

Hauptbahnhof Frankfurt: Bahnhofsviertel könnte autofrei werden

Für das an den Hauptbahnhof Frankfurt angrenzende Bahnhofsviertel gibt es ein Konzept von „Die Fraktion“ – ein Zusammenschluss aus Die Partei, Piraten und Freien Wählern. Nach diesem Verkehrskonzept soll das Bahnhofsviertel konsequent zu einem fußgänger- und radfahrfreundlichem Stadtteil mit viel Grün entwickelt werden. 460 von derzeit 1000 oberirdischen Parkplätzen sollen wegfallen. Davon werden 140 Parkplätze in Handwerkerstellplätze in den Ladelieferzonen umgewandelt. Der Wegfall werde jedoch für Anwohner und Geschäftskunden durch eine hervorragende Infrastruktur von Parkhäusern, Tiefgaragen und Innenhöfen ausgeglichen.

Automobilclub-Chef Haberland zieht zum Ausbau von Radverkehr in Frankfurt folgendes Fazit: „Wer aus einer Stadt einen Friedhof machen will, macht genau sowas.“ Laut Haberland würden Geschäfte und Firmen daraufhin aus Frankfurt ziehen und den Handel ins Umland verlagern. „Dann wird Frankfurts Innenstadt nur noch ein Schatten ihrer selbst sein“, erklärt er der Bild-Zeitung. Einzelhandelschef Stoll sieht viel Potenzial im Radverkehr. Sollte dieser weiter zunehmen, müsste er aber weiter reglementiert werden, um Unfallpotenzial zwischen Fahrradfahrenden und Fußgänger zu reduzieren. (David Suárez Caspar)

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