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So etwa könnte die Frankenallee im Frankfurter Stadtteil Gallus nach den Vorstellungen der Radentscheid-Planer dereinst einmal aussehen. quelle: radentscheid frankfurt

Frankfurt

Neues Konzept im Gallus - Eine Richtung der Allee nur noch für Radler

  • vonGernot Gottwals
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In einer Richtung der Frankenalle im Gallus könnten in Zukunft keine Autos mehr fahren. Das neue Konzept würde aber Probleme mit sich bringen.

Frankfurt – Politiker und Bürger staunten nicht schlecht, als Katharina Knacker und Alexander Breit jüngst ihre Ideen für eine fahrradfreundliche Frankenallee präsentierten: Eine Straßenhälfte soll zugunsten des Radverkehrs komplett für Autos gesperrt werden. Auch Parken wäre demnach nicht mehr möglich. "Uns ist klar, dass es sich um sehr weitreichende und einschneidende Ideen handelt, aber in einer wachsenden Stadt brauchen wir Verkehrsmittel wie das Fahrrad, das nun mal weniger Platz als das Auto benötigt", betonte Breit.

Die Frankenallee gehört ebenso wie die Moselstraße zu den "fahrradfreundlichen Nebenstraßen" im Konzept der "Frankfurter Fahrradstraße", die Knacker und Breidt im Ortsbeirat 1 jüngst vorstellten. "In diesen Straßen soll das Fahrradfahren in beiden Richtungen möglich sein, Kreuzungen sollen rot markiert und Gehwegnasen frei sein", erklärte Knacker.

Sämtliche Frankfurter Straßen haben die Mitglieder der Initiative Radentscheid genau unter die Lupe genommen- und sind dabei schnell zu der Einsicht gelangt, dass ein paar Piktogramme alleine für den Wandel vom Auto- zum Radverkehr nicht ausreichen. Planungsreife Vorlagen können und wollen sie zwar noch nicht vorlegen. "Denn wir sind ehrenamtlich unterwegs und kommen aus verschiedenen Berufsgruppen", räumt Breit ein. Doch ein paar ebenso gewagte wie visionäre Ideen haben sie doch beizusteuern.

Auch die Frankenallee haben sie als Herausforderung entdeckt: Eine langgezogene Verkehrsachse parallel zur Mainzer Landstraße mit einem durchgezogenen Grünstreifen. "Hier sollten wir eine komplette Entflechtung vornehmen", sagt Breit und präsentiert mit dem Beamer seine Vision: Eine geteilte Allee mit komplett durchgezogener roter Fahrradstraße, befahrbar in beide Richtungen, während sich der Autoverkehr mit der anderen Hälfte begnügen muss. Ob die Fahrradstraße auf die nördliche oder südliche Hälfte mit ihren im Schnitt je rund 7 Meter breiten Fahrspuren kommen soll, wäre Gegenstand weiterer Prüfungen.

In ihrer ersten Planstudie ist die Initiative Radentscheid davon ausgegangen, dass die nördliche Fahrbahn dem motorisierten Individualverkehr (MIV) in beiden Richtungen zugewiesen wird. Die Einbahnstraßenregelung würde dafür aufgehoben. Im Süden soll ein Zweirichtungsradweg auf dem Straßenniveau eingerichtet werden. "So entstünde mehr Aufenthaltsqualität, aber dafür müssten insgesamt rund 75 Prozent der Parkplätze wegfallen", so Breit.

Noch nicht ganz so weit sind die Planungen für die Moselstraße: Hier gibt es nur ein grobes Konzept, um diese fahrradfreundliche Nebenstraße nach dem Vorbild des Grüneburgwegs als durchgängige Route bis zur Westendstraße umzugestalten. Eine Engstelle sind hier die vielen Kreuzungen mit Ampeln, die den Radfahrer fast immer zum Halten zwingen. Hier sollte es eine grüne Welle für Radfahrer geben. "Auch hier fehlte es häufig an der nötigen Infrastruktur für Radfahrer. Häufig fehlen klare Kennzeichnungen für Radwege, die sich sogar mit Fußgängerüberwegen überschneiden", so Breit.

Einige Bürger beklagten in der Fragestunde, es müssten in der Frankenallee zu viele Parkplätze wegfallen, zumal einige Anwohner doch auf das Auto angewiesen seien. "In meiner Familie verzichtet man darauf, aber für Arbeitnehmer mit schlecht an den ÖPNV angebundenen Arbeitsplätze wird das natürlich schwieriger", räumte Knacker ein. Andere Bürger regten an, die früheren Radwege auf den breiten Gehsteigen auf beiden Seiten der Frankenallee zu reaktivieren.

Ein Vorschlag, dem nicht nur Knacker und Breit eine klare Absage erteilten: "Schließlich verlaufen auf der Frankenallee auch Schulwege, darum möchte ich auf den Gehsteigen keine Radwege mehr sehen", stellte der Kinderbeauftrage Dirk Schneider klar. Folgerichtig wurde deshalb auch ein Antrag der BFF, auf den Gehwegen der Frankenallee wieder einen Fahrradweg einzurichten, in der jüngsten Sitzung des Ortsbeirats mit breiter Mehrheit abgelehnt.

Die Umgestaltung der Frankenallee bleibt vorerst nur eine Studie - doch Helgo Müller (SPD), der sich offenbar bald aus der Politik zurückziehen will, hat seine Entrüstung darüber zwischenzeitig in Facebook gepostet und dafür einige Zustimmung geerntet. "Zu versuchen, diese Schikane zu verhindern, wird eine meiner letzten öffentlichen Tätigkeiten sein", kündigte er an. Gernot Gottwals

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