Ein Radfahrer biegt an einem Grünpfeil-Schild an einer Kreuzung rechts ab.
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In Frankfurt wird der Grünpfeil für Radfahrer zum Rechtsabbiegen an vier Kreuzungen getestet.

Verkehr

Frankfurt: Das bedeuten diese neuen Verkehrsschilder - und diese Gefahren bringen sie mit sich

  • Dennis Pfeiffer-Goldmann
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Die Stadt Frankfurt führt neue Grünpfeile für Radfahrer an vier Kreuzungen ein - doch der Verkehrsdezernent warnt gleichzeitig vor Gefahren.

Frankfurt - An vielen Kreuzungen sollen Radfahrer in der Stadt bald auch bei roter Ampel nach rechts abbiegen dürfen. Möglich macht dies ein neues Verkehrszeichen, das im April bundesweit eingeführt wurde. Verkehrsdezernent Klaus Oesterling (SPD) will aber mit Vorsicht herangehen. Denn die freie Fahrt für Radfahrer könne auch hochgefährlich werden.

Frankfurt: Grünpfeile für Radfahrer an allen Kreuzungen im Stadtgebiet geplant

"Das neue Verkehrszeichen soll an allen Kreuzungen im Stadtgebiet nachgerüstet werden", erklärt der Verkehrsdezernent in einer Stellungnahme für den Innenstadt-Ortsbeirat 1. Dort hatten anfangs die Grünen, schließlich das gesamte Gremium angeregt, an diversen Kreuzungen in der Innenstadt den Grünpfeil für Radfahrer* anzubringen.

Ende April hatte der Bund das Verkehrszeichen 271 in die Straßenverkehrsordnung aufgenommen. Es funktioniert wie der schon bekannte Grünpfeil, ist aber auf Radfahrer begrenzt. Sie müssen an der Haltelinie stoppen und dürfen dann, wenn kein anderes Fahrzeug und kein Fußgänger quert, nach rechts abbiegen, obwohl die Ampel rot zeigt.

Frankfurt: Grünpfeile für Radfahrer und Autos „umstritten“

Das Problem: Ob der neue Grünpfeil für Radfahrer nützlich oder eher gefährlich ist, ist bislang noch nicht klar. Die bisherigen Grünpfeile für Autos und Radfahrer zusammen seien "umstritten", hatte Oesterling bereits im August gewarnt. Es gebe an Kreuzungen mit solchen Grünpfeilen mehr Unfälle, zudem sei der Nutzen gering. "Die Unfallforschung der Versicherer zeigte in einer Studie auf, dass der Grünpfeil für Autofahrer ,rein objektiv betrachtet ein überflüssiges Verkehrszeichen' ist, weil der Effekt in der Regel direkt bei der nächsten Ampel verpufft."

Darauf hat die Stadt reagiert. Da sie "keine guten Erfahrungen" mit den Grünpfeilen gemacht hat, seien alle - bis auf zwei - "aus Gründen der Verkehrssicherheit" wieder entfernt worden, erklärt der Dezernent in der aktuellen Stellungnahme.

Frankfurt: Grünpfeile für Radfahrer als Pilotprojekt

Ob das beim Grünpfeil für Radfahrer anders aussieht, ist aktuell noch offen. In neun Städten sei er zwar projektweise geprüft worden, erklärt Oesterling. Doch liege die Auswertung der Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt) dazu noch nicht vor.

Deshalb will der Verkehrsstadtrat den Rad-Grünpfeil auch in Frankfurt zunächst lediglich als Pilotprojekt einführen. Sechs Monate lang solle geprüft werden, ob sich das neue Verkehrszeichen bewähre. Falls ja, würden "weitere Standorte geprüft und sukzessive umgesetzt". Allerdings macht Oesterling klar: Ein "lediglich marginaler Zeitgewinn" spreche nicht für die Einführung des neuen Schildes. "Der Erhöhung der Verkehrssicherheit wird dabei eine höhere Priorität beigemessen."

Frankfurt: Grünpfeile für Radfahrer nur in bestimmten Abschnitten

Genau aus diesem Grund scheide in mehreren Situationen der Einsatz des neuen Zeichens grundlegend aus. So will Oesterling Grünpfeile nur dort aufstellen, wo entweder Tempo 30 gilt oder es eine eigene Fahrradspur auf der Fahrbahn gibt. Ausschlusskriterium sei natürlich, wenn entgegenkommende Linksabbieger separat Grün bekommen.

Gebe es keine Rad-Spur, aber den Grünpfeil, würden Radfahrer "ermutigt, sich am wartenden Kfz-Verkehr vorbeizudrängeln", erklärt Oesterling. Das werde gefährlich, wenn der Autoverkehr losfahre und ein sich gerade vorbei drängelnder Radfahrer übersehen werde. "Besonders, wenn es sich bei dem anfahrenden Fahrzeug um einen Lkw handelt, sind schwerwiegende Unfälle möglich", warnt der Dezernent. "Der Magistrat hält einen Einsatz deshalb für problematisch."

Frankfurt: Grünpfeile für Radfahrer zunächst an vier Kreuzungen

Das gelte ebenso für solche Kreuzungen, wo nach links abbiegende Radfahrer rechts neben der Fahrradspur warten müssen. Sollte dann nämlich die Ampel für die Linksabbieger grün werden, kreuzten diese genau jene Spur, die die Grünpfeil-Rechtsabbieger nutzen wollten. Dann seien bei Ausweichmanövern schwere Unfälle möglich.

Konkret soll das Verkehrszeichen deshalb nun an diesen vier Kreuzungen getestet werden:

Berliner Straße/Kornmarkt , außer an der nordöstlichen Ecke,

Mainkai/Kurt-Schumacher-Straße/Alte Brücke , nur von der Brücke in die Schöne Aussicht,

Lange Straße/Schöne Aussicht , nur von der Langen Straße her, aber nicht aus der Schönen Aussicht auf die Ignatz-Bubis-Brücke,

Europa-Allee/Lissaboner Straße nur von der Emser Brücke her kommend beim Abbiegen in die Europa-Allee.

Insgesamt hatte der Innenstadt-Ortsbeirat das neue Schild für 17 Kreuzungen angeregt. Die hat das Straßenverkehrsamt überprüft, aber allesamt bis auf nur vier Test-Kreuzungen aus Sicherheitsgründen aussortiert.
(Dennis Pfeiffer-Goldmann) *fr.de ist Teil des bundesweiten-Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

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