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Die in die Jahre gekommene Rolltreppe am Hauptbahnhof wurde vor einiger Zeit ausgetauscht. An anderen Stellen gibt es noch Probleme. (Symbolbild)

"Reparatur-Taskforce" gefordert

Warum sind die Rolltreppen ständig kaputt? Frankfurter sind genervt

Immer wieder stehen Rolltreppen und Aufzüge in Frankfurt still. Auch an der S-Bahn-Station „Mühlberg“. Die Bürger sind genervt. Der Ortsbeirat 5 nennt mögliche Lösung.  

Update vom Mittwoch, 11.09.2019: Monatelang stillstehende Rolltreppen an S-Bahn-Stationen und nach Urin stinkende Aufzüge nerven immer wieder Bürger und Bahnkunden - und längst auch den Ortsbeirat 5 (Oberrad, Sachsenhausen, Niederrad). Er forderte erneut die Stadt auf, den kaputten Aufzug der S-Bahn-Station "Mühlberg" im Stadtteil Sachsenhausen reparieren und reinigen zu lassen sowie die ebenfalls an der S-Bahn-Haltestelle "Mühlberg" befindliche, seit Monaten defekte Rolltreppe umgehend instand zu setzen.

Der OBR 5 forderte eine "Reparatur-Taskforce" sowie ein Ersatzteillager, um kurzfristig defekte Rolltreppen und Fahrstühle reparieren zu können. Ob daraus was wird, ist fraglich. Immerhin hat der Magistrat die Deutsche Bahn AG kontaktiert. Demnächst soll ein Manager, zuständig für die Bahnhöfe im Frankfurter Stadtgebiet, an einer der nächsten Sitzungen des Ortsbeirats 5 (Oberrad, Sachsenhausen, Niederrad) teilnehmen. Er wird die Wartungs- und Unterhaltungsmodalitäten an Aufzügen und Rolltreppen in den Bahnhöfen sowie mögliche Schwierigkeiten erläutern. Der Magistrat stimmt mit dem Ortsbeirat ab, wann der Bahn-Vertreter teilnehmen wird.

Frankfurt: Hauptbahnhof - Arbeit an Rolltreppe dauert noch länger

Erstmeldung vom 8.8.2019: Frankfurt - Es ist 1.33 Uhr, als eine erstaunlich alte Diesellok in den Frankfurter Hauptbahnhof einfährt. Lautsprecherdurchsagen gibt es zu dieser nächtlichen Stunde keine mehr in der C-Ebene. Sonst würde es jetzt heißen: "Achtung auf Gleis 102 fährt jetzt ein - eine Rolltreppe." Das tonnenschwere Bauteil hat eine längere Reise hinter sich.

Gebraucht wird es, weil die Rolltreppen von der B-Ebene zu den S-Bahn-Gleisen in die Jahre gekommen sind und ausgetauscht werden müssen. 15 Jahre seien sie jetzt alt, verrät Stephan Hartung, bei der Deutschen Bahn zuständig für Förder- und Maschinentechnik: "Manche Rolltreppen halten auch länger, aber diese hier sind ja im Dauerbetrieb im Einsatz." Hartung steht an dem großen Loch, das auf dem Bahnsteig zwischen den Gleisen 101 und 102 klafft und doziert ein bisschen über Rolltreppen. Es fallen Vokabeln wie Fahrtreppengrube, Stufenband, Glasballustrade und obere Umkehrstation.

Hauptbahnhof Frankfurt: Arbeit an Rolltreppe 

Für den Einbau der Rolltreppe steht ein Montageteam einer niederländischen Firma bereit. In der Nacht zuvor haben sie den oberen Teil der 24 Meter langen Rolltreppe montiert, die künftig wieder für die rund 50 000 Reisenden täglich die acht Meter Höhenunterschied zwischen B-Ebene und S-Bahn-Gleisen überbrücken soll.

Sicherheit hat Vorrang: Der Kettenzug hält die Treppe und die zwei Arbeiter. Fotos: Rolf Oeser

Die Rolltreppe ist eine Maßanfertigung aus der Slowakei. "Die Grube gibt das Maß vor", sagt Hartung. Von der Slowakei ist das Unikat per Schwertransporter nach Friedberg gelangt. Dort gibt es eine Verladerampe für Bauzüge. Von der Wetterau tuckert die Diesel-Lok dann mit ihrer Fracht auf offenen Güterwaggons zum Frankfurter Hauptbahnhof. Ab 1.30 Uhr steht das Montage-Team bereit. Für die Anlieferung der Rolltreppe muss der S-Bahn-Verkehr auf Gleis 102 vorübergehend eingestellt werden. Es ist ein schmales Zeitfenster. "Das geht hier alles Spitz auf Knopf und muss Monate vorher angemeldet werden", sagt Hartung. Um so mehr freuen sich die Verantwortlichen, dass die Diesellok so pünktlich ist. Die Freude weicht aber schnell einer gewissen Ernüchterung: Die Rolltreppe ist falsch herum aufgeladen und muss um die Längsachse gedreht werden, um eingebaut werden zu können. Doch aus der Bahn wirft das niemanden, schon gar nicht Gerhard Osinger. Der Österreicher in der niederländischen Baufirma ist für das Einpassen verantwortlich. "Es ist zum Glück genug Platz zum Drehen, sonst hätten wir sie wieder zurückschicken müssen." Die beiden Gabelstaplerfahrer sind mit Feuereifer dabei und wollen abladen. Ein Kollege weist sie darauf hin, dass vorher wohl besser noch die Oberleitung mit ihren 15.000 Volt geerdet werden müsste.

S-Bahn zwischenzeitlich eingestellt 

Kurz darauf erinnert die nächtliche Szenerie an eine ehemalige ZDF-Unterhaltungsshow: "Ich wette, dass zwei holländische Gabelstaplerfahrer eine zwölf Meter lange und fünf Tonnen schwere Rolltreppe auf einem unterirdischen Bahnsteig im Frankfurter Hauptbahnhof einmal um die Längsachse drehen können." Es piepst für geraume Zeit, weil die Fahrer immer wieder rückwärts rangieren, doch nach ein paar Minuten ist es geschafft. Jetzt kommt die Zeit von Osinger. Er muss die beiden tonnenschweren Bauteile, das obere und das soeben angelieferte untere, zusammenfügen. Eine puzzelige Maßarbeit.

Das Fahrband wurde gerade von einem Güterzug geliefert. Nun liegt es auf dem Bahnsteig.

Vor 20 Jahren, erinnert sich Osinger, habe er auf der anderen Seite des S-Bahn-Bereichs, dort wo die Züge Richtung Taunus und Wiesbaden abfahren, schon mal die Rolltreppen gewechselt. Im Flughafen von Dubai hat er zwischenzeitig sogar 180 Rolltreppen montiert. Die Rolltreppen sind andere geworden, wie DB-Koordinator Hartung weiß: Es ist heute wesentlich mehr Elektronik verbaut. Damit wird Servicefirmen gemeldet, wenn ein Teil defekt oder wartungsbedürftig ist. Doch in manchen Fällen lohne der Austausch nicht.

Regelmäßige Ausschreibung: Wer beliefert Deutsche Bahn? 

Etwa beim Herzstück der Rolltreppe, einer etwa 50 Meter langen Gliederkette, mit der die 80 Stufenbänder angetrieben werden. "Ein Austausch wäre zu teuer, das würde sich nicht rechnen." Die jetzt verbauten Rolltreppen sind von der Firma Schindler, die vor 15 Jahren waren von Thyssen. Alle drei Jahre wird neu ausgeschrieben, wer die Deutsche Bahn bundesweit mit Rolltreppen beliefern darf.

Die Arbeiter müssen das zwölf Meter lange Teilstück einmal um die Längsachse drehen.

Die jüngste Frankfurter Rolltreppe hängt noch an drei Haken. Unten am Gabelstapler, in der Mitte zweimal an Kettenzügen, die aus der abgehängten Decke kommen. Osinger steuert die Kettenzüge per Knopfdruck zentimeterweise auf und ab. Seine Kollegen helfen, drücken und schieben. Eine Kamerateam von Kabel 1 darf die Arbeiten begleiten, kommt ganz nah ran und steht so gut es geht im Weg rum. Die Aufnahmen seien für eine Reportage über den Hauptbahnhof in ein paar Monaten, heißt es.

Um 2.32 Uhr gibt es einen dumpfen Schlag, die Bolzen sind eingerastet, die beiden tonnenschweren Teilstücke zu einer zwölf Meter langen Rolltreppe verbunden. In den kommenden zwei Nächten wird die andere der beiden Rolltreppen angeliefert und eingebaut.

Drei Wochen Anpassung 

Drei Wochen, schätzt Hartung, wird es dann dauern, bis die elektrischen Anschlussarbeiten, die Fliesenanpassung und das Verbauen einzelner Teile abgeschlossen sind. Dann werden die neuen Rolltreppen jahrelang abwärts schnurren und aussehen, als würden sie einfach dort hingehören. Die Tausende von Reisenden, die dann nach unten hasten, wird nicht interessieren, wie viel Arbeit dahintersteckt und was das kostet. Bis Anfang 2020 sollen auch die übrigen sechs Rolltreppen ausgetauscht werden. Die Bahn investiert dafür 2,4 Millionen Euro. Um kurz nach drei sind die Arbeiten für diese Nacht beendet. Die Diesel-Lok ist da schon längst wieder Richtung Friedberg entschwunden.   fle

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