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Betrug

Falsche Polizisten ergaunern Mega-Betrag mit mieser Masche

Weil sie als falsche Polizisten Senioren um mehr als 200 000 Euro Bargeld gebracht haben sollen, hat die Staatsanwaltschaft Frankfurt Anklage zwei Männer erhoben. Das Landgericht Frankfurt werde gegen sie in absehbarer Zeit wegen gewerbs- und bandenmäßigen Betruges in acht Fällen verhandeln.

Frankfurt - Anklage wegen gewerbs- und bandenmäßigen Betruges: Wieder steht der Strafjustiz ein Prozess gegen falsche Polizisten bevor, die sich am Ersparten älterer Leute hemmungslos bereichert haben sollen. Vor dem Landgericht rüstet man zu einem Verfahren gegen zwei 27 und 31 Jahre alte türkischstämmige Männer aus Bremen, die im November und Dezember vergangenen Jahres in mindestens acht Fällen Senioren aus dem Rhein-Main-Gebiet um ihr Geld gebracht haben sollen. Insgesamt geht es um rund 230000 Euro, so Oberstaatsanwältin Nadja Niesen, die gestern die Anklageschrift vor sich liegen hatte.

Miese Masche: Callcenter in der Türkei

Fall 1: Im November klingelte bei einer 89 Jahre alten Frankfurterin das Telefon. Am anderen Ende meldete sich eine freundliche Stimme, die sich als Mitarbeiter der Kriminalpolizei ausgab und die besorgte Seniorin darüber informierte, dass unmittelbar eine Straftat zu ihren Lasten bevorstehe. Die Gangster seien praktisch bereits auf dem Weg zu ihr. Deshalb müsse sie ihre gesamten Ersparnisse "in Sicherheit" bringen. Die Frau tat, wie ihr geheißen. Sie räumte 40 000 Euro Bargeld aus ihrem Safe, packte die Scheine in eine weiße Plastiktüte und deponierte alles auf einem nahen Kinderspielplatz. Was sie freilich nicht wusste: Der Anruf kam mit der manipulierten Notrufnummer 110 aus einem türkischen Callcenter, das die beiden jetzt angeklagten Männer gemeinsam mit noch unbekannten Komplizen einrichteten und betrieben. Auf dem Spielplatz hatten die Täter leichtes Spiel und eine fette Beute.

Noch üppiger fiel sie Ende November bei einem 87 Jahre alten Mann aus, der ebenfalls auf die Geschichte vom nahen Verbrechen hereinfiel. Der vermögende Senior füllte 140 000 Euro in die weiße Tüte und ließ sich am Ende auch noch dazu verleiten, 5000 Euro "eiserne Reserve" vereinbarungsgemäß an einem Glascontainer vor dem Haus abzulegen. Drei weitere dieser Taten datieren im Dezember - in einem Fall waren es Geld und Schmuck, in einem anderen 70 000 Euro Bargeld, die in einem Fahrradkörbchen verstaut wurden. Dabei schürten die Anrufer auch das Misstrauen der älteren Leute in die Zuverlässigkeit ihrer Bank. Dort seien "Maulwürfe" aktiv, hieß es in einem Telefonat, die mit den Gangstern gemeinsame Sache machten und vertrauliche Daten ausplauderten. Mit diesem Hinweis wollten die Täter verhindern, dass ihre Opfer in Kontakt mit den Bankangestellten traten. In mehreren Fällen mussten sie ja zunächst ihre gesamten Ersparnisse abheben, was im Normalfall das Misstrauen der Bankleute hervorruft.

Betrugsversuch: Tochter schritt ein

Am 11. Dezember schließlich kam es zur letzten Tat, die im Versuchsstadium steckenblieb. Bei einer 78-Jährigen sollten es 23 500 Euro Bargeld sein, die vor dem Haus abgelegt werden sollten. Doch rechtzeitig bekam die Tochter der alten Dame Wind von dem Anruf und übernahm den Telefonhörer - man werde sich auf dem Polizeirevier rückversichern, kündigte die Frau an. Die Abholung unterblieb und die Verhaftung der beiden Männer folgte am kommenden Tag. Sie kamen in Untersuchungshaft, wo sich der ältere der mutmaßlichen Täter noch heute aufhält. Der Jüngere wurde nach drei Monaten unter Meldeauflagen verschont. Laut Niesen sind beide Männer geständig, was den Prozess vor der 30. Großen Strafkammer gewiss einfacher machen wird. Vor allem wird es darum gehen, den älteren Geschädigten Zeugenauftritte vor Gericht zu ersparen. Verhandlungstermine konnte Niesen noch nicht nennen - wahrscheinlich ist ein Prozessauftakt in der zweiten Jahreshälfte.

In Frankfurt hat ein Betrüger die hohen Mieten und die Wohnungsnot schamlos ausgenutzt. Die Polizei konnte ihn nun bei einer Besichtigung festnehmen.

VON MATTHIAS GERHART

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