+
Ein Knöllchen steckt unter einem Scheibenwischer eines an der Kleinmarkthalle falsch geparkten Autos. 

Verkehr

Frankfurt greift durch: Falschparken wird deutlich teurer

  • schließen

Stadt kündigt an, den Kontrolldruck spürbar zu erhöhen. Autofahrer müssen bei Verstößen wesentlich mehr Geld berappen.

  • Der Verkehrspolizei Frankfurt fehlt es schon seit Jahren an Personal
  • Stadt stockt Stellen auf und will Anreize schaffen
  • Verkehrssünder müssen tief in die Tasche greifen, denn Verstöße werden deutlich teurer

Frankfurt - Die vermeintlich guten Zeiten für Autofahrer in Frankfurt gehen unweigerlich zu Ende. Verstärkte Überwachung von Parksündern und höhere Strafen kündigt Verkehrsdezernent Klaus Oesterling (SPD) an. Wer beispielsweise ohne Parkschein parkt, muss bald 35 Euro berappen statt bisher 15.

Frankfurt hat seit Jahren nicht genug Personal für die Verkehrspolizei

Zuletzt hatten sich viele Autofahrer ins Fäustchen gelacht: Gerichtlich war verboten worden, dass die Stadt Mitarbeiter von Privatfirmen nutzt, um Falschparker aufzuschreiben. Zugleich findet die Kommune seit vielen Jahren nicht genug Personal für die Verkehrspolizei. Folge: Überall in der Stadt ließ sich beobachten, wie noch mehr Autos falsch parkten – offenbar hofften die Autofahrer, kein Knöllchen zu bekommen.

Diese Situation bestätigt der Verkehrsdezernent. Nicht nur: Viele Autofahrer hätten es zu einer "wirtschaftlichen Entscheidung" gemacht, ob sie einen Parkschein ziehen. Denn wenn sie einmal ertappt wurden, drohte bloß ein Ordnungsgeld von 15 Euro. 

Sprich: Ab dem sechsten 3-Euro-Stundenticket hat sich das Wagnis bereits rentiert. Das sei durch die Vermutung noch verstärkt worden, dass nach dem Urteil der Überwachungsdruck mangels Mitarbeitern gesunken sei.

Verkehrspolizei Frankfurt: „Es wird eine Zulage geben, um mehr Leute zu bekommen.“

Jetzt aber will die Stadt diesem Treiben gleich doppelt Einhalt gebieten. Zum einen mit mehr Personal für die Verkehrsüberwachung: 25 weitere Stellen dafür habe die Stadtverwaltung neu bewilligt, erklärte Oesterling in der jüngsten Sitzung des Ortsbeirats Bornheim. Dort hatten Bürger bemängelt, dass die Stadt ja überhaupt kein Personal habe, um auch noch das Ausweiten der Bewohner- und Parkscheinzonen überwachen zu können.

In der Tat habe die Stadt wegen der zu geringen Bezahlung offene Stellen nicht besetzen können, räumt der Dezernent ein. Viele Mitarbeiter seien auch nach der Ausbildung ins Umland gezogen, wo sie ebenfalls Arbeit fänden, die Mieten und Wohnungspreise aber deutlich geringer seien.

Nach langen internen Verhandlungen mit Personaldezernent Stefan Majer (Grüne) kündigt Oesterling nun eine Lösung an: "Es wird eine Zulage geben, um mehr Leute zu bekommen."

Verkehrsdezernent Österling: „Der Kontrolldruck wird sich spürbar erhöhen.“

Nicht nur: Die Stadt habe inzwischen "fast alle" der Mitarbeiter privater Firmen übernehmen können, die sie zuletzt nicht mehr für die Verkehrsüberwachung einsetzen durfte. Damit liegt die Personalstärke akut zumindest wieder auf dem gleichen Niveau wie vor dem Urteil. "Hier entsteht keine Lücke", sagt Klaus Oesterling. Und er kündigt an: "Der Kontrolldruck wird sich spürbar erhöhen."

Zum anderen rechnet der Dezernent mit mehr Disziplin, weil der Bund die Strafen teils deutlich erhöhe. Beispielsweise müssen Autofahrer fürs Parken ohne Parkschein statt 15 demnächst 35 Euro bezahlen, wie die schon beschlossene Novelle der Straßenverkehrsordnung vorsieht. 

Das sei ein Schritt in die richtige Richtung, findet Klaus Oesterling. Autofahrer würden hier schon lange gegenüber Nahverkehrskunden bevorzugt. Diesen drohe eine Strafe von 60 Euro, wenn sie sich das Ticket für 2,75 Euro "sparen".

70 Euro Strafe droht Verkehrssündern in Frankfurt bald beim Parken auf dem Radweg

Viel teurer wird es auch für jene, die in zweiter Reihe halten: Statt bisher 15 Euro kostet das künftig 55 Euro allein fürs Anhalten, 70 Euro fürs Parken. Genau so viel Strafe fällt auch an für jenen Verkehrssünder, der sein Auto auf einem Radweg parkt.

Stadtrat Oesterling rechnet allein wegen dieser Erhöhungen schon mit deutlich steigenden Einnahmen für die Stadt. Dieses Geld will er zielgerichtet investieren - und weitere Mitarbeiter für die Verkehrspolizei einstellen. Von Dennis Pfeiffer-Goldmann

Im Parkhaus „Am Gericht“ an der Zeil in Frankfurt gibt es keine Parktickets mehr. Fürs Parken dort wird ein neues System getestet.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare