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Fashion Week Intermezzo ist für Frankfurt „blamabel und sündhaft teuer“

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Von: Julia Lorenz

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Glamouröse Akzente setzten die Veranstaltungen rund um die Fashion Week in der City, hier im Sommer auf dem Opernplatz. FOTO: Michael Schick
Glamouröse Akzente setzten die Veranstaltungen rund um die Fashion Week in der City, hier im Sommer auf dem Opernplatz. © Michael Schick

Nach dem Verlust eines wichtigen Teils der Frankfurt Fashion Week hagelt es Kritik von allen Seiten und politischen Richtungen.

Frankfurt – Nur wenige Stunden vor seinem ersten Arbeitstag als hessischer Staatssekretär für Europaangelegenheiten wetterte der frühere Frankfurter Kämmerer Uwe Becker (CDU) gestern in den sozialen Medien noch einmal schnell gegen die neue Römer-Koalition aus Grünen, SPD, FDP und Volt. „Dieser neue Wackelvierer im Frankfurter Magistrat bekommt aber wirklich gar nichts hin“, schrieb Becker bei Facebook. „Erst vertreibt der Oberbürgermeister die IAA aus Frankfurt und jetzt lässt man sich die Fashion Week von Berlin wieder abnehmen.“

Am Montag war bekannt geworden, dass die Premium Group nach einem kurzen Zwischenspiel in Frankfurt wieder zurück nach Berlin geht - mitsamt ihrer Modemessen und -veranstaltungen. Als Grund dafür wurde die Corona-Pandemie genannt. Sowohl die Premiere der Modewoche im vergangenen Sommer als auch die zweite Auflage jetzt im Januar hatten nicht wie geplant durchgeführt werden können. Statt großer Messen und vieler glamouröser Runways gab es lediglich digitale Angebote, Ausstellungen und vereinzelte Shows. Die Stadt Frankfurt hat dennoch angekündigt, an der Fashion Week festzuhalten und diese im Juli wie geplant durchzuführen.

Verlust der Fashion Week: „Rückschlag für den Messestandort“ Frankfurt

Diese Ansage sorgte für Kopfschütteln bei Michael Müller, Fraktionsvorsitzender der Linken im Römer. "Damit soll nur noch kaschiert werden, dass für die Frankfurter Fashion Week zehn Millionen Euro (Anm. d. Red.: so hoch waren die Zuschüsse der Stadt für die Modemessen) unwiederbringlich in den Sand gesetzt wurden", schimpfte Müller. "Kein Mensch interessiert sich nach dem Weggang der Premiumformate mehr für die Frankfurter Mode-Resterampe. Die Frankfurter Fashion Week war ein blamables und sündhaft teures Intermezzo." Die Linksfraktion hatte die finanzielle Förderung von Anfang an als falsch kritisiert.

Genau umgekehrt sieht es Christiane Loizides, wirtschaftspolitische Sprecherin der CDU-Fraktion. Die mangelnde Unterstützung für die Modemessen sei ausschlaggebend für die Rückkehr der Premium Group nach Berlin, mutmaßte sie. "Die Pandemie hat natürlich gebremst, aber im Sommer wird die Lage in Berlin nicht besser sein als in Frankfurt", so Loizides. "Die Viren gibt's auch in der Hauptstadt." Aber offenbar fehle "das Vertrauen in das Commitment der Stadtregierung" zu diesem Event. "Wir bedauern den Verlust zutiefst", so Loizides.

Auch der wirtschaftspolitische Sprecher der Grünen, Uwe Paulsen, spricht von einem "Rückschlag für den Messestandort". Er glaubt aber an die Frankfurt Fashion Week - auch ohne die Premium. Dafür müsse die Messe Frankfurt allerdings ihre eigenen Konzepte überprüfen, um die Fashion Week dauerhaft in Frankfurt zu etablieren. Paulsen: "Wir sind zuversichtlich, dass dies gelingen wird." (Julia Lorenz)

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