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Betreuung

Erziehermangel in den Kitas: Immer mehr Fachkräfte aus dem Ausland

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Verkürzte Öffnungszeiten, leerstehende Einrichtungen, Aufnahmestopp für neue Kinder: In Frankfurt fehlen hunderte Erzieher. Kita Frankfurt und Arbeiterwohlfahrt schauen sich jetzt im Ausland nach Personal um.

Bis zum Jahr 2025 werden in Deutschland mehr als 300 000 Erzieherinnen und Erzieher fehlen. Das geht aus dem Nationalen Bildungsbericht des Deutschen Instituts für Internationale Pädagogische Forschung hervor. Vielerorts ist der Erziehermangel aber jetzt schon zu spüren –auch in Frankfurt. In den Kindergärten und Krippen fehlen hunderte Fachkräfte. „Der Markt ist erschöpft“

Egal ob der städtische Eigenbetrieb Kita Frankfurt oder die freien Träger wie das Diakonische Werk, die Caritas, die BVZ GmbH oder die Arbeiterwohlfahrt (Awo) – sie alle suchen Personal. So braucht Kita Frankfurt aktuell rund 100 pädagogische Fachkräfte. Der freie Träger BVZ listet ebenso viele unbesetzte Stellen auf. Auch die Liste bei der Diakonie ist lang.

Recht auf Betreuungsplatz hat die Lage verschärft

„Der Markt ist erschöpft“, sagt Johannes Frass, Sprecher der Awo. „Und die Zahl der jungen Menschen, die ausgebildet werden, reicht nicht aus, um den Personalbedarf zu decken.“ Vor allem der Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz für unter Dreijährige, der im August 2018 in Kraft getreten ist, habe die Situation verschärft.

Die Konsequenz: Wenn Fachkräfte die Einrichtung wechseln, schwanger sind oder wegziehen, dauert es Monate, bis Ersatz gefunden wird. In vielen Einrichtungen werden keine Kinder mehr aufgenommen, Öffnungszeiten werden verkürzt, neue Einrichtungen bleiben verwaist. Allein bei der BVZ GmbH können derzeit rund 300 Betreuungsplätze nicht belegt werden. Dabei werden sie dringend gebraucht. Die Zahl der Kinder in der Stadt steigt kontinuierlich. Haben 2014 noch 42 290 Kinder unter sechs Jahre in Frankfurt gelebt, waren es Ende 2017 schon 47 163 – Tendenz steigend.

In der Folge wurden in den vergangenen beiden Jahren 1780 Betreuungsplätze für Kinder unter sechs Jahren geschaffen. Derzeit gibt es in Frankfurt 37 412 Plätze in rund 950 Krippen und Kindergärten.

Lösung für Kitas: Kräfte aus dem Ausland

„Einrichtungen mussten wir noch keine schließen“, sagt Nicole Möhrmann, Sprecherin von Stadträtin Sylvia Weber (SPD), die für Kita Frankfurt zuständige Dezernentin. Allerdings könne es zu Personalengpässen kommen, wenn beispielsweise viele Erzieherinnen gleichzeitig krank sind – während der Grippewelle keine Seltenheit.

Doch wie sollen all die freien Stellen besetzt werden? Wo sollen die Erzieher herkommen?Die Antwort lautet: aus dem Ausland. So hat Kita Frankfurt seine Suche nach Fachkräften auf den europäischen Arbeitsmarkt, etwa auf Spanien, ausgeweitet: Zwölf spanische Kollegen haben ihr Anerkennungsverfahren als staatlich anerkannte Erzieher hier bereits abgeschlossen, bei sechzehn weiteren läuft das Verfahren und wird im Sommer, beziehungsweise im Herbst abgeschlossen sein. Zwölf Kollegen absolvieren in Madrid gerade Deutschkurse uns sollen im Herbst die Arbeit in Frankfurt aufnehmen.

Auch überregional kein Personal

„Im Einzugsgebiet Frankfurt konnten nicht ausreichend Fachkräfte gefunden werden“, erklärt Möhrmann. Auch die überregionalen Werbekampagnen seien „nicht vollumfänglich erfolgreich“ gewesen. „Trotz großer Bemühungen“, wie es heißt. Aber eine Umzugsbereitschaft aus anderen Bundesländern hätte es nicht gegeben.

Mit der Personalsuche im Ausland ist der städtische Eigenbetrieb nicht alleine. Auch die Awo ist dazu übergegangen, Erzieher im europäischen Ausland anzuwerben. Derzeit liefen zwei Projekte zur Personalgewinnung im Ausland. „Wir suchen gemeinsam mit Kooperationspartnern in Spanien sowie Serbien nach Fachkräften“, sagt Awo-Sprecher Frass. Dabei gehe es jeweils um fünf Erzieher je Land. In Serbien würde die Suche über persönliche Kontakte laufen. Sprich: über Erzieherinnen und Erzieher, die aus Serbien stammen und bereits für die gemeinnützige Organisation arbeiten.

Fachkräfte aus dem Ausland: Bürokratische Hindernisse

Doch die Suche im Ausland ist nicht leicht. Die Ausbildung der Interessenten muss hierzulande anerkannt, Sprachbarrieren müssen überbrückt werden. Die Awo nimmt bei alldem die neuen Mitarbeiter an die Hand. „Wir betreuen sie von vorne bis hinten“, sagt Frass. Sie werden am Flughafen abgeholt, ihnen wird der öffentliche Personennahverkehr ebenso erklärt wie die verschiedenen Ämter, die sie aufsuchen müssen. Sie bekommen Hilfe bei der Anerkennung ihrer Qualifizierungen, bei der Suche nach einer Wohnung und einem Sprachkurs.

Kita Frankfurt: Sehr viel Unterstützung für Mitarbeiter

Die Awo konzentriert sich aber nicht nur auf Personal aus dem Ausland. Um auch hierzulande neue Erzieher zu finden, arbeitet der Wohlfahrtsverband derzeit an einem Programm, um Mitarbeiter bei der Wohnungssuche zu unterstützen. „Das ist aber noch nicht spruchreif“, sagt Frass.Auch Kita Frankfurt wirbt damit, neue Mitarbeiter bei der Wohnungssuche zu unterstützen. Zudem werben die Träger – städtische und freie – mit Jobtickets, Weiterbildungs- und Qualifizierungsprogrammen.

Trotz diesem immensen Mangel an Erziehern überlegt die Römer-Koalition derzeit über das Angebot von Nacht-Kitas.

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