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Apfelweinlokal Feuerrädchen hat einen neuen Wirt

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Von: Andrea Möller

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Mimon Mohamed (35) führt jetzt die Geschäfte im Feuerrädchen in der Textorstraße.
Mimon Mohamed (35) führt jetzt die Geschäfte im Feuerrädchen in der Textorstraße. © Möller

Der 35-jährige Mimon Mohamed hat das traditionelle Apfelweinlokal „Feuerrrädchen“ in der Textorstraße in Frankfurt übernommen. Geblieben ist die traditionelle Speisekarte.

Frankfurt – Mimon Mohamed entspricht nicht gerade dem, was sich viele Menschen in Sachsenhausen unter einem typischen Gastwirt vorstellen. Zum einen ist er mit seinen 35 Jahren noch relativ jung, zum anderen spanisch-marokkanischer Abstammung. „Anfangs dachten die meisten Gäste, dass ich ein Mitarbeiter sei“, sagt der neue Inhaber des Feuerrädchens.

Die traditionsreiche Apfelweinkneipe an der Textorstraße übernahm er im Oktober 2021. Zuvor hatte er den in die Jahre gekommenen Räumen nicht nur einen frischen, hellen Anstrich verpasst, sondern stattete sie auch mit einem neuen Boden aus.

Frankfurt: Außengelände im Apfelweinlokal „Feuerrädchen“ aufgehübscht

Vor Beginn der warmen Jahreszeit nahm sich der Betreiber auch des Außengeländes an. Die früher vernachlässigte Terrasse aufzuhübschen „hat viel Zeit und Kraft gekostet“, sagt er. Inzwischen können die Gäste auf einer niedrigen, mit weichen Kissen geschmückten Mauer oder neuen Holzmöbeln sitzen. Die Atmosphäre wird am Abend durch mehrere Lichterketten betont.

Im Schein der vielen Lämpchen kommen Frankfurter Spezialitäten auf den Tisch. „Bei uns lassen sich Klassiker bestellen, die wir ein bisschen kreativer interpretieren und auf modernem Geschirr geschmackvoll anrichten.“ Mit „wir“ meint er sich und seinen Küchenchef Yunnes Mohammed. Der gebürtige Pakistani ist ein erfahrener Koch und stand vor 20 Jahren schon einmal im Feuerrädchen am Herd. Er kennt sich also gut mit heimischen Schmankerln aus, die jeden Tag frisch zubereitet werden.

Apfelweinlokal „Feuerrädchen“ in Frankfurt: Grüne Soße sehr beliebt

„Auch wenn es sich um ein Apfelweinlokal handelt, bieten wir eine gute Küche und große Portionen. Schließlich sollen die Gäste etwas für ihr Geld bekommen“, sagt der neue Inhaber. Er und sein Koch servieren beispielsweise Dreierlei vom Matjes oder gebackenen Handkäs‘ mit Bratkartoffeln und Frankfurter Grüner Soße. Apropos: Beim Grüne Soße Festival am Roßmarkt ist das Feuerrädchen am Mittwoch, 13. Juli auch vertreten. „Ich bin ein bisschen aufgeregt, weil ich zu den neuen Teilnehmern gehöre und es viele Konkurrenten gibt, die bereits mehrmals gewonnen haben. Doch meine Grüne Soße kommt bei unseren Gästen sehr gut an. Sie schmeckt zugleich frisch und aromatisch“, sagt Mimon Mohamed selbstbewusst.

Nach Deutschland kam er mit 17 Jahren. „Ich komme aus Melilla, einer spanischen Exklave auf marokkanischem Boden. Als ein Bekannter nach Deutschland ging, machte ich mich ebenfalls auf den Weg hierher.“ Weil er Geld verdienen wollte, die hiesige Sprache aber nicht beherrschte, fing er im Oberurseler Peperoni als Tellerwäscher an. Ein Jahr später hatte er sich zur Servicekraft hochgearbeitet. Es folgten das Li Vigna in Dreieich und der Landgasthof „Zur Sonne“ in Oberursel.

Apfelweinlokal „Feuerrädchen“ in Frankfurt: Übernahme mitten in der Pandemie

Dort kam es zum entscheidenden Wendepunkt in seinem Leben, weil er nicht nur die deutsche Küche kennenlernte, sondern auch die Eigentümerin des Feuerrädchens. „Sie war oft bei uns zu Gast und fragte mich eines Tages, ob ich ihr Lokal übernehmen wolle. Anfangs war mir ein bisschen mulmig zumute, wenn ich an den Schritt in die Selbstständigkeit dachte. Außerdem befanden wir uns mitten in der Pandemie.“ Seine Frau sei auch skeptisch gewesen. Schließlich hätten sie beide gerade ihr drittes Kind bekommen.

Dass er trotzdem so mutig war, der alten Kneipe neues Leben einzuhauchen, gefällt einer stetig wachsenden Gästeschar – die lokale Spezialitäten auf dem Teller genauso schätzt wie im Glas. Als Durstlöscher hält der Betreiber übrigens Apfelwein von der Kelterei Herberth aus Kronberg bereit, um sich von seinen Mitbewerbern zu unterscheiden. (Andrea Möller)

Nach einem starken Einbruch gingen die Aufträge für Apfelwein-Lieferungen im vergangenen Jahr wieder nach oben.

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