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Stefan Kimpel, Wachleiter der Feuerwache 4 an der Mörfelder Landstraße, kann dieses Jahr Heiligabend zu Hause sein. Die diensthabenden Kollegen werden 24 Stunden im Einsatz sein. foto: menzel

Die Nacht, in der die Bäume brennen

Nicht für alle Stille Nacht: So erlebt die Feuerwehr Frankfurt Heiligabend

Sie arbeiten rund um die Uhr und rücken im Jahr etwa 5000 Mal aus. Für die Feuerwehrmänner in Sachsenhausen herrscht auch an Weihnachten Arbeitsalltag. 

  • Feuerwehr Frankfurt steht auch an Heiligabend bereit
  • 24-Stunden auf der Feuerwache
  • Tipps gegen Wohnungsbrand

Frankfurt - Sie retten Leben, sind schwindelfrei und löschen Flammen. Fast jeder Junge wünscht sich einmal, Feuerwehrmann zu sein. Vor 30 Jahren ging für Stefan Kimpel (53) der Wunsch in Erfüllung. Er wurde Feuerwehrmann. Heute ist er der Wachleiter der Wache 4 in der Mörfelder Landstraße in Frankfurt Sachsenhausen.

Seinen Schreibtisch ziert ein kleiner Weihnachtsbaum aus Keramik. Es riecht verbrannt. "Das ist eine Räucherkerze namens Weihnachtsduft", sagt er lachend. "Heiligabend ist ein ganz normaler Arbeitstag für uns. 

Feuerwehr Frankfurt: Auch an Weihnachten bereit für den Notfall

Mit 14 Einsatzkräften auf der Wache und vier Mann vom Malteser Rettungsdienst. 24 Stunden lang", so Kimpel. Bis zu 5000 Mal im Jahr rücken die drei Dienstgruppen aus. Den Aufenthaltsraum mit angeschlossener Küche im dritten Stock der Feuerwache schmückt ein Weihnachtsbaum mit Kugeln und Sternen in Rot und Silber. Die Kerzen sind elektrisch. "Gottseidank", so Kimpel.

Feuerwehr Frankfurt: Wenn der Adventskranz Feuer fängt

Das hat Gründe. Erst vor wenigen Stunden mussten sie los, weil ein Adventskranz in einem Hospiz in Frankfurt in Brand geraten war. "Zum Glück konnten Mitarbeiter ihn schnell mit Wasser löschen. Die Kombination aus trockenen Tannennadeln und Kerzen ist immer gefährlich. Ganze Wohnungen können im Nu explosionsartig ausbrennen."

Die Feuerwehrmänner trinken Kaffee und blicken direkt auf die Skyline in der "schönsten Feuerwache Frankfurts", wie Kimpel sie nennt. "Wir verbringen hier mehr Zeit mit den Kollegen als mit der Familie." Auch an Feiertagen. "Wer Heiligabend Dienst hat, arbeitet auch am 26. Dezember. Wer nicht an Weihnachten arbeitet, hat an Silvester oder am 1. Januar Dienst."

Weihnachten bei der Feuerwehr Frankfurt: Wer arbeitet an Weihnachten?

An Heiligabend arbeiten eher diejenigen Feuerwehrmänner, die keine Kinder haben oder deren Kinder schon groß sind. Um 7 Uhr beginnt der 24-Stunden-Dienst. Die Rettungswagenbesatzung wird nach zwölf Stunden getauscht. "Wenn gerade kein Einsatz ist, gibt es Ruheräume, Fitnessstudio und einen Fernsehraum mit Kinosesseln. Täglich kocht einer aus der Mannschaft für alle. Morgens gibt es belegte Brötchen für einen Euro, mittags zum Beispiel Rinderroulade mit Rotkraut und Lebkuchensoße, Wildschweingulasch oder Spiegelei mit Kartoffeln und Spinat.

"Manche hier kochen wie Paul Bocuse", lobt er seine Mannschaften in Frankfurt. "Aus den Einnahmen für die Essen finanzieren wir einmal im Jahr externe Weihnachtsfeiern für jede Dienstgruppe."

Feuerwehr Frankfurt: 90 Sekunden Zeit zum Ausrücken

Was es an Heiligabend gibt, weiß Kimpel nicht, denn er hat diesmal dienstfrei und kann bei seiner fünfjährigen Tochter sein. Wenn ein Einsatz kommt, muss das Essen warten. Innerhalb von 90 Sekunden müssen die Männer via Rutsche oder Treppe in ihrer Ausrüstung im Einsatzwagen die Halle verlassen. Piepend und brummend kommt die Meldung auf dem Alarmgerät an. Stichworte wie "Feuer", "Hilfeleistung" oder "Rauchmelder" dienen zur Fahrzeugwahl.

Frankfurt: Bis zu 15 Einsätze an Heiligabend

Über einen Alarmdrucker laufen parallel Kurzinformationen über die Anfahrt, den betroffenen Abschnitt und Besonderheiten am Einsatzort wie Gefahrgut, Wohnhaus oder Fahrtrichtung auf der Autobahn ein. Der schlimmste Einsatz für Kimpel war Heiligabend 1996 in Sindlingen. "Eine Frau mit Handgranaten hat in der Kirche sich und zwei weitere Frauen getötet und 13 Menschen schwer verletzt."

Bis zu 15 Mal musste die Sachsenhäuser Wehr in den vergangenen Jahren an Weihnachten ausrücken. Oft, aber nicht immer, standen Bäume in Flammen. "Noch gefährlicher mit den Weihnachtsbäumen wird es nach Heiligabend, wenn die Bäume trocknen und die Leute nicht mehr so gut aufpassen".

Wachleiter Kimpel rät: "Die Bäume sollten möglichst lange vor Heiligabend im Freien stehen. In der Wohnung den Baum in Wasser an einem kühlen Platz aufstellen, damit er nicht so schnell austrocknet. Keinesfalls sollte er der Nähe von Heizkörpern, Möbeln oder Gardinen stehen. Wir raten zu elektrischen Kerzen mit TÜV- oder E-Prüfzeichen. Bitte einen Wassereimer oder Feuerlöscher in der Nähe aufstellen und niemals Kerzen unbeaufsichtigt brennen lassen. Wenn es trotzdem brennen sollte, bitte nicht den Helden spielen, sondern schnell das Haus verlassen und die 112 rufen."

VON SABINE SCHRAMEK

In der Nacht zu Montag hat es in Frankfurt Bornheim gebrannt. Ein Mehrfamilienhaus musste von der Feuerwehr evakuiert werden.

Zudem gab es in Gudensberg (Hessen) einen Brand. Ein kompletter Stall stand in Flammen, die darin befindlichen Pferde konnten jedoch vor dem Feuer-Tod gerettet werden.

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