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Flohmarkt (Symbolbild)

Mainkai-Sperrung

Flohmarkt bleibt am Schaumainkai - Verkehrschaos droht

Der Verkehr in Sachsenhausen ist seit der Mainkai-Sperrung stark gestiegen - viele weichen über das südliche Mainufer und Wohnstraßen aus. Trotzdem will die Stadt den Flohmarkt dort belassen.

Frankfurt - Der Ortsbeirat 5 (Niederrad, Oberrad, Sachsenhausen) hatte es vorausgesehen: Sobald das nördliche Mainkai für Autos tabu ist, verlagert sich ein Großteil des Verkehrs nach Sachsenhausen. Städtische Prognosen bestätigten die Befürchtung: Nahezu die Hälfte der 20 000 Fahrzeuge, die zuvor täglich auf dem nördlichen Ufer unterwegs waren, würden nach Sachsenhausen ausweichen. Das Stadtteilgremium forderte deshalb Ausweichstrecken und die Verlegung des Flohmarkts weg vom Schaumainkai.

Doch nichts ist geschehen, um die Straßen auf der Südseite des Mains zu entlasten: Schaumainkai, Schweizer Straße und Gartenstraße sind im Berufsverkehr regelmäßig dicht, immer mehr Schwerverkehr braust am Mainufer entlang, und um den Stau zu umfahren, lenken viele ihre Autos durch Nebenstraßen wie die Oppenheimer Landstraße. Der Kollaps ist programmiert, wenn beide Ufer zeitgleich gesperrt sind, wie kürzlich beim Aufbau und während des Museumsuferfests.

Flohmarkt findet alle zwei Wochen statt

Dass deshalb der Flohmarkt, der alle zwei Wochen samstags von 9 bis 14 Uhr am Hochkai des Schaumainkais zwischen Eisernem Steg und Holbeinsteg stattfindet, von dort weg verlegt wird, will nicht nur der Ortsbeirat. Auch der Präsident der Frankfurter Industrie- und Handelskammer (IHK), Ulrich Caspar, sagte gestern: "Eine Verlegung des Flohmarkts vom Schaumainkai an das nördliche Mainufer ist ratsam. Eine gleichzeitige Sperrung des nördlichen und südlichen Mainufers ist ein großer Nachteil für die Erreichbarkeit der Unternehmen und des Handels in der Frankfurter Innenstadt und produziert mehr Staus auf Nebenstraßen und Ausweichstrecken. Die Verlegung des Flohmarktes kann kurzfristig umgesetzt werden und sollte für Veranstalter und Besucher zumutbar sein."

Zur Mainkai-Sperrung: Ein Antrag der AfD ist aus einem kuriosen Grund abgelehnt worden 

Genau das hat die Stadt jetzt abgelehnt: Es gebe keine Ausweichfläche für den Flohmarkt. Eine Beschränkung auf den Abschnitt zwischen Untermainbrücke und Friedensbrücke sei nicht möglich, denn der Flohmarkt würde 35 Prozent der bisherigen Marktfläche einbüßen. Auch die Verlegung auf die Nordseite des Mains, die ja ohnehin gesperrt ist, ist laut Stadt nicht drin: Das "künftig gesperrte nördliche Mainufer", wie es die Stadtverwaltung formuliert, sei bereits von vielen Festen - Weihnachtsmarkt, Mainfest, Museumsuferfest oder Sportveranstaltungen wie der Ironman - belegt, so dass der Flohmarkt dort nicht umsetzbar sei. Die Fläche sei zudem nicht groß genug, so dass Flucht- und Rettungswege nicht freigehalten werden könnten. Auch Anlieferungen für die Mainschifffahrt werden ins Feld geführt.

Flohmarkt am Schaumainkai: Fluchtwege fehlen

Die genannten Feste werden von der Frankfurter Tourismus und Congress GmbH veranstaltet. Dass der Flohmarkt am Mainkai keinen Platz haben soll, stößt dort auf Verwunderung. Auf Nachfrage erklärt die Pressestelle, dass für jede Veranstaltung ein eigenes Sicherheitskonzept entwickelt wird, das Flucht- und Rettungswege regelt. Die Details würden aus Sicherheitsgründen nicht veröffentlicht. Welchem Sicherheitskonzept der Flohmarkt unterliegt, konnte vor Redaktionsschluss nicht geklärt werden: Der zuständige Ansprechpartner bei den Hafenbetrieben, die den Flohmarkt veranstalten, war diese Woche nicht erreichbar.

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Dass der Flohmarkt nicht verlegt wird, hält der Ortsvorsteher des Ortsbezirks 5, Christian Becker (CDU), für problematisch. "Die Bürger im Süden werden durch den Verkehr sehr belastet, es hat sich sogar eine Bürgerinitiative gegründet, die hohen Zulauf hat", so Becker. "Die Straßen sind dicht bis hinunter zur Mörfelder Landstraße. Da muss man sich doch mal die Frage stellen, ob an dem Konzept etwas nicht stimmt. Jetzt auch noch regelmäßig ein zweites Ufer zu sperren, verschlimmert die Situation." Der Ortsvorsteher verweist auf die Sorgfaltspflicht der Politik gegenüber der Bürger, die nicht mehr erfüllt werde.

Drehorte in Frankfurt: Location Scout Yvonne Wassong "beliefert" TV- und Film-FirmenDie Bürgerinitiative "Sachsenhausen wehrt sich" hat inzwischen 580 Mitglieder, teilt der Initiator Herbert Schmoll auf Anfrage mit, täglich kämen neue hinzu.

von Stefanie Wehr

Kommentar von Stefanie Wehr: Konzepte gehen vorne und hinten nicht auf

Die Mainkai-Sperrung ist ausgemacht - davon wird bei der Stadt nicht abgerückt. Die negativen Auswirkungen vor allem auf die südlichen Stadtteile werden geflissentlich ignoriert oder kleingeredet, nach dem Motto: "Das wird sich schon einspielen." Ein paar Ampeln werden neu geschaltet, ein paar Schilder aufgestellt, das war's.

Währenddessen herrscht in Sachsenhausen weiterhin Unverständnis über die Autoschlangen, die sich seit neuestem durch den Stadtteil schieben. Den Flohmarkt zu verlegen, wäre für viele nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Dass nun aber auch dieser Vorschlag abgeschmettert wird, ist nicht nachvollziehbar. Warum kann der Mainkai, der ja jetzt frei ist, nicht den Flohmarkt beherbergen? Die Gründe klingen fadenscheinig. Die gesperrte Straße bringt niemandem etwas: Touristen nutzen sie nicht, nur wenige Rad- oder Rollerfahrer brauchen sie. Am Main trifft sich nun höchstens mehr Partyvolk, das die Anwohner nervt. Dass das Konzept hinten und vorne nicht aufgeht, muss längst auch dem Letzten im Römer aufgegangen sein.

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