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Flughafen Frankfurt: Der Flugplan wird noch weiter ausgedünnt

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Von: Jutta Rippegather

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Mehr Flüge in der Nacht? Für die Grünen kommt das nicht infrage.
Mehr Flüge in der Nacht? Für die Grünen kommt das nicht in Frage © Andreas Arnold

Wegen der Engpässe sind für August noch weniger Flüge geplant. Es gibt eine Debatte um den Nachtbetrieb am Flughafen Frankfurt.

Frankfurt – Gecancelt: 1260 Flugbewegungen waren für Donnerstag (30. Juni) am Flughafen Frankfurt geplant. 67 wurden annulliert. Das Ausdünnen des Sommerflugplans kommt nicht überraschend. Laut hessischem Verkehrsministerium hatte Fraport schon im Februar auf die sich abzeichnenden Probleme hingewiesen. Daraufhin bat der Bund die Airlines, freiwillig ihre Aktivitäten zu reduzieren.

Diese Anpassung von ursprünglich 104 auf 96 Flugbewegungen pro Stunde hält der Flughafensprecher der Grünen im Landtag, Frank Kaufmann, für zielführender als das Nachtflugverbot befristet zu lockern, wie es das Bundesinnenministerium laut einem Bericht der Bild vorschlägt. „Das Verbot am Frankfurter Flughafen, zwischen 23 und 5 Uhr Flüge abzuwickeln, dient zum Schutz der Gesundheit der Anrainer, und jede Aufweichung ist eine zusätzliche Belastung für die Anwohner:innen“, sagt Kaufmann.

Trotz Chaos am Flughafen Frankfurt: „Nachtflüge kein Thema“

Auch seitens der Flughafenbetreiberin Fraport gibt es keinerlei Ambitionen, die höchstrichterlich verordnete sechsstündige Auszeit infrage zu stellen. „Nachtflüge sind für uns kein Thema“, versichert Konzernsprecher Dieter Hulick. Dennoch herrscht derzeit zwischen 23 Uhr und Mitternacht oft keine Ruhe am Himmel. 191 Landungen und 76 Starts weist die Statistik, die das Verkehrsministerium täglich aktualisiert, für den Juni (Stand 29. Juni) für diesen Zeitraum aus.

Folgen des Kriegs

Laut Deutscher Flugsicherung (DFS) hat der Luftverkehr aufgrund der gelockerten Corona-Restriktionen und des Ukrainekriegs stark zugenommen.

Die Luftraumsperrungen über Russland und der Ukraine verursachen eine Zunahme von zusätzlich etwa zehn Prozent in Deutschland. Außerdem gibt es durch den Krieg erheblich mehr Militärflüge. jur

Chaos am Flughafen Frankfurt: Ausnahmegenehmigungen beim Nachtflugverbot

Denn: „Bereits jetzt gibt es die Möglichkeit, bei Verzögerungen, die nicht durch die Fluggesellschaften selbst verursacht wurden, Ausnahmegenehmigungen für Starts zwischen 23 und 0 Uhr zu beantragen“, sagt Minister Tarek Al-Wazir (Grüne) der Frankfurter Rundschau. „Aber danach ist Schluss, eine weitere Lockerung der Beschränkungen steht nicht zur Diskussion.“ Eine befristete Lockerung des Nachtflugverbots sei inakzeptabel. „Ich kann kaum glauben, dass ein solcher Vorschlag aus dem Bundesinnenministerium unter der Leitung von Nancy Faeser kommen soll, die als Bürgerin des Main-Taunus-Kreises um die Belastungen wissen müsste.“

Unter die Rubrik „nicht von den Fluggesellschaften verursacht“ fallen dem Minister zufolge auch Verzögerungen bei der Abfertigung. Mit denen haben nach Corona-bedingtem Personalabbau derzeit alle bundesdeutschen Flughäfen zu kämpfen. Anders als etwa in Berlin oder Düsseldorf betrifft das aber in Frankfurt weniger die Bereiche Check-in und Sicherheitskontrolle, sondern vor allem die Gepäckabfertigung, die sogenannten Bodenverkehrsdienste. Verschärft würden die Engpässe derzeit durch stark zunehmende Fehltage wegen Covid-19, heißt es aus dem Ministerium.

Reisechaos am Flughafen Frankfurt soll besser koordiniert werden

Um das Reisechaos in den Griff zu bekommen, hat die Bundesregierung jetzt eine ressortübergreifende Koordinierungsgruppe eingerichtet. Eine Idee, die im Raum steht: Vorübergehend Aushilfen aus der Türkei anzuheuern. „Wir begrüßen diese Maßnahme“, sagt Fraport-Sprecher Hulick. Parallel dazu setze das Unternehmen seine eigene Rekrutierungskampagne im In- und Ausland fort. Die ersten Aushilfskräfte dürften aber erst nach der größten Reisewelle am Flughafen Frankfurt anfangen.

Eine zeitnahe Entspannung erwartet das Verkehrsministerium in Wiesbaden nicht. „Für den Monat August werden erneut weitere Spitzenwerte und zusätzlich hohe Unpünktlichkeitsraten durch externe Effekte erwartet“, sagt Sprecher Wolfgang Harms. „Einvernehmlich“ sei deshalb beschlossen, für August den sogenannten Zielwert um weitere zwei Bewegungen auf 94 pro Stunde abzusenken. „Hiermit soll sichergestellt werden, dass die Lage am Frankfurter Flughafen auch in Zeiten maximaler Auslastung stabilisiert wird und insbesondere Verzögerungen vermieden werden.“ Im September werde wieder auf 96 erhöht. „Wir hoffen, dass es dadurch gelingt, die Auswirkungen der gegenwärtigen Lage auf die Abfertigung in Frankfurt zu begrenzen.“ (Jutta Rippegather)

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