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Neue Sicherheitskontrollen am Airport: Mehrere Gepäckstücke können jetzt gleichzeitig überprüft werden, Passagiere können sich gegenseitig überholen. Das soll Tempo in das ganze Prozedere bringen und lange Wartezeiten reduzieren.

Sicherheitskontrollen

Neue Anbauhalle: Passagiere und Handgepäck jetzt schneller durchleuchtet

Schnellere Bänder und die Möglichkeit zum Überholen: Mit diesen kleinen Kniffen sollen sich vor den Sicherheitskontrollen am Flughafen keine langen Schlangen mehr bilden. Gestern wurde eine neue Anbauhalle am Terminal 1 in Betrieb genommen.

Frankfurt - Stellen Sie sich folgendes Szenario vor: Sie stehen in einer nicht enden wollenden Schlange vor den Sicherheitskontrollen am Flughafen, es geht nur schleppend voran, die Abflugzeit rückt immer näher. Und dann braucht der Vordermann eine Ewigkeit, um all seine Habseligkeiten in eine der Wannen zu packen. Da kann der Puls schon einmal schneller schlagen. Man wird nervös.

Frankfurter Flughafen: Erfahren und unerfahren

Solch Szenarien sollen am Frankfurter Flughafen künftig nicht mehr vorkommen. Gestern hat Betreiber Fraport und die Bundespolizei eine rund 20 Millionen Euro teure Anbauhalle am Terminal 1 in Betrieb genommen, in der sieben zusätzliche und neuartige Kontrollspuren stehen. Mit diesen soll es möglich werden, dass Passagiere und ihr Handgepäck schneller durchleuchtet werden können.

Doch wie funktioniert die neue Technik? Ganz einfach: Die Passagiere können sich gegenseitig überholen. "Jeder Fluggast hat sein eigenes Tempo", sagte Michael Kraft, Hauptkommissar bei der Bundespolizei. "Das führt aber schnell zu Staus." Das soll nun vermieden werden. Deshalb können schon vor dem Körperscanner drei Passagiere gleichzeitig ihre Taschen, den Beutel mit den Flüssigkeiten, Computer, Handys und Jacken in die Wannen legen. Während an den herkömmlichen Kontrolllinien der erfahrene Vielflieger warten muss, bis der Flugneuling auch sein vergessenes Deo ganz unten im Rucksack herausgekramt und in der vorgeschriebenen Klarsichtstüte verstaut hat, kann er ihn jetzt einfach überholen und schon einmal den Körperscanner passieren. Auch im weiteren Verlauf haben die Kontrolleure die Möglichkeit, einzelne Gepäckstücke nochmals zu kontrollieren, ohne den ganzen Prozess aufzuhalten. So gibt es einen extra Scanner für Schuhe. "Niemand soll mehr zurücklaufen müssen", so Kraft. Zudem laufen die Bänder, mit denen Hab und Gut der Passagiere durch die Scanner geschleust werden, schneller. Mehr Personal beobachtet die Monitore und wertet sie aus.

Mit den Neuerungen sollen etwa 1750 Fluggäste in der Halle pro Stunde kontrolliert werden können. "Das ist grob das Doppelte, was wir auf der gleichen Fläche mit der herkömmlichen Technik geschafft hätten", sagte Kerstin Kohlmetz, Präsidentin der Bundespolizeidirektion Flughafen.

Frankfurter Flughafen: Letzter Feinschliff

Es wird aber auch mit den neuen Kontrolllinien noch zu langen Schlangen am Flughafen kommen. "Bei Gewitter zum Beispiel, wenn keine Flugzeuge starten oder landen können", sagte Kohlmetz. "Wir werden die Wartezeiten bei gleichbleibendem Sicherheitsstandard aber deutlich reduzieren können." Allerdings sind von den 186 Kontrollspuren am Flughafen erst neun mit der neuen Technik ausgestattet. Im kommenden Sommer will Fraport mindestens 16 neue Spuren im Betrieb haben.

Doch zuvor wird die innerhalb von sechs Monaten errichtete Leichtbau-Halle nach der großen Reisewelle im Herbst erst noch einmal für rund ein halbes Jahr geschlossen, um abschließende Bauarbeiten durchzuführen. "Die neuen Kontrollspuren werden dann an anderer Stelle im Terminal 1 wieder aufgebaut", sagte ein Fraport-Sprecher. Nach dem letzten Feinschliff wird auch die neue Halle wieder mit neuen Geräten ausgestattet.

"Ich bin froh, nun auch für die kommenden sehr, sehr starken Tage zusätzliche Kapazitäten zu haben", sagte Fraport-Chef Stefan Schulte. In Bayern und Baden-Württemberg beginnen am Ende der Woche die Sommerferien.

von Julia Lorenz

INFO

Mehr Reserveflugzeuge am Boden, überarbeitete Flugpläne, mehr Personal am Boden und in der Luft: All das zeigt Wirkung. Der europäische Luftverkehr ist in den ersten sechs Monaten diesen Jahres pünktlicher. Seit Februar gehen die Verspätungen zurück. Laut Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL) waren die Flüge im ersten Halbjahr 2018 in Frankfurt noch 15 Minuten zu spät, lag der Wert im Zeitraum von Januar bis Mai bei 13 Minuten.

Allerdings gab das Fluggasthelfer-Portal "AirHelp" gestern bekannt, dass in Frankfurt rund 30 Prozent aller 112 700 analysierten Starts in den ersten sechs Monaten dieses Jahres verspätet waren oder ausfielen. Damit verzeichnete der Flughafen den schlechtesten Pünktlichkeitswert aller 13 Airports, die das Portal analysiert hatte. Hinter Frankfurt folgt München, an dem 27 Prozent der Starts nicht nach Plan waren. Insgesamt hoben in Deutschland im ersten Halbjahr täglich 605 Flugzeuge verspätet ab. jlo

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