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Auffälligkeiten im Blick: Polizisten waren gestern am Flughafen auf der Suche nach Verdächtigem.

Flughafen

Am Flughafen sind ist die Polizei in Alarmbereitschaft und die Touristen entspannt

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Nachdem mutmaßliche Terroristen die Flughäfen in Paris und Stuttgart ausgespäht haben sollen, waren gestern auch die Sicherheitskräfte am Frankfurter Airport in Alarmbereitschaft. Die Passagiere indes sind recht entspannt – und freuen sich auf den Weihnachtsurlaub.

Für Jana (40) ist klar: „Es wird ein Traumurlaub“, sagt die Dresdenerin. Mit ihrem Mann, einem weiteren Ehepaar und drei Kindern geht es für sie auf große Reise: „Nach Thailand, in die Sonne“, sagt Jana. Mit Weihnachten ist dort nichts, doch die Kinder wissen noch nicht recht, ob sie die Stimmung vermissen werden. Egal: Weihnachtsdekorationen gibt es in Thailands Touristendestinationen auch. „Und Geschenke für die Kinder haben wir dabei.“

Feiertage liegen günstig

Wie die beiden Familien aus Dresden haben es gestern viele gemacht: Der letzte Schultag, und ab geht es in den Urlaub. Für Thong (28) wird es ein Besuch in der Heimat. „Ich komme aus Hanoi, dorthin wollen wir jetzt“, sagt der 28-jährige Jenaer. Er hat sein Studium gerade abgeschlossen, Verwandte von ihm haben Urlaub. Gemeinsam nutzen sie auch die Weihnachtstage für ihren Urlaub in Hanoi, Vietnam.

Jana (40) aus Dresden reist mit Familie und Freunden nach Thailand.

Auch Jan Forschner und Tina Alles checken ein. Mit zwei Freunden fliegen sie für zwei Wochen nach Indien. „Wir haben nichts gegen Weihnachten zu Hause“, sagt Tina Alles, „aber für den Urlaub bietet es sich in diesem Jahr an, Weihnachten zu nutzen. Man braucht nur wenige Tage Urlaub aufzubrauchen und ist gleich zwei Wochen weg.“ Weil die Feiertage eben nicht immer so günstig liegen.

Trotzdem, gestern gegen 11 Uhr wirkt das Terminal 1 ziemlich leer. Kaum zu glauben, dass es einer der stärksten Tage des Flughafen werden soll mit 195 000 Fluggästen. Eine Fraport-Sprecherin berichtet, es gebe im Luftverkehr täglich zwei bis vier „Wellen“ mit mehr Flugzeugstarts. Frühmorgens gehen meist die Flugzeuge Richtung Westen, USA, raus, abends eher die Flüge Richtung Osten, also Asien. „Das liegt an der Zeitverzögerung“, erläutert Fraport-Sprecherin Maria Linden. Dass der Airport zu bestimmten Zeiten ruhig scheint, lässt keinen Schluss auf den Tag zu.

Rund 1400 Flugbewegungen waren für gestern angesetzt, eine leicht überdurchschnittliche Zahl für einen Werktag. Gegen 14 Uhr waren erst 20 Flüge gestrichen, es sah nach einem fliegerisch unproblematischen Tag aus.

Am Boden herrschte indes doch eine gewisse Anspannung. Der Journalist, der mit Passagieren sprach und sich Notizen machte, erregte die Aufmerksamkeit dreier Polizisten, die das Treiben im Terminal 2 beobachteten. Höflich baten sie ihn zur Seite und ließen sich den Ausweis zeigen. Nein, besondere Anspannung hätten sie nicht, sagte ein Beamter. Immerhin: Einer der drei hatte eine Maschinenpistole umhängen.

Kontrolliert wird, wer auffällt

Eine Sprecherin der Bundespolizei bestätigte: „Die Kollegen sind angewiesen, noch etwas genauer als sonst auf irgendwie auffällige Personen zu achten.“ Es wurde erhöhte Wachsamkeit ausgerufen.

Zu Besuch in die Heimat, nach Vietnam: Thong (28) aus Jena freut sich schon auf seine Verwandten in Hanoi.

In den vergangenen Tagen hatten mutmaßliche Islamisten versucht, Flughäfen auszuspähen. Zumindest vermuteten dies die Ermittler bis in den gestrigen Nachmittag hinein. Frankfurt, sagte die Sprecherin der Bundespolizei, sei von diesem Ausspähverdacht jedoch nicht betroffen. Dennoch seien die Polizisten in den Terminals sensibilisiert worden und hielten Ausschau: „Wir passen die polizeilichen Maßnahmen kontinuierlich der Lage an.“ Die Beamten zeigten deshalb in der am Freitag beginnenden Weihnachts-Reisewelle viel Präsenz und liefen Streife. Eine Aufstockung des Personals sei am größten deutschen Flughafen aber nicht geplant.

Am späten Nachmittag gaben die Sicherheitsbehörden Entwarnung. Demnach haben die Ermittlungen – unter anderem wurden Wohnungen durchsucht – den Verdacht nicht erhärtet, dass der Stuttgarter Flughafen ausgespäht wurde, um dort einen Terroranschlag zu verüben. In Paris waren ähnliche Ausspähaktionen beobachtet worden, die Sicherheitsbehörden vermuteten einen Zusammenhang, zumal die Betroffenen in Paris und Stuttgart sich über einen gemeinsamen Bekannten, einen Islamisten, zu kennen schienen. Gestern im Lauf des Tages stellte sich die Aufregung jedoch als unnötig heraus, die Verdächtigungen bestätigten sich bei den erfolgten Hausdurchsuchungen nicht.

Neuer Passagierrekord

Für die Weihnachts-Reisewelle erwartet der Flughafen-Betreiber Fraport eine zunächst abnehmende Zahl von Fluggästen. „Am Freitag waren es 195 000“, sagte Sprecherin Maria Linden, „am 24 und 25. Dezember werden es nur noch 100 000 bzw. 80 000 sein.“ Danach steigt die Zahl wieder leicht an.

Im November zählte der Flughafen Frankfurt rund 5,24 Millionen Passagiere. Dies entsprach einem Anstieg von 4,7 Prozent gegenüber dem Vergleichsmonat des Vorjahres. Zu dem Wachstum trugen sowohl der Europaverkehr (plus 6,1 Prozent) als auch der Interkontinentalverkehr (plus 4,3 Prozent) bei. Insgesamt legte der Frankfurter Flughafen in den ersten elf Monaten bei den Passagierzahlen um 7,8 Prozent zu. Analog stiegen im November die Flugbewegungen um 5,3 Prozent auf 41 192 Starts und Landungen. Die Summe der Höchststartgewichte wuchs um 3,3 Prozent auf rund 2,5 Millionen Tonnen. Einzig das Frachtaufkommen sank im November wegen der Unsicherheiten im weltweiten Handel um 2,1 Prozent auf rund 196 537 Tonnen.

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