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Zum Verlieben: Ursula Schmidt aus Frankfurt wird am Donnerstag stolze 105 Jahre alt. Die engagierte Frau geht sogar manchmal noch demonstrieren. 

Seniorin feiert Geburtstag

Sie geht noch immer demonstrieren: Frau aus Frankfurt feiert 105. Geburtstag

Ursula Schmidt aus Frankfurt-Höchst wird am Donnerstag stolze 105 Jahre alt. Die engagierte Frau geht sogar manchmal noch demonstrieren. 

  • Ursula Schmidt feiert am Donnerstag (05.03.2020) ihren 105. Geburtstag
  • Seit 67 Jahren lebt sie im selben Haus in Höchst
  • Für Themen, die sie wichtig findet, geht sie noch heute auf die Straße

Frankfurt - Sie ist nicht still, sondern setzt sich ein für ihre Mit-Senioren, demonstriert auch mal für Sitzbänke auf der Königsteiner Straße in Frankfurt. Ihr Alter sieht man ihr nicht an. Der Grund: Ein bezauberndes Lächeln im von weißem Haar gerahmten Gute-Omi-Gesicht. Und wie jede gute Omi hat sie auch immer etwas dabei - bei ihr sind es Käseplätzchen. Die sind jetzt ihr Markenzeichen, und oft wird sie sogar danach gefragt.

105. Geburtstag in Frankfurt: Geboren während dem Ersten Weltkrieg

Am Donnerstag (05.03.2020) wird sie 105 Jahre alt: Ursula Schmidt aus Frankfurt-Höchst. Geboren wurde sie als Ursula Lange am 5. März 1915, während des Ersten Weltkriegs, in Bernburg/ Saale. Dort wuchs sie mit zwei jüngeren Brüdern auf. Die Papierfabrik Lange in Bernburg, gegenüber dem Schloss gelegen, wurde ergänzt von zwei wunderschönen großen Villen, in denen die Brüder Werner und Julius Lange mit ihren Familien wohnten - in privilegierten Verhältnissen mit Automobil, Chauffeur, Gärtner und Privatlehrer genoss Julius Langes Tochter Ursula in der Saalestadt eine gut behütete Kindheit. Ihr Vater starb an den Folgen eines Leidens, das er sich im Ersten Weltkrieg zugezogen hatte, als das Mädchen zehn Jahre alt war. Die Mutter konnte mit den drei Kindern in der Villa bleiben; Schwager Werner Lange führte die Geschäfte weiter - bis zur Enteignung anno 1945.

"Wir gehören nicht zum alten Eisen" - Ursula Schmidt (l.) demonstriert 2017 mit Brigitta Matthes für Sitzbänke auf der Königsteiner Straße in Frankfurt.

Doch noch einmal zurück in die dreißiger Jahre: Die Villa ist umgeben von einem Kleintierzoo, einer Schmalspurbahn zum Märchengarten „Paradies“ und dem Rosenhag. Zum Kurhaus sind es nur ein paar Minuten. Mit einem Kahn konnte man von der Villa über die Saale setzen. Auf der anderen Seite des Flusses trainierten die Ruderer des Ruderclubs. Ursula ruderte auch - damals „Stilrudern“ für Mädchen genannt. Ursula, 1,53 Meter klein und leicht, wurde Steuermann. Arthur Schmidt, genannt Henny, saß damals mit ihr im Boot.

Frau flieht mit kleinen Kindern nach Frankfurt

Die beiden heirateten 1938 in Bernburg und zogen ins neu gebaute Eigenheim in der Wissmannstraße. Nicht lange währt das junge Glück: Auch der nächste Krieg brauchte Männer. Ursula Schmidt lebte nun wieder bei der Mutter in der Villa, inzwischen mit zwei kleinen Kindern. Sie waren ihr Lichtblick und ihre Freude. Doch Ursulas beiden Brüder, Wolfgang und Heinz, kehrten nicht aus dem Krieg zurück.

Kriegsende. Nachdem die Rote Armee Bernburg von den US-Truppen übernommen hatte, floh die junge Mutter mit ihren beiden Kindern, vier und sechs Jahre alt, am 4. Dezember 1945 in einer dunklen Nebelnacht nach Frankfurt und kam, kurz vor Weihnachten, in Höchst in der Luciusstraße 1a bei Verwandten unter.

105. Geburtstag: Frau wohnt in Frankfurt seit 67 Jahren im selben Haus

Am 9. Oktober 1948 kehrte ihr Mann Henry aus der Kriegsgefangenschaft heim; im Februar 1953 wurde Sohn Peter geboren. Die Familie konnte in der Zwischenzeit ein Zimmer von 18 Quadratmetern Größe mit Küchenbenutzung in der Luciusstraße 6 beziehen. Auf Bezugscheine gab es ein paar Möbel - mit Kanonenofen und fünf Personen war es gemütlich eng, erinnert sich die Tochter.

Ursula Schmidts Mann Henry ist 1986 verstorben, hatte aber eine ordentliche Altersversorgung erarbeitet. Ihr jüngster Sohn Peter lebt auch nicht mehr: Er starb im Dezember 2015 während einer Reise in der Türkei. Das war ein harter Verlust für die damals 100-jährige Mutter.

Frau aus Frankfurt feiert 105. Geburtstag: Langweilig wird ihr nicht

In Frankfurt-Höchst fühlt sich Ursula Schmidt heute noch immer sehr wohl. Langweilig wird ihr nicht: Sie hat an Malkursen teilgenommen und aktiv in der Senioreninitiative mitgearbeitet. Ursula Schmidt liebt die Altstadt, den Markt und ist regelmäßig im Schlosscafé und im Eiscafé am Markt zu Gast. An all diesen Orten holt sie dann manchmal das Käsegebäck aus der Tasche, und es macht ihr Freude, wenn es den anderen schmeckt. Im Sommer ist sie an der Schiffsmeldestelle unten am Main zu finden. Ihr wacher Geist macht eine rege Unterhaltung möglich. Zu Hause versorgt sie sich immer noch alleine: „Ein Altersheim kommt für mich nicht infrage. Ich bin jeden Tag froh, dass ich hier sein kann.“ Immer wieder dankt sie dem Schicksal, nach Höchst gekommen zu sein.

red

Ursula Schmidt ist nicht die einzige Frankfurterin, die 105 Jahre alt wurde: Den gleichen Geburtstag feierte Margaretha Weindler im Jahr 2018. 

Falls esim Westen von Frankfurt ab Mitte März ein wenig merkwürdig riecht, könnte der Grund dafür ein ganz einfacher sein.

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