Geschafft: Dreieinhalb Stunden lang haben Zahnarzt Alfonso Padilla (Zweiter von links), Torsten, Nely und Mehmet (rechts) in der Nacht zum Samstag inmitten von 2000  Feiernden den Opernplatz gefegt. Haben Mülltüten ans Partyvolk verteilt und mit den überwiegend jungen Leuten gesprochen. Die Sauerei nach den ausufernden nächtlichen Partys wollten die Vier nicht länger hinnehmen und entschieden sich, unterstützt von einer Handvoll weiterer Helfer, selbst anzupacken.
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Geschafft: Dreieinhalb Stunden lang haben Zahnarzt Alfonso Padilla (Zweiter von links), Torsten, Nely und Mehmet (rechts) in der Nacht zum Samstag inmitten von 2000 Feiernden den Opernplatz gefegt. Haben Mülltüten ans Partyvolk verteilt und mit den überwiegend jungen Leuten gesprochen. Die Sauerei nach den ausufernden nächtlichen Partys wollten die Vier nicht länger hinnehmen und entschieden sich, unterstützt von einer Handvoll weiterer Helfer, selbst anzupacken.

Müllproblem in Frankfurt

Freiwillige kämpfen gegen Müll-Berge auf Opernplatz: „Schlimm, wie es hier abgeht“

  • vonSabine Schramek
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Frankfurt hat ein Müllproblem – insbesondere auf dem Opernplatz, wo sich regelmäßig tausende zum Feiern treffen. Ein Gruppe engagierter Frankfurt, will die Vermüllung nicht mehr hinnehmen.

  • Seit Wochen treffen sich Tausende zum Feiern auf dem Opernplatz in Frankfurt
  • Sie halten sich teils nicht an die Corona-Regeln und hinterlassen bergeweise Müll
  • Jetzt packen engagierte Frankfurter Bürger das Problem eigenständig an

Frankfurt – Was braucht man, um am Opernplatz junge Leute feiern zu lassen und den zentralen Ort trotzdem am nächsten Morgen nicht wie ein Meer aus Müll aussehen zu lassen? 10 Freiwillige, 200 Müllbeutel, 5 Besen, 20 Paar Handschuhe, Feingefühl, Engagement und dreieinhalb Stunden richtiges Anpacken. „Am liebsten würde ich einfach Müllbeutel verteilen“, schrieb der Frankfurter Zahnarzt Alfonso Padilla vor einer Woche wütend im sozialen Netzwerk Facebook. Gesagt, getan. Was mit vier Freiwilligen am Samstag vor einer Woche begann, hat am vergangenen Freitagabend zehn Leute ins Partygewühl gelockt. „Der Opernplatz ist für alle da. Und wir wollen ihn sauber“, sind sich die Helfer einig.

Frankfurt: Freiwillige bekämpfen Müll-Problem auf Opernplatz

Es sind keine Leute, die sich sonst langweilen, sondern Leute, die trotz Vollzeitjobs soziale Verantwortung übernehmen, wo die Politik gerade nicht mehr weiter weiß. Um 0.30 Uhr in der Nacht auf Samstag ist der Opernplatz brechend voll. Es wird gelacht, getrunken, gerangelt, getanzt und entspannt. Dazwischen wuseln der Zahnarzt, ein Dolmetscher, eine Immobilienexpertin, ein Sicherheitsexperte, eine Verlagsangestellte, ein Marketingmann und eine Reporterin paarweise mit Mülltüten zu den feiernden Grüppchen. „Bitte nehmt diese Tüte, packt Euren Müll da rein und stellt sie an die Mülleimer“, lautet ihr Mantra.

Die Mülleimer sind voll, aber der Unrat liegt nicht mehr überall herum, sondern in Tüten verpackt bereit zum Abtransport. Foto: SABINE SCHRAMEK

Und: Die Leute freuen sich darüber. Niemand reagiert harsch. "Tolle Aktion, die ihr da macht, heißt es immer wieder." Manche vermuten, dass die Putztruppe auf dem Opernplatz bezahlt ist. "Im Gegenteil. Wir haben die Mülltüten, Besen, Handschuhe, Masken und das Desinfektionsmittel für unsere Hände selbst gekauft", ist die Antwort an jene, die die laue Sommernacht mit Alkohol und ohne Maske lautstark feiern. Viele folgen den Bitten der Mülltütenverteiler. Maria kommt aus Portugal und spricht, einen Besen in der Hand, auf Englisch mit dem Partyvolk. "Ich wohne im Bahnhofsviertel, fühle mich sicher, aber der Müll hier auf dem Platz ist unglaublich", sagt sie kopfschüttelnd und verteilt lächelnd Tüten.

Corona-Partys und jede Menge Müll in Frankfurt: Manche schämen sich

Die wenigen Mülleimer auf dem Platz sind längst voll. Am Rand des Opernplatzes steht ein Container. Er ist geschlossen, die Leute stellen ihre Gläser, Flaschen, Pizzakartons darauf ab oder sitzen darauf, um sich das Treiben anzusehen. „Der Container wurde hingestellt, damit da Müll rein kann“, erklärt Padilla. „Dass er dafür offen sein muss, ist wohl vergessen worden.“ Er zuckt ungläubig mit den Schultern, nimmt einen Besen und fegt. Manche Besucher schämen sich, als sie sehen, dass jeweils zwei Freiwillige Müll zwischen ihren Füßen zusammenkehren, Flaschen, zerbrochenes Glas und Kartons in die Säcke stopfen. Sie helfen mit. Es ist heiß, der Schweiß läuft in die Masken.

Vom Ordnungsamt oder der Polizei ist niemand zu sehen. Abstandsregeln wegen Corona scheinen vergessen. „Ein idealer Platz, um auf Superspreader zu treffen“, sagt Michael, der sich beruflich mit dem Virus befasst. Er war auch beim ersten Mal dabei und würde den Platz am liebsten geräumt sehen. An jenem Samstagabend hatten Flaschensammler Leute auf dem Platz angespuckt. Mitten ins Gesicht. „Das ist ja Körperverletzung“, gruselte sich Padilla. Andere hatten später an den Türen der Alten Oper gerüttelt. „Das geht gar nicht“, finden die Freiwilligen.

Wie an den vergangenen Wochenenden feierten nach Polizeiangaben auch am Freitagabend wieder rund 2000 Menschen auf dem Opernplatz. Foto: DPA

Opernplatz in Frankfurt: Freiwillige fegen zwischen Feiernden: Schön und traurig zugleich

Immer wieder beruhigen die Tütenverteiler und Kehrer in brenzligen Situationen, wenn sich ein paar Jugendliche in die Haare kriegen. Es funktioniert mit Geduld und Lächeln. „Es ist schlimm, wie es hier abgeht“, stellen alle fest, äußern aber gleichzeitig Verständnis für die Feiernden. „Die Clubs sind zu, die Leute waren monatelang zu Hause und brauchen soziale Kontakte und das Gefühl, feiern zu können“, sagt Padilla.

Um halb vier morgens ist der Opernplatz sauber. Unzählige Tüten stapeln sich rund um Mülleimer und den abgeschlossenen Container. „Es ist schön und traurig zugleich“, findet Dolmetscher Mehmet nach getaner Arbeit. „Wir lieben unsere Stadt und unseren Opernplatz. Darum sind wir hier.“ Dass die Stadt selbst es nicht in den Griff bekommt, was zehn Freiwillige in drei Stunden durch schlichtes Anpacken schaffen, versteht niemand hier. „Die FES muss jetzt nur noch die Tüten mitnehmen und das, was wir nicht geschafft haben“, freut sich Padilla. „Am nächsten Wochenende kommen wir wieder. Vielleicht findet die Politik bis dahin ja eine Möglichkeit, das zu tun, was wir tun.“ (Von Sabine Schramek)

In einem ersten Schritt hat die Stadt Frankfurt einen Experten als Berater zurückgeholt: Den ehemaligen Müll-Sheriff Peter Postleb. Im Interview spricht er über mangelnden Respekt gegenüber der Stadt, Dreckecken und wie man ihrer Herr wird. Schmerzhafte Bußgelder zu verhängen ist für ihn dabei ein elementarer Bestandteil. 

Das Entsetzen über die Angriffe auf dem Opernplatz in Frankfurt ist billig, das Feindbild Polizei inzwischen gängig. Die Aggression muss Konsequenzen haben. Ein Kommentar.

Erst der Opern-Platz, jetzt die Kleinmarkthalle? Die Feiernden in Frankfurt sind weitergezogen und hinterlassen ihr Chaos nun anderswo. Anwohner am Liebfrauenberg ärgern sich über Müll und Fäkalien.

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