Auf dem Friedhof in Nieder-Eschbach hat der Besucher Probleme, ans Grab zu kommen. Foto: Schmidt

Rollatoren passen nicht durch

Abstand zwischen Gräbern schafft Probleme - Weg viel zu schmal

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Für Behinderte und ältere Menschen ist nicht mehr jeder Weg auf dem Friedhof machbar. Der VdK lud deshalb jüngst zu einer Begehung, im Ortsbeirat kündigen CDU und Grüne entsprechende Anträge an.

Nieder-Eschbach - Es ist ein enger Weg - zu eng für manchen Rentner. Am Montagnachmittag (21.10.2019) versucht es ein älterer Herr mit Rollator. Doch seine Gehhilfe ist zu breit, misst, wie die meisten der Geräte, 58 Zentimeter. Verzweifelt hebt der Rentner das Gerät auf einer Seite an, verkeilt es dann jedoch zwischen den Grabbegrenzungen beider Seiten. Keine Chance. So geht es nicht.

Reinhard Friese, Inhaber der Pietät Zentgraf in Nieder-Eschbach, bückt sich und misst mit dem Zollstock: "50 Zentimeter ist der Weg breit." Nicht überall auf dem Friedhof in Nieder-Eschbach - meistens sind die Wege mindestens einen Meter breit - aber hier, bei den günstigen "Urnenreihengräbern" sind die Zwischenwege schmal bemessen.

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13 Gräber sind auf dem Friedhof in Nieder-Eschbach bislang in den Urnenreihengräbern in zwei Reihen angeordnet. Es werden mehr werden, denn das Feld ist noch relativ neu. Ein altes wird gerade aufgelöst. Dort ist der Abstand auch nur 50 Zentimeter, sagt Friese. 

Es sei schon immer so eng. Vielleicht sei das der Preis dafür, in einer Grabfläche zu liegen, die als Urnenreihengrab nur 359 Euro für 20 Jahre kostet. Zum Vergleich: Ein Urnenwahlgrab kostet 1272 Euro - für bis zu vier Urnen und für 25 Jahre. So lange es bei den Reihengräbern erst zwei Reihen gibt, hat jedes Grab noch eine Seite, über die es frei zugänglich ist. Wenn sich jedoch eine dritte Reihe anschließt, entfällt in der dann mittleren die frei zugängliche Seite. Das ist unpraktisch, nicht nur für alte Leute.

Zwei Menschen auf dem Weg zum Grab können sich nicht ausweichen. 50 Zentimeter ist fast zu schmal, sich umzudrehen. Wer in die Hocke geht, läuft Gefahr, mit einem Körperteil den Schmuck vom Nachbargrab abzuräumen.

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Stephan Heldmann, Leiter des städtischen Grünflächenamts und damit auch des Friedhofsamts, räumt ein: "Wir werden prüfen, ob wir künftig einen größeren Abstand vorsehen können, wenn wir ein neues Gebiet für Urnenreihengräber ausweisen."

Der Abstand von 50 Zentimetern war auch gewählt, weil man da einmal mit dem Rasenmäher durchfahren könne. Bei breiteren Wegen - etwa 90 Zentimeter oder ein Meter - müsse man zweimal fahren. "Das kann sich auf die Kosten auswirken", so Heldmann.

Das alte Problem des Platzmangels hingegen sei gelöst. Die Änderung der Friedhofskultur mit aktuell rund 80 Prozent Feuerbestattungen brächte Entspannung auf den knappen Friedhofsflächen. Platz wäre da, die Wege bei den Urnenreihengräbern breiter zu machen.

Otto Pühl, der Vorsitzende des VdK Nieder-Eschbach, würde sich freuen. "Wir haben viele ältere Mitglieder. Bestimmt 20 Prozent sind auf den Rollator angewiesen. Und es sind ja diese Leute, die oft auf den Friedhof gehen." Dem stimmte Dr. Renate Sterzel (FDP) zu, die Vorsitzende des städtischen Seniorenbeirates.

Antrag stellen

Die Urnengräber messen einen Meter auf einen Meter, sind direkt nebeneinander angelegt mit besagtem 50-Zentimeter-Weg am Fußende. Diese Maße gelten in der gesamten Stadt und auch eine Änderung würde sämtliche Friedhöfe betreffen, wie Heldmann zu bedenken gibt.

"Wir sind die Stadt, wir können es ändern", forderte Sozialbezirksvorsteherin Beate Lamb (CDU), Mitglied im Ortsbeirat 15 (Nieder-Eschbach), kämpferisch. "Man braucht ja heute nicht mehr so viel Platz wie früher." Die Friedhöfe werden generell kleiner, einst anvisierte zusätzliche Flächen werden gar nicht mehr benötigt. Auch das ist stadtweit zu beobachten.

Für Lamb und auch für Michael Paul (Grüne), Vorsitzender des Regionalrats und ebenfalls im zuständigen Ortsbeirat, ist es klar, dass ihre Fraktionen Anträge stellen, um die Situation auf dem Friedhof zu verbessern.

Von Thomas J. Schmidt

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