Tiefe Risse und abblätternder Putz: Uwe Stein, Vorsitzender des Bürgervereins Niederursel, zeigt die Schäden an der alten Friedhofsmauer. foto: Leonhard Hamerski
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Tiefe Risse und abblätternder Putz: Uwe Stein, Vorsitzender des Bürgervereins Niederursel, zeigt die Schäden an der alten Friedhofsmauer.

Ein Stück Geschichte

Kein Geld für Sanierung: Alte Friedhofsmauer muss fallen

  • Judith Dietermann
    vonJudith Dietermann
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In Niederursel muss eine alte Friedhofsmauer aufgrund von schweren Schäden abgerissen werden. Die Kosten für eine Sanierung sind laut der Stadt Frankfurt zu hoch.

Frankfurt – Insgesamt 220 Meter lang ist die alte, parallel verlaufende Friedhofsmauer, die den alten Kern des Gottesackers am Weißkirchener Weg umschließt und geradezu auf die kleine Backsteinkapelle zuläuft. Sie ist der letzte Hinweis darauf, wie klein die letzte Ruhestätte vieler Niederurseler Familien bei der Einweihung 1851 einmal war. Heute misst der seitdem mehrfach erweiterte Friedhof ein Vielfaches mehr, insgesamt ist er 3,5 Hektar groß und bietet Platz für 1800 Grabstätten.

Doch die etwa 1,60 Meter hohe Mauer ist in einem desolaten Zustand und grundlegend sanierungsbedürftig. Die unter dem Putz liegenden Ziegelsteine sind marode, teilt der Magistrat in einer Stellungnahme mit. Es werde gar vermutet, dass das Fundament nicht mehr trage und deshalb erneuert werden müsste. Denn so sei die Standsicherheit nicht mehr gegeben. Besonders schlecht sei der Zustand auf einem 20 Meter langen Teilstück, das deswegen abgetragen und durch Insektenschutzgehölze ersetzt werden muss, so der Magistrat. Und: Auch für die restlichen 200 Meter seien in absehbarer Zeit entsprechende Maßnahmen erforderlich.

Bürgerverein und CDU-Fraktion setzten sich für Erhalt der Mauer ein

Und das, obwohl der Ortsbeirat 8 (Heddernheim, Niederursel, Nordweststadt) sich deutlich gegen diese Maßnahme ausgesprochen hatte. Einstimmig hatten die Stadtteilpolitiker einen von Joachim Rotberg (CDU) gestellten Antrag verabschiedet, der den Erhalt und die Instandsetzung der Mauer fordert. Denn mit dem Abbruch der Mauer müssten auch die dortigen, teilweise vor mehr als 130 Jahren angelegten Familiengräber verlegt werden. Diese Grabstätten wie auch die alte Mauer seien jedoch Teil der Friedhofskultur, so Rotberg.

Uwe Stein, Vorsitzender des Bürgervereins und Teil der SPD-Fraktion, teilt diese Meinung. "Es handelt sich um Grabsteine alteingesessener Niederurseler Familien, die seit Jahrzehnten ihren Platz an der Mauer haben. Sie könnten durch einen Abriss oder eine Verlegung beschädigt werden", fürchtet er. Hinzu kämen noch die alten Grabplatten, die teils an der Mauer befestigt sind. Diese könnten nicht einfach so auf Gräber gelegt werden.

Magistrat der Stadt Frankfurt: Haushalt für Friedhofsangelegenheit seit Jahren defizitär

Es sind fehlende Gelder, begründet der Magistrat, warum das Fachamt sich letztlich gegen eine Instandsetzung und stattdessen für einen Abriss entschieden habe. Dieser sei möglich, weil die Mauer nicht denkmalgeschützt sei. Für die Instandsetzung des 20 Meter langen Mauerstücks, rechnet der Magistrat vor, würden Kosten in Höhe von 25 000 Euro anfallen. Hochgerechnet auf die insgesamt 220 Meter komme man so auf Sanierungskosten von rund 300 000 Euro. Das habe eine grobe Schätzung ergeben. Der Abriss des Mauerstücks hingegen würde zwischen 4000 und 5000 Euro kosten.

Soll heißen: Mindestens 20 000 Euro würden durch den Verzicht auf eine Sanierung gespart. Da der Haushalt für Friedhofsangelegenheiten seit Jahren defizitär sei, habe man sich für diese Variante entschieden. Zumal nicht davon auszugehen sei, dass sich die finanzielle Situation in absehbarer Zeit verbessere. Um eine Belastung der Friedhofsgebühren so gering wie möglich zu halten, müssten die Ausgaben kritisch beleuchtet werden. Die Sanierung von Friedhofsmauern sei ein erheblicher Kostenfaktor. Auf die Instandsetzung von Außenmauern könne freilich nicht verzichtet werden, so der Magistrat, die innen liegenden Mauern seien, wie auch in Niederursel, jedoch entbehrlich.

Von dieser Maßnahme seien alle der 36 Frankfurter Friedhöfe betroffen. So sei auch in Schwanheim ein nicht sicheres Teilstück einer innen liegenden Mauer entfernt worden. (Judith Dietermann)

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