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Frankfurt: Für die Tomaten wird es ein gutes Jahr

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Von: Stefanie Wehr

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5000 Tomatenpflanzen hat sie schon gesetzt, weitere folgen: "Tomaten-Heidi", die Oberräder Gärtnerin Heidi Jung (59), ist voll in ihrem Element. FOTO: michael faust
5000 Tomatenpflanzen hat sie schon gesetzt, weitere folgen: "Tomaten-Heidi", die Oberräder Gärtnerin Heidi Jung (59), ist voll in ihrem Element. © Michael Faust

Bei Heidi Jung gedeihen viele Sorten in endlich wieder ruhigen Zeiten

Die Sonne scheint aus dem blauen Himmel, die Luft im Gewächshaus fühlt sich tropisch warm an. Das Wetter ist also zurzeit optimal - denn wenn es warm und trocken bleibt, gedeihen die Tomatenpflanzen gut. "Für Tomaten ist es hier drinnen paradiesisch", sagt Heidi Jung. "Aber man weiß nie, was kommt, wir hoffen, dass es so bleibt. Draußen auf dem Feld brauchen wir aber Wasser, es müsste ein paar Tage regnen."

Die Oberräder Gärtnerin - im Stadtteil und darüber hinaus als "Tomaten-Heidi" bekannt - kniet im Gewächshaus und hält eine Palette Tomatenpflänzchen in der Hand. Die Expertin für den aufwendigen Anbau der roten Früchte ist jeden Tag zugange, um ihre Schützlinge in den Boden zu bringen, auf dass sie gut gedeihen. Die Tomaten sind bei Heidi Jung aber nicht nur rot, sondern auch braun, schwarz, lila, orange und grün: 80 verschiedene Sorten wachsen dieses Jahr in den großen Gewächshäusern an der Teller-Siedlung. "Wir sind schon etwas spät dran, die Pflanzen blühen schon", sagt Jung.

Die Leute gehen wieder mehr essen

Dieses Jahr ist alles ein bisschen anders. Heidi Jung musste, nachdem die Veredelung teilweise schiefgelaufen war, noch mal nachlegen. Und es herrscht Platzmangel: In den Gewächshäusern gedeiht derzeit noch viel Salat und Rucola, der erst noch geerntet werden muss, damit Raum für Tomatenpflanzen frei wird. Auch die Roten Beete, Kürbisse und Melonen suchen noch einen Platz.

"Man merkt, dass Corona so gut wie vorbei ist. Die Leute gehen wieder essen und kochen nicht mehr so viel selbst." Ergo wird am Marktstand der Familiengärtnerei Jung den Verkäufern nicht mehr die Ware buchstäblich aus den Händen gerissen wie während der Pandemie. "Die Leute haben gekocht wie die Weltmeister. Wir kamen gar nicht mehr hinterher mit Ernten", erinnert sich Heidi Jung. Die 59-Jährige ist froh, dass sich die Lage etwas normalisiert hat.

Bald surren die Hummeln

Das große Gewächshaus ist jetzt schon fast voll, in langen Reihen ragen die Pflänzchen aus der Plastikplane heraus. "Bald kommen dann die Hummeln zum Bestäuben", kündigt die Gärtnerin. "Hummeln sind friedlicher als Bienen." In jedes Gewächshaus stellt sie ein Volk, das sich an die Arbeit macht. Denn ohne Bestäubung von außen keine Tomaten. Wie das früher ging und teilweise auch heute noch, sieht man noch an den Schnüren, die von oben herabhängen. "Sie werden an den Pflanzen befestigt, und dann wird gerüttelt, damit sich der Blütenstaub verteilt."

Heidi Jung wird noch viel Arbeit in ihre Pflänzchen stecken, die alsbald mannshoch gewachsen sein werden: Junge Triebe an den Stilen müssen "ausgegeizt" werden, damit die Pflanze ihre Energie in die Blüten und schließlich in die Früchte schickt und nicht in neue Triebe.

Ab Juli werden dann die Tomaten reifen und auf dem Markt erhältlich sein. Heidi Jung empfiehlt, einen Korb zum Einkaufen dabeizuhaben. Denn die empfindlichen Tomaten sollten nicht in Tüten oder Taschen verstaut werden. Im Gegensatz zu Supermarkt-Tomaten, die mit Nährlösung hochgezogen werden und deren Schale noch nach drei Wochen fest ist, haben die Oberräder Tomaten Bioqualität und sind weich - und um ein Vielfaches aromatischer als die Massenware. Wenn die Sonne weiter so scheint, werden die Tomaten im Sommer zuckersüß und köstlich.

Der Fortgang des Anbaus dokumentiert Heidi Jung übrigens mit ihrer Schwester Christel - "meiner Medienbeauftragten" - auf Instagram. Dort wird unter dem Stichwort "Tomatenheidi" jede Woche ein neues Video online gestellt. Stefanie Wehr

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