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In Frankfurt ist ein Radfahrer bei einem Unfall ums Leben gekommen. Gesprochen wird jetzt aber vor allem über das Verhalten eines Gaffers. 

Kommentar 

Gaffer, der Leiche fotografiert hat, darf nicht straffrei davonkommen 

Nach dem Unfall in Frankfurt, bei dem ein Radfahrer gestorben ist, herrscht Fassungslosigkeit. Ein Gaffer schoss ein Foto. Ein Warnsignal muss her. Ein Kommentar. 

Frankfurt - Ein Fahrradfahrer wird in Frankfurt beim Abbiegen von einem Lkw-Fahrer übersehen und überrollt - er ist vermutlich sofort tot. Passiert ist dieser schlimme Unfall am hellichten Tag, auf offener Straße. Mehrere Passanten waren Zeugen dieses tragischen Ereignisses. 

Wer den Tod eines Menschen miterleben muss, ist hilflos und steht unter Schock. Ich weiß das aus eigener Erfahrung. Einer der Passanten hat sich in Frankfurt dagegen mit kühler Präzision dazu entschieden, ein Foto von der Leiche zu machen. Nicht irgendeine Aufnahme, er wollte eine gute. Also drückte er aus nächster Nähe auf den Auflöser. Die Polizei kommentiert das mit Fassungslosigkeit. 

Fahrradfahrer stirbt in Frankfurt: Ein Gaffer fotografiert die Leiche

Ich frage mich: Was bringt einen Menschen dazu, sich so zu verhalten? Kann man hier überhaupt noch von einem menschlichen Verhalten sprechen? Wie krankhaft klein muss mein Selbstbewusstsein sein, damit ich den Tod eines Menschen ausnutze, um mich selbst zu inszenieren? Denn etwas anderes kann es ja nicht sein: Das Foto als dokumentarischer Beweis von "Ich war hier. Ich habe etwas außergewöhnliches erlebt. Ich bin besonders". Ein potentielles Statussymbol für Social Media, um das eigene Geltungsbedürfnis zu befriedigen. Und wie das mit einer Sucht so ist: Der Körper verlangt nach immer mehr. Immer extremerem. 

Foto von Leiche gemacht: Welche Konsequenzen drohen dem Gaffer von Frankfurt? 

Es bleibt nur zu hoffen, dass dieses Foto nicht den Weg auf Social Media gefunden hat und der Täter strafrechtlich verfolgt wird. Die Bundesregierung hat im November die Weichen dazu gestellt und beschlossen, dass Menschen, die Unfall-Tote filmen oder fotografieren bis zu zwei Jahren Gefängnis droht. Noch fehlt aber die Zustimmung des Bundestags. Es ist daher gut möglich, dass der Gaffer in Frankfurt ohne harte Bestrafung davonkommt. Das wäre ein schlechtes Signal, denn: Die Tat ist leider längst kein Einzelfall, das Problem ist ein gesamtgesellschaftliches. 

Von Kevin Bien

Unglaublicher Gaffer-Vorfall in Frankfurt: Ein älterer Mann bricht auf offener Straße zusammen, er muss wiederbelebt werden. Der Rettungsdienst rückt an. Gaffer behindern die Retter extrem, die Polizei muss eingreifen.

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