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Höchstens 20 Grad: Vermieter in Frankfurt wollen Temperaturen beschränken

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Von: Florian Dörr

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Die Gaskrise spitzt sich zu. Einige Vermieter wollen auch in Frankfurt die Höchsttemperatur in den Wohnungen absenken. Doch freie Hand haben sie dabei nicht.

Frankfurt/Gießen - Angesichts rasant steigender Gaspreise - auch in Frankfurt - werden in vielen Wohnungsunternehmen Überlegungen angestellt, wie in der kommenden Heizperiode Energie gespart werden kann. Laut FAZ etwa will die ABG Frankfurt Holding in ihren rund 34.000 zentral beheizten Wohnungen die Anlagen zur nächsten Heizperiode so einstellen, dass es tagsüber maximal 20 Grad und nachts höchstens 18 Grad warm wird. Derweil verwaltet die Vonovia rund 27.000 Wohnungen im Rhein-Main-Gebiet, wie das Blatt ebenfalls berichtet. Hier soll die Temperatur nachts auf 17 Grad abgesenkt werden. Tagsüber will der Konzern jedoch keine Einschränkungen machen.

Der Mieterverein in Gießen bewertet anhand einiger Gerichtsurteile die bisherigen Vorschläge, die nicht nur in Frankfurt, sondern in ganz Deutschland heiß diskutiert werden, aus rechtlicher und energetischer Sicht und rät allen Mietern zur Rücklagenbildung für die »sehr hohen Nachzahlungen aus den kommenden Nebenkostenabrechnungen«.

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Der Mieterverein Gießen meint: Mieter sollten mit Blick auf die Gaspreise dringend Rücklagen schaffen. © Marijan Murat/dpa/Symbolbild

Grundsätzlich gilt mietrechtlich: Ist der Vermieter für die Beheizung der Wohnung verantwortlich, muss er mit entsprechender Einstellung der Heizungsanlage dafür sorgen, dass die im Mietvertrag festgelegte Mindesttemperatur gewährleistet wird. Eine vertragliche Temperatur von 18 Grad reicht laut Mieterverein Gießen allerdings nicht aus. Auch eine mietvertragliche Regelung, die festlegt, dass eine Mindesttemperatur von 18 Grad zwischen acht und 21 Uhr als vertragsgemäß gilt, ist unwirksam. Fehlt im Vertrag eine Bestimmung, wird man eine Temperatur von mindestens 20 bis 22 Grad als ausreichend ansehen können.

Gaskrise auch in Frankfurt: Vermieter hat Verpflichtungen - Unterschiede zwischen Sommer und Winter

Der Vermieter ist nach Angaben des Mietervereins Gießen jedoch nicht verpflichtet, rund um die Uhr diese Durchschnittstemperatur zur Verfügung zu stellen. Er erfüllt seine Verpflichtung, wenn er während der üblichen Tagesstunden (7 bis 23 Uhr bzw. 24 Uhr) für eine ausreichende Erwärmung sorgt. Daher sollte eine Wohnung mindestens in der Zeit von 6 bis 24 Uhr die Mindesttemperatur haben. In winterlichen Kältezeiten kann der Vermieter verpflichtet sein, die Heizung durchgehend, also auch nachts, in Betrieb zu halten, wonach zwischen 23 Uhr und 7 Uhr eine Temperatur von 17 Grad einzuhalten ist. 18 Grad müssen nachts trotz Absenkung erreicht werden. Das muss auch für Mietverträge ohne festgesetzte tägliche Beheizungsdauer gelten.

»Wenn nun etwa der Großvermieter Vonovia für seine 250 000 Wohnungen in Deutschland, die mit Gas beheizt werden, eine Nachtabsenkung auf eine Heiztemperatur auf 17 Grad vornehmen will, ist das noch im Rahmen. Es lässt aber außer Acht, dass die Menschen auch ein unterschiedliches Temperaturempfinden haben. Etwa ältere Menschen oder Säuglinge bräuchten es wärmer in den Räumen. Andere wiederum arbeiteten im Schichtdienst oder seien nachtaktiv«, erklärt der Mieterverein Gießen. Zudem habe die stärkere Nachtabsenkung zur Folge, dass es morgens einer größeren Energiemenge an Gas bedürfe, um in den ausgekühlten Räumen wieder die Mindesttemperatur (20 Grad) zu erreichen. Noch dazu steige bei zu niedrigen Raumtemperaturen das Risiko von Schimmelbildung.

Gaspreise steigen auch in Frankfurt: „Rücklagen für Nachzahlungen sollte jeder unbedingt schaffen“

Mieter haben zudem grundsätzlich rund um die Uhr einen Anspruch auf die Versorgung mit Warmwasser. Der Vermieter muss sicherstellen, dass das Wasser eine Mindesttemperatur von 40 bis 50 Grad erreichen kann. Bei niedrigeren Temperaturen liegt ein Mangel vor, der den Mieter zu einer Minderung des Mietzinses berechtigt.

Dringender Rat vom Mietervereinsvorsitzenden Stefan Kaisers: »Mieter tun gut daran, selbst alle Möglichkeiten zum Einsparen von Energie zu nutzen, denn die nächste Rechnung wird vielen die Augen überquellen lassen. Rücklagen für Nachzahlungen sollte jeder unbedingt schaffen.«

Anders als die ABG Frankfurt Holding und die Vonovia haben sich laut FAZ andere Unternehmen noch nicht entschieden, wie sie mit Blick auf die Gaskrise in den von ihnen vermieteten Wohnungen verfahren. So heiße es etwa bei der GWH Wohnungsgesellschaft Hessen, die rund 26.000 Wohnungen in Frankfurt und der Region verwaltet, dass man zwar Gas einsparen wolle. Andererseits müssten auch nachts bestimmte Regeln eingehalten werden. Unter anderem wird auf Schichtarbeiter, pflegebedürftige Personen oder Familien mit Kleinkindern verwiesen. (fd/mö/pm)

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