Der Industriepark Höchst bei Nacht.  Foto: Industriepark
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Der Industriepark Höchst bei Nacht.

Sirenen in Frankfurt

Industriepark Höchst: Ursache für Gas-Alarm geklärt ‒ Beschwerden über verspätete Warnung

  • Holger Vonhof
    vonHolger Vonhof
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Alarm im Industriepark Höchst: Es gab Beschwerden über verspätete Information. Die Warn-Apps wurden erst nach 50 Minuten ausgelöst.

Frankfurt ‒ Ein defektes Rohrleitungsstück im Produktionswerk von Nouryon war für den Austritt von Chlorwasserstoff am Montagabend im Industriepark Höchst verantwortlich. Das betroffene Bauteil wurde inzwischen ausgewechselt. „Wir werden proaktiv alle Rohrleitungsstücke der gleichen Bauart austauschen, um zu verhindern, dass sich so ein Zwischenfall erneut ereignen kann“, kündigt Klaus Kuhlage, Werksleiter in Frankfurt der Nouryon Industrial Chemicals GmbH an.

Gas-Austritt im Industriepark Höchst:

Der Vorfall ereignete sich am Montag (21.12.2020) um 18.56 Uhr. Die Anlage wurde umgehend heruntergefahren und das Leck abgedichtet. Die Werkfeuerwehr von Infraserv konnte die Gaswolke mit Wasserschleiern niederschlagen. Der gegen 19.30 Uhr ausgerufene Sirenenalarm wurde aufgehoben. Bei den gemessenen Konzentrationen des ausgetretenen Stoffes sei gemäß „der vom Umweltbundesamt empfohlenen Bewertungskriterien nicht mit der Beeinträchtigung1 der Gesundheit zu rechnen“ gewesen, teilte Nouryon gestern mit.

Ein Mitarbeiter im Industriepark Höchst erlitt Augenreizungen. Er wurde im Arbeitsmedizinischen Zentrum des Industrieparks Höchst ambulant behandelt und konnte im Anschluss nach Hause gehen. Nouryon-Werksleiter Kuhlage bittet „für die entstandenen Beeinträchtigungen um Entschuldigung.“

Nouryon hieß bis Mitte 2019 noch Akzo Nobel Industrial Chemicals GmbH und ist ein führender Hersteller von Salz, Chlor, Natronlauge, Chlormethanen, Wasseraufbereitungschemikalien und Monochloressigsäure. In zwei Anlagen produziert das Unternehmen am Standort Höchst Chlor, Natronlauge und Folgeprodukte. Zuletzt war Nouryon im August in den Schlagzeilen, als Rationalisierungsprojekte im Industriepark Höchst die Angst vor Arbeitsplatz-Abbau schürten: „Wir in Höchst sind als größter Standort des Unternehmens von allen Maßnahmen betroffen“, so damals der düstere Ausblick des Betriebsratsvorsitzenden Roger Podstatny.

Industriepark Höchst: Kritik über verspätete Informationen

Direkt nach dem Zwischenfall am Montagabend war der Notfall-Einsatzstab des Industrieparkbetreibers Infraserv Höchst zusammengetreten und hatte die Information der Öffentlichkeit koordiniert. Dass nach dem Sirenenalarm fast eine Stunde verging, bis gesicherte Informationen vorlagen, erklärt Infraserv-Sprecher Michael Müller: „Es dauert einen gewissen Zeitraum, bis der Einsatzstab zusammengetreten ist, die Informationen vorliegen und wir diese Informationen veröffentlichen können.“

Generell gelte aber bei Sirenenalarm der übliche Ablaufplan: Ins Haus gehen, Fenster und Türen schließen, Radio einschalten. Infos dazu gebe es im Internet auf www.ihr-nachbar.de sowie am Bürgertelefon unter der (069) 305-40 00. Am Montagabend war allerdings unter dieser Nummer zeitweise kein Durchkommen. Eine Überlastung sei nie auszuschließen, sagt Michael Müller: „Es können nicht alle Gespräche gleichzeitig angenommen werden.“

Alarm nach Gas-Austritt im Industriepark Höchst: Warnsignale sind vielen unbekannt

Wer die Diskussionen in den Sozialen Medien verfolgt hat, musste feststellen, dass die Bedeutung der Sirenensignale sowie die erforderlichen Reaktionen immer noch weiten Teilen der Bevölkerung unbekannt sind. Alarmiert wurde mit einem Heulton; erklingt der als erstes Signal, liegt ein Ernstfall und keine Übung vor. Entwarnt wurde mit einem einminütigen Dauerton. Bei den Sirenentests, die im Frankfurter Westen und Osten halbjährlich stattfinden, erklingt zuerst der Dauerton als Hinweis, dass es kein Alarm, sondern ein Test ist. Bei Vorfällen im Industriepark Höchst löst die Werkfeuerwehr des Industrieparks aus.

Auf Alarmierungen über Warn-Apps hat die Werkfeuerwehr keinen Einfluss. Diese App-Alarme sind am Montag um 20.21 Uhr ausgelöst worden - erst 50 Minuten nach dem Sirenenalarm. (Holger Vonhof)

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