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Im Moment sieht es so aus, als würde es im Gasthaus "Zur Sonne" in der oberen Berger Straße weitergehen. Es gibt einen neuen Betreiber, der zunächst renovieren und dann den Betrieb weiterführen will.

Stammgäste skeptisch

Gasthaus Zur Sonne - Hat das Frankfurter Traditionslokal eine Zukunft?

Am 29. Juni hat das Gasthaus Zur Sonne zum letzten Mal geöffnet. Vorläufig. Es gibt einen neuen Betreiber, der den Betrieb fortsetzen will.

Frankfurt - Das Gasthaus Zur Sonne in der oberen Berger Straße bekommt einen neuen Betreiber. Das Denkmalamt hat Gespräche geführt, wie das historische Ensemble an der Berger Straße umgestaltet werden kann, sagt der stellvertretende Leiter Stefan Timpe. Demnach soll es auch künftig eine Gastronomie geben. Die Angestellten wissen davon offenbar nichts. Eine Kellnerin schüttelt den Kopf. "Uns wurde nur gesagt, dass am Samstag der letzte Tag ist. Wir wissen nicht, ob und wie und mit wem es weitergeht."

Gerüchte kursierten schon länger im Stadtteil. "Das soll einer aus München gekauft habe", sagt Dietmar J., der seit vielen Jahren Stammgast ist. "Irgendwie sagt keiner was Richtiges. Ich kann nur hoffen, dass wirklich nur renoviert wird und sich keiner einfallen lässt, das Grundstück zuzubauen."

Gasthaus Zur Sonne: Gespräche geführt

Der Bauaufsicht liegen bislang noch keine offiziellen Anträge vor, sagt der stellvertretende Amtsleiter Markus Radermacher. Weder für einen Umbau, eine Änderung oder gar einen Abriss. Es seien in den vergangenen Wochen aber Gespräche mit Interessenten geführt worden. Die Eigentümerfamilie wollte das Lokal aus Altersgründen nicht mehr weiterführen. Für eine Stellungnahme waren Gustav Adolf und Ulrike Lorz nicht zu erreichen.

Gasthaus Zur Sonne: Noch im Internet

Dietmar J. wundert sich allerdings, dass der Komplex immer noch auf Immoscout steht, "wenn doch verkauft wurde." Seit mehr als einem Jahr lassen die Eigentümer die Gaststätte für 2,5 Millionen Euro über einen Makler im Internet vermarkten - auch gestern war sie dort noch zu finden.

Im Landesamt für Denkmalpflege ist die 1768 erbaute Sonne als Einzelkulturdenkmal vermerkt - Änderungen an dem barocken Fachwerkhaus müssten mit den Behörden abgestimmt werden. Denkmalschützer Timpe sagt, er sei "erleichtert", dass die neuen Betreiber eine Gaststätte im Gebäude planen. Das sei "ein Garant dafür, dass nicht so große Eingriffe" anstünden. Kontinuität sei die beste Nutzung für ein derartiges Gebäude.

Vor einem guten Jahr sorgte der geplante Verkauf für Gesprächsstoff in Bornheim. Mit einer Online-Petition wurden mehr als 5400 Stimmen für den Erhalt gesammelt und an Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) übergeben. Die Initiative "InterEsse" hatte zeitgleich ein Crowdfunding ins Leben gerufen, um die Sonne kaufen zu können. Roland Lüpold von der Initiative ist überrascht vom jetzigen Verkauf. "Ich habe auch Gerüchte gehört, da soll einer aus Bayern zugeschlagen haben. Keine Ahnung, was jetzt wird. Wir hätten so gern im Biergarten Lesungen, Unplugged Konzerte und Raum für alle geboten", bedauert er. Die geplante Kombination aus Gastronomie, Historie und Kultur hätte sich dort wunderbar verwirklichen lassen. Das Crowdfunding war allerdings nicht sehr erfolgreich. Beim aufgerufenen Kaufpreis seien viele Geldbörsen verschlossen geblieben.

Gasthaus Zur Sonne: Eines der letzten Kulturgüter im Lustigen Dorf

Auch der Stadtteilhistoriker Bernhard Ochs hatte sich für den Erhalt der Sonne ausgesprochen. Das Gasthaus sei eines der letzten Kulturgüter im Lustigen Dorf. Es gehöre zu den "erhaltenswertesten Gebäuden im Stadtteil" und genieße "höchste Denkmalpriorität".

Stammgast Dietmar J. will der ganzen Sache allerdings nicht so ganz trauen. Er ist skeptisch. "Wo soll man denn jetzt im Sommer hin? Das ist doch total blöd. Da nimmt man doch die Saison mit." Er hofft aber trotzdem, dass nur eine neue Küche eingebaut wird und dann schnell wiedereröffnet wird. "Man wäre doch blöd, das Sommergeschäft jetzt sausen zu lassen. Das ist 'ne reine Goldgrube hier", sagt er.

In den sozialen Medien wird derzeit spekuliert, dass die Sonne verkauft worden ist und bereits Ende des Monats schließt. Jemand aus München sei der neue Eigentümer. Ob dann vielleicht ein Hofbräuhaus folge, wird ironisch gefragt.

VON BORIS SCHLEPPER UND SABINE SCHRAMEK

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