Darf nun acht von 14 Tischen besetzen: Marco Cossar, Inhaber des Ristorante Bellavista an der Friedberger Landstraße.
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Darf nun acht von 14 Tischen besetzen: Marco Cossar, Inhaber des Ristorante Bellavista an der Friedberger Landstraße.

Corona-Krise

Frankfurt: Gastronomen begrüßen Abschaffung der 5-Quadratmeter-Regel

Die Wirte in Frankfurt sind erleichtert über Lockerung der Sicherheitsvorschriften - doch es bleiben noch viele Sorgen

Frankfurt - Unter vielen Wirten und Gastronomen in Frankfurt herrschte erst einmal etwas Erleichterung. Als der hessische CDU-Generalsekretär Pentz am Dienstagnachmittag auf Facebook bekanntgab, dass die sogenannte "5-Quadratmeter-Regel" abgeschafft wird, atmete die von der Corona-Krise gebeutelte Branche auf. Doch eine Entwarnung ist das nicht: Die Lage vieler Lokale ist nach wie vor schwierig, viele sehen ihre Existenz bedroht.

Eine Person pro fünf Quadratmeter Nutzfläche pro Lokal - so sah es die hessische Verordnung zur Wiedereröffnung der Gaststätten im Mai vor. Diese Regel, die die Zahl der Gäste abhängig von der Quadratmeterzahl der Räume limitierte, gab es sonst nirgends in Deutschland. Sie griff unabhängig davon, ob zwei Gäste sowieso in einem Haushalt leben oder nicht. Pro fünf Quadratmeter durfte nur eine Person ins Lokal. Dazu die allgemeine Abstandsregel von 1,5 Metern.

Noch kein Grund für Jubelschreie

Viele Wirte stellte das vor große Probleme, beispielsweise die Brüder Sisko, die ihre "Westbar" in Höchst gar nicht erst wieder öffneten. Für sie lohnte es sich nach eigenen Aussagen gar nicht, die Türen ihrer Sportsbar wieder für die Gäste zu öffnen. "Das ist ein Schritt in die richtige Richtung", sagt Bruno Sisko zu den neuen Entwicklungen. Aber in Jubelschreie bricht er nicht aus. "Ich freue mich darauf, wieder aufmachen zu können, auf der anderen Seite weiß ich nicht, was das tatsächlich für uns bedeutet. Ab Freitag geht es bei den Siskos wieder los. Wir wollen mit Spaß und Freude öffnen. Und dann muss man eben gucken, wie man durchkommt."

Ähnlich sieht das Marco Cossari, der das Bellavista an der Friedberger Landstraße betreibt. "Das bringt uns zwei, drei Tische mehr als vorher", sagt er über den Wegfall der Regel. Er darf nun acht von vierzehn Tischen besetzen. Ein bisschen Aufschwung bringe das. "Es ist immerhin etwas mehr Kundschaft, als man vorher hatte." Geholfen habe in den letzten Wochen das To-Go-Geschäft, was er auch weiterhin in seinem Laden beibehalten will.

"Der hessische Alleingang war eine komische Geschichte", sagt Louie Hölzinger, der Wirt der Mainlust in Schwanheim. Tatsächlich gab es die Regelung mit den fünf Quadratmetern nur hier, wo sie für gehörig Unmut sorgte. "Jetzt kann man anders planen und die Leute vernünftig zusammensetzen."

Zwei Haushalte dürfen in der Öffentlichkeit zusammenkommen, damit auch in den Restaurants. Doch die Krise sei noch nicht vorbei. "Unser Umsatz ist bei weitem noch nicht der Alte", sagt Hölzinger. "Jeder Betrieb muss jetzt kalkulieren, wie es weitergeht." Die Gäste seien alle sehr diszipliniert, viele trauten sich aber offensichtlich "noch nicht so richtig". "Sobald das Wetter schlechter wird, gehen die Reservierungen zurück", sagt Hölzinger. "Die Zeiten, wo es rappelvoll war, sind erst mal vorbei."

Insolvenz-Welle befürchtet

Beim Branchenverband Dehoga freut man sich über den Fall der 5-Quadratmeter-Regel, wegen der man eine "Vielzahl an Gesprächen mit dem hessischen Wirtschaftsministerium" geführt habe, sagt Julius Wagner, Geschäftsführer von Dehoga Hessen. "1,5 Meter Abstand halten ist völlig ausreichend aus unserer Sicht. Diese fünf Quadratmeter sind eine echte Fessel für das Gastgewerbe." Trotzdem brauche die Branche Hilfe. "Wenn nicht schnell finanzielle Hilfen kommen, werden wir spätestens im September eine Welle an Insolvenzen im Gastgewerbe haben." Die Betriebe haben weiterhin nur verminderte Kapazitäten, viele seien überschuldet, weil zwei Monate ohne Umsatz hinter ihnen liegen. Bedenken sollte man auch, dass Clubs und Discotheken weiterhin geschlossen seien. "In so schwierigen Zeiten sind kleine Erfolgsmeldungen zwar ganz groß, aber alle bleiben realistisch. Viele stehen vor dem Scherbenhaufen der eigenen Existenz." agr / es

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