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Das Geisterhaus am Rübenacker, auf den diese Fenster blicken - wären nicht die Rollläden geschlossen. Seit zwölf Jahren. foto: unger

„Es ist ein Skandal“

Frankfurt: Trotz Wohnungsnot lässt Eigentümerin 78 Wohnungen leer stehen

  • Thomas J. Schmidt
    vonThomas J. Schmidt
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Ein leerstehendes Mehrfamilienhaus in Frankfurt sorgt für Aufregung. Die Eigentümerin lässt es seit Jahren leer stehen - trotz großer Wohnungsnot in der Stadt.

  • Mehrfamilienhaus in Frankfurt steht seit über einem Jahrzehnt leer
  • SPD appelliert nun an die Eigentümerin: „Es ist ein Skandal!“
  • Ingesamt sind aktuell in Frankfurt 1700 Wohnungen ungenutzt.

Frankfurt – Gut eine Woche nachdem diese Zeitung erstmals über das leer stehende Geisterhaus an der Weimarer Straße in Frankfurt berichtet hatte, hat sich auch der SPD-Stadtverordnete Sieghard Pawlik des Themas angenommen und sogar zu einer Pressekonferenz vor dem Gebäudekomplex direkt am Rübenacker eingeladen. "Es ist ein Skandal", sagte er. "Hier stehen insgesamt 78 Wohnungen in sieben Häusern leer, und nebenan, wo jetzt noch Landwirtschaft betrieben wird, soll der Boden versiegelt werden für ein neues Baugebiet."

Trotz Wohnungsnot in Frankfurt: Karte zeigt 200 ungenutzte Häuser mit 1700 Wohnungen

Der Leerstand in Nieder-Eschbach sei der eklatanteste, der ihm bislang vorgekommen sei. Und Pawlik, der Geschäftsführer des Mietervereins Höchster Wohnen, ist schon seit einigen Monaten dabei, Leerstände zu sammeln - in ganz Frankfurt. Grund für seinen Eifer: Seitdem das Wohnraumzweckentfremdungsverbot 2004 von der Landesregierung außer Kraft gesetzt wurde, hat die Stadt keine rechtliche Möglichkeit mehr, die Leerstände von Wohnungen zu bekämpfen. Und sie habe nicht einmal mehr die Möglichkeit, die Leerstände auch nur zu erfassen.

Deshalb versucht Pawlik, mithilfe vieler Bürger, die ihm Hinweise geben, eine Karte zu erstellen, in der zumindest die Informationen über die Leerstände dokumentiert werden. Längst überfällig, wie Pawlik meint, in einer Stadt wie Frankfurt, die einen eklatanten Wohnraummangel beklagt. In Nieder-Eschbach könnte man etwas Abhilfe schaffen. "In sieben Häusern stehen 78 Wohnungen und Appartements leer. Und das seit zwölf Jahren", empört sich Pawlik. "Es gibt keine Möglichkeit, die Eigentümerin zu zwingen, die Häuser dem Wohnungsmarkt zur Verfügung zu stellen."

Mieten und Wohnen ist in Frankfurt nicht einfach: Aber viele Wohnungen stehen leer

Dabei habe das Bundesverfassungsgericht entschieden, dass der Schutz des Eigentums in einer Relation zur Sozialverpflichtung des Eigentums stehe, mithin der Satz "Eigentum verpflichtet" in der Verfassung ernst genommen werden müsse. Das Wohnraumzweckentfremdungsverbot, glaubt Pawlik, wäre ein Hebel, den man hier ansetzen könnte - wenn es dieses Verbot denn in Hessen noch gäbe. "Ich bin sehr enttäuscht, nicht von der CDU, aber vom grünen Koalitionspartner Tarek Al-Wazir", so Pawlik.

Mehrfamilienhaus in Frankfurt steht seit über einem Jahrzehnt leer

Er hat in der Zwischenzeit Meldungen erhalten von rund 200 Leerstands-Häusern in Frankfurt mit zusammen 1700 Wohnungen. "Das ist noch lange nicht alles. Ich schätze die Zahl der unvermieteten Wohnungen auf 10 000."

Die Wohnungsnot in Frankfurt ist groß: Mietschützer schlagen Alarm

10 000 Wohnungen - das entspräche etwa der Zahl neu fertiggestellter Wohnungen in zwei Jahren. Stimmte diese Zahl des Mieterschützers und wäre es zudem möglich, diese Wohnungen dem Markt zur Verfügung zu stellen, so wäre dies eine deutlich spürbare Entlastung für alle, die eine bezahlbare Wohnung suchen. "Das Land könnte binnen drei Monaten das alte Gesetz wieder in Kraft setzen, tut es aber nicht", klagt Pawlik.

Er stellt noch eine andere Rechnung auf: Wenn der Bau von einem Quadratmeter Wohnraum lediglich 2000 Euro kostete und die 10 000 Leerstands-Wohnungen im Schnitt nur 60 Quadratmeter groß sind, dann wären es 600 000 Quadratmeter, die neu zu errichten 1,2 Milliarden Euro kosten würde. "Diese 1,2 Milliarden Euro wären doch in Wärmedämmung und Solaranlagen viel sinnvoller und klimafreundlicher investiert!", findet Pawlik und appelliert noch einmal an die Grünen: "Sie können und müssen endlich handeln!"

Mieten und Wohnen in Frankfurt ist nicht einfach: Karte zeigt Leerstand

Pawlik hat eigens Stecknadeln gekauft, um bei der Pressekonferenz eine mit 200 Nadeln gespickte Frankfurt-Karte zu zeigen. Für weitere Hinweise auf Leerstände ist er dankbar und fordert alle Frankfurter auf, ihn zu informieren. Und zwar unter: Mieterbund Höchster Wohnen, Bolongarostraße 166, Telefon (069) 30 03 48 90, Fax 30 03 49 61, E-Mail: mieterbund-hoechster-wohnen@gmx.de. (Thomas J. Schmidt)

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