Das Projekt Josefstadt in Frankfurt droht zu scheitern. 
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Das Projekt Josefstadt in Frankfurt droht zu scheitern. 

Wohnungen für 30.000 Menschen 

Wegen Grünzügen: Geplanter Stadtteil Josefstadt droht, zu scheitern 

Wohnungen für rund 30 000 Menschen sollen im Frankfurter Nordwesten gebaut werden - so sehen es die ehrgeizigen Pläne der Stadt vor. Doch das Projekt kann in dieser Dimension wohl nicht realisiert werden.

Frankfurt - Die Chancen für die Josefstadt, wie sie Frankfurt gerne realisieren würde, haben sich deutlich verschlechtert. Für die vorentscheidende Sitzung der Regionalversammlung am Freitag, 13. Dezember, hat sich die CDU/SPD-Koalition mit den Grünen auf einen gemeinsamen Antrag zur künftigen Entwicklung der Region verständigt. Darin heißt es unter anderem, dass Eingriffe in die bestehenden Grünzüge "grundsätzlich ausgeschlossen" sind. Ausnahmen seien zwar möglich, allerdings nur, wenn unter anderem die "polyzentrische Funktion" der Grünzüge dauerhaft erhalten bleibt. Das heißt, es soll verhindert werden, dass Frankfurt mit den Umlandgemeinden zusammenwächst.

Frankfurt: Josefstadt steht auf der Kippe

Wird der Antrag kommende Woche in der Regionalversammlung verabschiedet, wovon auszugehen ist, so wäre das mit hoher Wahrscheinlichkeit das Aus für die Josefstadt in ihrer bislang vorgesehenen Dimension. Das von der Römer-Koalition geplante neue Stadtgebiet im Frankfurter Nordwesten, in dem nach den Vorstellungen der Stadt einmal rund 30 000 Menschen leben sollen, könnte sich dann nicht bis an die Grenzen der Taunusstädte Oberursel und Steinbach erstrecken. Eine Siedlungsfläche westlich der A 5 wäre nicht mehr realistisch. "Frankfurt ist gut beraten, den Antrag genau zu lesen und seine Planung daran auszurichten", sagte CDU-Fraktionsgeschäftsführer Bernd Röttger.

Für den Bereich östlich der Autobahn, der an das Frankfurter Stadtgebiet angrenzt, hätte ein entsprechender Beschluss ebenfalls Auswirkungen. Dort ist eine von drei vorgesehenen Einzelflächen aktuell Teil des Grünzuges und müsste erst als Wohnbauland ausgewiesen werden. Zwingende Voraussetzung dafür ist eine Kompensation des Grüns an anderer Stelle. Auch das ist im gemeinsamen Antrag von CDU, SPD und Grünen als allgemeine Forderung für die künftige Entwicklung der Region festgehalten. Bei Eingriffen in den Grünzug müsse ein Ausgleich "an anderer Stelle im gleichen Naturraum" erfolgen. Theoretisch könnte dazu sogar eine Fläche westlich der Autobahn aufgewertet werden. Im Kern sieht der Antrag vor, dass im nächsten Schritt vom Regierungspräsidium ein aktualisiertes Plankonzept erarbeitet wird, über das die Regionalversammlung dann beschließen wird.

Josefstadt Frankfurt: Gemeinsamer Antrag von CDU, SPD und Grüne

Damit aber ist offenbar das sofortige grundlegende Aus für den Stadtteil vom Tisch, wie ihn die regionale CDU-Fraktion zuletzt noch gefordert hatte. Wohl auch deshalb wertet Frankfurts Planungsdezernent Mike Josef (SPD) den neuen Antrag als ersten Schritt in Richtung eines Kompromisses: "Es freut mich, dass man sich in der Region konstruktiv mit unseren Vorschlägen beschäftigt und nicht pauschal Nein gesagt wird." Das sei aufgrund des übergeordneten Problems wichtig: "Die Wohnungsnot ist eine Herausforderung, die wir in der Region nur gemeinsam bewältigen können."

Josef kündigt an, er werde weiter "für Mehrheiten werben", damit im Nordwesten der Stadt neue Quartiere entstehen könnten. Der Antrag sei "ein wichtiger Schritt", findet Josef, weil er weiterhin Lösungen ermögliche. Der Planungsdezernent hatte bereits Anfang November bei der Vorstellung der Planung der Stadt zugestanden, dass er sich eine unterschiedlich schnelle Entwicklung vorstellen könne: Östlich der A5 möchte Frankfurt gern zügig bauen, westlich aber könne es aufgeschoben werden. Ob dort überhaupt gebaut werde, darüber könne erst in einigen Jahren je nach Wohnraumbedarf in der Region entschieden werden.

Wie die Abstimmung über den gemeinsamen Antrag von CDU, SPD und Grünen ausgehen wird, dürfte sich schon heute zeigen. In der Sitzung des Haupt- und Planungsausschusses, die der Versammlung des Regionalparlaments vorgeschaltet ist, steht das Thema unter Punkt drei auf der Tagesordnung. mak/dpg

Mit einer mehr als drei Kilometer langen Menschenkette hat einüberparteiliches Bündnis gegen den neuen Stadtteil Josefstadt im Frankfurter Norden demonstriert.

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