Aus dem Kronberger Haus, dessen Bausubstanz als marode beschrieben wird, soll das Porzellanmuseum ausziehen.
+
Aus dem Kronberger Haus in Frankfurt-Höchst, dessen Bausubstanz als marode beschrieben wird, soll das Porzellanmuseum ausziehen.

Pläne zur Museumsfusion

Gerüchteküche um Porzellanmuseum  brodelt: Stadt soll aufklären

Die Diskussion über die Zukunft des Porzellanmuseums beschäftigt die Ortspolitiker in Frankfurt. Die CDU hat viele Fragen - und nicht nur die.

  • Das Porzellanmuseum Frankfurt soll aus dem Kronberger Haus ausziehen
  • Museumszusammenlegung im Bolongaropalast möglich
  • CDU hat viele Fragen zum Umzug

Frankfurt - Hält die Statik des geplanten Bürgermuseums im Bolongaropalast? Wie und wie ausführlich wird die Porzellansammlung repräsentiert sein? Was wird aus dem Kronberger Haus? Diese und viele weitere Fragen zur Zukunft des Porzellanmuseums brachte die CDU mit einem Antrag in den für den Frankfurter Westen zuständigen Ortsbeirat 6 ein - sie könnten nun schneller als gedacht beantwortet werden.

Es schepperte und klirrte zwar nicht, ging aber erwartet lebhaft zu, als der Ortsbeirat im Saal der Evangelisch-Freikirchlichen Gemeinde in der Bolongarostraße über die zukünftige Zusammenlegung vom Porzellanmuseum mit dem geplanten Bürgermuseum im Bolongaropalast diskutierte. Gerade erst hatten die Vorstände des Kultur- und Museumsvereins Bolongaro und des Vereins für Geschichte und Altertumskunde Höchst den Ortsbeirat gebeten, keine Beschlüsse zu fassen, die eine Museumszusammenlegung "verhindern oder auch nur verzögern".

Porzellanmuseum Frankfurt: CDU hat Fragen und will Antworten

Dagegen verwahrte sich Ortsvorsteherin und CDU-Fraktionsmitglied Susanne Serke gleich zu Beginn, in der Bürgerfragestunde, entschieden: "Wir haben nur Fragen, die ohnehin im Vorfeld beantwortet werden müssen", sagte sie. Und: "Ich kann doch keinen Umzug ohne Konzept planen."

Markus Grossbach, Vorsitzender des Kultur- und Museumsvereins Bolongaro, stellte klar, dass mit der Sorge um eine Verzögerung nicht der Bauablauf gemeint sei. Bedenken habe man vielmehr, weil am Monatsende der Haushaltsausschuss der Stadtverordneten über die Bewilligung des Geldes für die Verlegung des Porzellanmuseums entscheiden werde.

Bei einem negativen Signal aus dem Ortsbeirat könnte diese Entscheidung erst mal vertagt werden und so die weiteren Planungen für das gemeinsame Museum "nicht in die Gänge kommen", befürchtet Grossbach. Dabei seien die bis zum angekündigten Abschluss der Sanierungsarbeiten des Palastes noch verbleibenden zwei Jahre schon knapp genug für die Planungen. Auch entspreche nach Grossbachs Meinung "das, was jetzt geplant ist, im Groben dem, was die Bürgerschaft nach langjährigen Beratungen als Ergebnis der Planungswerkstatt erarbeitet hat - und das sehen wir als Erfolg für Höchst." Ähnlich äußerte sich auch Jürgen Rothländer, 2. Vorsitzender des Vereins für Geschichte und Altertumskunde Höchst.

Porzellanmuseum Frankfurt: Nicht nur die CDU hat Fragen 

Zwar sei, so konterte Susanne Serke, ein Konzept unter Bürgerbeteiligung erstellt worden. Damals sei jedoch von einem Umzug des Porzellanmuseums noch keine Rede gewesen. Davon habe sie erstmals am 4. Juni vergangenen Jahres durch eine Pressekonferenz des OB erfahren. Außerdem bezweifle sie, dass der Ortsbeirat die Macht habe, die Aufstellung von städtischen Haushaltsmitteln aufzuhalten. Auch kämen die von der CDU gestellten Fragen keinesfalls einer Ablehnung gleich, und außerdem: "Wenn die Fragen doch bereits vorliegen, sollte es für den Magistrat doch kein Problem sein, sie uns auch zu beantworten".

Verwaltungsstellenleiter Henning Brandt unterstützt die Pläne des OB, es dem Museum im Bolongaropalast anzugliedern. Fotos: Reuß

Dass die CDU mit ihrem Fragebedarf nicht alleine steht, machte auch Künstlerin Tanja Huckenbeck, Mitglied im Höchster Geschichtsverein, deutlich. Und wie die Christdemokraten liegt auch ihr die Zukunft des jetzigen Standorts am Herzen: Statt eine Sanierung des maroden Kronberger Hauses für 1,3 Millionen Euro anzugehen, werde ein Umzug in den Bolongaropalast zu deutlich höheren Kosten von 3,1 Millionen Euro bewilligt. "Ich weiß nicht, wie das Geld durch irgendwelche Synergieeffekte wieder reingeholt werden soll." Sie mutmaße, dass es der Stadt vielleicht gar nicht so sehr um das Porzellanmuseum selbst gehe als vielmehr um die Immobilie des Kronberger Hauses. In dieser Vermutung sehe sie sich auch durch Gerüchte über einen Investor bestätigt, den es angeblich bereits für das Kronberger Haus gebe. Das erkläre auch den Druck, "der auf einmal auf den Ortsbeirat ausgeübt" werde.

Porzellanmuseum Frankfurt: Jan Gerchow soll die Pläne erklären

Derlei Vermutungen stellte sich der Höchster Verwaltungsstellenleiter Henning Brandt energisch entgegen: Solche Gerüchte hätten ähnlich wenig Substanz wie jene über den angeblichen Verkauf des Höchster Fährhauses. Die kursierten gerade in den sozialen Netzwerken, hätten sich aber als Produkt eines Scherzboldes erwiesen. Brandt konnte dem Ortsbeirat stattdessen Konkretes anbieten: Jan Gerchow, Direktor des Historischen Museums Frankfurt, werde bei der nächsten oder übernächsten Sitzung dem Ortsbeirat die Fragen der CDU - mit Ausnahme jenen nach der Zukunft des Kronberger Hauses - beantworten, falls gewünscht.

Das fand allgemeinen Zuspruch im Gremium. So blieben die nackten Fragen der CDU; im Antrag wurden jene Formulierungen entfernt, die Zweifel am Gesamtvorhaben ausdrückten - und die Bitte an den Magistrat eingefügt, das Konzept für die Museumsfusion auf der nächsten Ortsbeiratssitzung am Dienstag, 18. Februar, vorzustellen. 

Michael Forst

Der Hauptbahnhof Frankfurt ist ein Ort der Gegensätze. Das Bahnhofsviertel ist berüchtigt für Drogen, Kriminalität und Prostitution.

Hunderttausende Strafzettel in Frankfurt sind rechtswidrig. Das hat das Oberlandesgericht Frankfurt entschieden. Viele Verkehrsteilnehmer, die in den letzten Jahren einen Strafzettel wegen Falschparkens bekommen haben, dürften sich darüber gefreut haben – verbunden mit der Hoffnung, ihr Geld zurück zu bekommen. Doch so einfach ist es dann doch nicht.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare