1. Startseite
  2. Frankfurt

Frankfurts ältestes Geschäft feiert Jubiläum - Inzwischen in „MyZeil“ zu finden

Erstellt: Aktualisiert:

Kommentare

Um 1910 - die Inhaber-Familie und ihre Mitarbeiter haben sich vor dem Eingang auf der Zeil in Stellung gebracht. FOTO: privat
Um 1910 - die Inhaber-Familie und ihre Mitarbeiter haben sich vor dem Eingang auf der Zeil in Stellung gebracht. © Privat

Gegründet wurde es 1796. Inzwischen gilt es als ältestes Geschäft in Frankfurt. Seit zwei Jahren ist es im Einkaufszentrum „MyZeil“ zu finden.

Frankfurt - Bei der Jahreszahl 1796 mögen Geschichtsinteressierte vielleicht an Napoleons Italienfeldzug denken, der ihn bei den Franzosen populär machte. Oder daran, dass dem britischen Landarzt Edward Jenner in jenem Jahr erstmals die erfolgreiche Impfung eines Menschen gegen Pocken gelang.

Philipp Keller jedoch dürfte ein anderes Ereignis einfallen: die Gründung einer kleinen Spenglerei in der Borngasse in Frankfurt, die es heute nicht mehr gibt. Aus diesem Handwerksbetrieb ging nämlich das Unternehmen hervor, das er heute in siebter Generation leitet: das Frankfurter Traditionsgeschäft Lorey, das mit seinen Haushaltswaren, Heimtextilien und Wohnaccessoires seit knapp zwei Jahren im Einkaufszentrum "MyZeil" zu finden ist. Mit seiner 226-jährigen Firmengeschichte ist es eines der ältesten Geschäfte der Stadt.

Historische Fotos im Frankfurter "MyZeil"

Eigentlich sollte schon im vergangenen Jahr, zum 225-jährigen Bestehen, gefeiert werden, was die Corona-Pandemie jedoch verhinderte. So holt man die Jubiläumswochen eben jetzt nach, unter dem Motto "225 + 1". Zwischen 23. Juni und 9. Juli sind dazu mehrere Vorführungen und Aktivitäten geplant.

Vielleicht wirft mancher Kunde dann auch einen Blick auf die historischen Fotos an den Wänden der Ladenräume. Etwa auf jenes Schwarz-Weiß-Bild, das um das Jahr 1910 entstanden sein dürfte und das den Eingang des damaligen Geschäfts auf der Zeil zeigt. In jenen Jahren leitete Arnold Keller, Philipp Kellers Urgroßvater, die Firma, die er 1905 von seinem Schwiegervater Johann-Balthasar Lorey übernommen hatte. Dessen Großonkel wiederum hatte gut 100 Jahre zuvor jene Spenglerei in der Borngasse ins Leben gerufen, die sich ab 1837 auf hochwertige Haushaltswaren und Vogelkäfige spezialisierte. Und die in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts einen ersten Boom erlebte - als die ersten Gas- und Wasserleitungsnetze verlegt wurden. Die Folge: Immer mehr Frankfurter wollten Badewannen und Herde haben, sodass die Firma schnell expandieren konnte.

Ein Weg, den Arnold Keller fortsetzte. Unter seiner Leitung heimste das Unternehmen auf Kochkunstmessen mehrere Auszeichnungen ein, stattete Hotels, Restaurants und Casinos aus. Ein Verkaufsschlager waren damals die Grude-Herde von Lorey, die sogar nach Jerusalem und in die Vereinigten Staaten exportiert wurden.

Frankfurts ältestes Geschäft: Goldene Jahre und der digitale Umbau

Nach Jahrzehnten in der Borngasse war die Firma inzwischen an die Zeil übersiedelt, in Räume neben der repräsentativen Hauptpost. Das hing mit einer städteplanerischen Maßnahme zusammen: dem Bau der Braubachstraße in den Jahren 1904 bis 1906, verbunden mit einem Straßendurchbruch, dem mehr als 100 Altstadtbauten zum Opfer fielen - auch das ursprüngliche Lorey-Quartier. Bereits 1911 folgte ein erneuter Umzug: Arnold Keller hatte nämlich ein Haus an der Schillerstraße gekauft und nutzte den neuen Firmensitz auch gleich für eine Erweiterung des Sortiments durch Porzellan, Glas, Kristall, Kunstgewerbe und Silber.

Mehr als 100 Jahre residierte das Unternehmen dort, obwohl Luftangriffe den Bau im März 1944 in Schutt und Asche legten. Aber schon zwei Jahre später folgte der Wiederaufbau. Erst zögerlich, ab der Währungsreform 1948 jedoch in rasantem Tempo - das Wirtschaftswunder bahnt sich an. "Der Bedarf nach dem Krieg war sehr groß, es war ja alles kaputt", sagt Philipp Keller. "Goldene Zeiten" seien das für die Firma gewesen, in denen die Kunden sogar Schlange standen vor dem Geschäft. Dank mehrerer Zukäufe und Filialgründungen wuchs das Unternehmen weiter. Bis der Beginn des digitalen Zeitalters vor gut zwei Jahrzehnten abermals für einen Umbruch sorgte. Die Filialen wurden verkauft, stattdessen konzentrierte man sich lieber auf das Stammhaus in der Schillerstraße mit seinen fünf Etagen.

Mittlerweile gibts „nur Lieblingsstücke“ bei Lorey in Frankfurter „MyZeil“

Viel Platz: für Philipp Keller, der die Firma 2014 von seinem Vater Jochen übernommen hatte, war es irgendwann zu viel und nicht mehr zeitgemäß. So entschied er sich schließlich für den Umzug ins "My Zeil", verbunden mit kleineren Verkaufsflächen und einem Konzeptwechsel. Unter dem Motto "nur Lieblingsstücke" konzentriert man sich auf die nützlichsten und besten Produkte. Was nicht nur Kunden gefällt, sondern auch Experten. Denn im vergangenen Jahr wurde Lorey mit einer besonderen Auszeichnung belohnt: dem "Global Innovation Awards" (gia), der als deutscher "Handels-Oscar" gilt.

Auch interessant

Kommentare