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"Ich finde das Konzept schlecht": Autohaus-Inhaber Peter Otter aus Bornheim meldet sich in der Ortsbeiratssitzung zu Wort. Verkehrsdezernent Oesterling kündigt liberalere Ausnahmen für Firmen und Handwerker an, wenn Bewohnerparken eingeführt wird.

Bornheim

Frankfurt: Das Gewerbe warnt vor Bewohnerparken - Verkehrsdezernent Oesterling kommt ihm entgegen

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In Frankfurt-Bornheim warnt das Gewerbe vor Bewohnerparken. Verkehrsdezernent Klaus Oesterling (SPD) kündigt Ausnahmeregelungen an. 

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  • Das Gewerbe warnt davor
  • Verkehrsdezernent Klaus Oesterling (SPD) kündigt Ausnahmeregelungen an

Frankfurt - Mit einer Reihe von Ausnahmeregelungen will die Stadt die neuen Bewohnerparkzonen in Bornheim für Handwerker und Gewerbebetriebe erträglicher machen. Das hat Verkehrsdezernent Klaus Oesterling (SPD) am Dienstagabend in der Sitzung des Ortsbeirats 4 (Bornheim/Ostend) angekündigt.

Peter Otter, Inhaber einer Autowerkstatt in der oberen Berger Straße, ist einer der vielen Zuschauer in der Sitzung. Sein Hof ist so klein, dass er Firmenwagen draußen parken muss, ebenso die Mitarbeiter ihre Autos. Damit würde es ein Ende haben, wenn die Stadt auch in diesem Quartier das Bewohnerparken einführt.

Der Firmenchef hat kaum mehr Hoffnung, dass die Stadt noch ein Einsehen hat. "Ich finde das Konzept schlecht", wendet er sich an die Politiker. Bornheim sei ein Mischgebiet, kein reines Wohngebiet. "Das kann man strangulieren mit solch einer Lösung."

Frankfurt-Bornheim: Parkplätze stehen nachts für Anwohner zur Verfügung 

Jene Parkplätze, die seine Mitarbeiter tagsüber nutzten, stünden nachts für Anwohner zur Verfügung, betont Otter. "Wir haben doch 30 Jahre lang friedlich miteinander geparkt", bestätigt eine Anwohnerin aus dem Prüfling. Thomas Tomala aus der Dortelweiler Straße sieht es anders: "Super, dass das Anwohnerparken kommt, um dem Verkehrschaos Einhalt zu gebieten."

Die Stadt will Bewohnerparkzonen in ganz Bornheim einführen. Die Zone 40 gibt es schon nordwestlich von Weidenborn- und Seckbacher Landstraße. Die drei anderen sollen "nicht erst bis Jahresende" folgen, kündigt der Verkehrsdezernent an. Nur auf Parkscheinautomaten warte man, bei denen gebe es Lieferengpässe. Anschließend will die Stadt solche Parkzonen überall innerhalb des Alleenrings einführen sowie in einem weiteren Ring drumherum.

Frankfurt-Bornheim: Anwohner können für 50 Euro eine Parkgenehmigung erhalten

Anwohner können für ihre Zone für 50 Euro je zwei Jahre eine Parkgenehmigung erhalten. Alle anderen müssen unter der Woche tagsüber einen Parkschein für ihr Auto ziehen. Der kostet zwei Euro die Stunde, in der City vier Euro.

Vor allem Anwohner hätten das Bewohnerparken jahrelang gefordert, erinnert Ortsvorsteher Hermann Steib (Grüne). Seit es konkret wurde, kritisieren jedoch Firmen, Läden, Kliniken, Schulen und Kitas die Regelung, weil die kostenlosen Parkplätze für ihre Mitarbeiter entfallen. Sonderregelungen für sie lehnt Oesterling kategorisch ab: "Das widerspricht dem Sinn des Anwohnerparkens."

Schließlich gehe es ja darum, die Anwohner bei der Parkplatzsuche zu bevorzugen und den Parkplatzsuchverkehr zu reduzieren. Außerdem sei der Stadt durch das Diesel-Urteil auferlegt worden, den Autoverkehr insgesamt zu verringern und die Parkraumbewirtschaftung einzuführen, erinnert der Dezernent.

Frankfurt-Bornheim: Bewonerparken - „Fälle etwas vernünftiger lösen“

Warnungen aber nehme man ernst, betont er. "Wir wollen einige Fälle etwas vernünftiger lösen als bisher." Die Regelung für Handwerker-Parkausweise "wollen wir etwas liberalisieren" und vereinfachen. Nach Gesprächen mit Handwerkskammer und IHK ist klar: Handwerkerfahrzeuge müssen durch Aufschriften eindeutig erkennbar sein, um eine Genehmigung zu erhalten.

Ansässige Handwerker sollen bis zu zwei Autos nahe des Firmensitzes parken dürfen. Bislang ist das untersagt. Mehrere Ortsbeiräte hatten die Liberalisierung beantragt, nachdem Unternehmen darum gebeten hatten.

Für Pflegedienste werde es eine klare Regelung entsprechend der bisherigen Praxis geben, sagt Oesterling. Für Privatleute, die jemanden pflegen, will der Dezernent ebenso Ausnahmegenehmigungen einführen. Zurzeit suche man eine Lösung - etwa dass Betroffene die Tätigkeit per Bestätigung der Pflegekasse nachweisen.

Auch Ehrenamtliche will die Stadt entlasten: Institutionen wie das Rote Kreuz und andere, die im Katastrophenschutz tätig seien, könnten Parkgenehmigungen für ihre Helfer beantragen.

Oesterling kündigt an, Regelungen nach einem Jahr zu evaluieren: "Ist es zu streng oder zu lässig?" Diese Ankündigung lässt Autohausbetreiber Otter etwas Hoffnung schöpfen: "Sehr positiv, dass es wenigstens überprüft wird." 

Von Dennis Pfeiffer-Goldmann

Pendler und Langzeitparker sollen die Stellplätze nicht länger blockieren. Parken soll in Frankfurt-Bornheim deshalb nicht mehr kostenlos sein.

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