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Halbzeit in der Platensiedlung. Die Aufstockung um zwei Geschosse, wie hier in der Stefan-Zweig-Straße, kommt gut voran. 

Aufstockung in Ginnheim

Platensiedlung – Die ersten Mieter sind schon da

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Im Dezember vergangenen Jahres schwebte in der Platensiedlung das erste Holzmodul ein, jetzt werden bereits die ersten Wohnungen bezogen. Doch bis die Verdichtung in Gänze abgeschlossen ist, wird es wohl bis 2023 dauern.

Man muss schon ganz genau hinschauen, wenn man in der Sudermannstraße 33 das Treppenhaus emporsteigt. Ansonsten merkt man nicht, dass die ersten drei Geschosse aus dem Jahr 1965, die obersten beiden aber von 2019 stammen. Es gibt jedoch kleine Hinweise, die zeigen: Hier wurde aufgestockt. Die Wände der oberen Etagen sind etwas heller, es riecht nach frischer Farbe und auch der Ton der Treppenstufen ändert sich. Zudem wechselt der Handlauf des Treppengeländers plötzlich seine Farbe: statt rot ist er auf einmal schwarz. "Das wird aber noch geändert. Es ist ja noch nicht alles fertig", sagt Frank Junker, Geschäftsführer der städtischen Wohnungsbaugesellschaft ABG Holding.

Vor einem Jahr wurde mit der Nachverdichtung und Modernisierung in der Platensiedlung begonnen. 680 neue Wohnungen sollen so geschaffen werden - 380 in den Alt- sowie 300 in Neubauten. Zudem wird es zwei Kindertagesstätten und Platz für kleine Läden geben.

Besuch aus Berlin

Aufstockung wird in Frankfurt, wo Wohnraum immer knapper wird, ein zunehmend wichtigeres Thema, sagt Frank Junker. Alleine 2018 wurden 450 Baugenehmigungen für Aufstockungen durch die Stadt genehmigt, das größte Projekt ist aktuell aber die Platensiedlung. Und das Interesse dafür ist auch außerhalb Frankfurts groß. Erst kürzlich hatte die ABG Besuch aus Berlin. "Die Kollegen wollten sich mal ansehen, was wir hier tun", sagt Junker.

Für den Laien sind die Häuser an der Stefan-Zweig und der Sudermannstraße zunächst eine große Baustelle. Statt Grünflächen klaffen zwischen den Zeilenbauten große Löcher im Boden. Für die Tiefgarage. Denn mehr Bewohner bedeutet auch mehr Fahrzeuge. Da muss Abhilfe geschaffen werden. Also kommen die Autos unter die Erde. "Man kann, muss aber keinen Parkplatz mieten", betont Junker. Auch Carsharing-Plätze seien eingeplant. Das sei vor allem für die in die Siedlung ziehenden Studenten "ein attraktives Angebot". 125 Appartements werden für sie gebaut. Denn weit zur Uni ist es nicht.

Viele Wohnungen vermietet 

Während bei manchen Häusern die Aufstockung bereits zu großen Teilen abgeschlossen und die ersten Wohnungen vermietet sind - rund 50 Prozent der Zwei-, Drei- und Vier-Zimmer-Wohnungen sind bereits weg - laufen bei anderen Bauten gerade erst die vorbereitenden Arbeiten. Doch auch dort wird es nicht mehr lange dauern, bis die ersten Wohnungen bezogen werden. Denn von der Anlieferung des ersten Moduls bis zum Bezug vergeht nur rund ein halbes Jahr, sagt Junker.

Frank Junker, der Geschäftsführer der städtischen Wohnungsbaugesellschaft ABG Holding

Möglich macht dies die eigenes für dieses Projekt aufgebaute Feldfabrik an der Sandelmühle in Heddernheim. Dort werden die Holzmodule von der Münchener Firma LiWood vorgefertigt, nach Ginnheim geliefert und auf die Häuser gesetzt. Die zuvor vorhandenen Mansarden verschwinden, das künftige Flachdach wird noch begrünt. "Es hat ein bisschen was von einem Lego-Baukasten", sagt der ABG-Chef und zeigt auf das Dach des Gebäudes in der Sudermannstraße 3. Dort werden aktuell die Module zusammengesetzt.

Die werden übrigens so gut wie fertig angeliefert. Alle Stromanschlüsse sitzen bereits, ebenso wie die Sanitäranlagen. Nur Böden und Wände werden in der Platensiedlung schön gemacht. Und dann? Dann könne man quasi fast einziehen, sagt Junker und berichtet von einem "großen Interesse" an den Wohnungen.

Unter dem Schnitt

Gebaut werden sowohl geförderte wie auch frei finanzierte Wohnungen. 10,50 Euro pro Quadratmeter kosten die geförderten Wohnungen maximal, für die frei finanzierten Wohnungen bezahlt man ebenfalls 10,50 Euro. "Damit liegen wir unter dem Frankfurter Durchschnitt", sagt Junker.

Auf Aufzüge habe man trotz der Aufstockung aus Kostengründen verzichtet. Für den Einbau von Liften verpflichtet war man auch nicht. "Dafür entscheidend ist nicht die Anzahl der Stockwerke, sondern die Höhe der Gebäude. Da liegen wir knapp unter der Grenze", erklärt er und biegt auf den Bürgersteig in der Sudermannstraße ein. Vorbei geht es an Baufahrzeugen, auf dem Boden liegen Schläuche, aus einem der Höfe klingt ein bohrendes Geräusch, auf der anderen Straßenseite werden die Mansarden abgebrochen. Nein, ganz ohne Lärm und Dreck sei eine solche Maßnahme nicht machbar, sagt Junker. Schließlich habe man die ganze Siedlung "auf links gedreht". Das sei für die Mieter sicher kein Spaß, aber es gebe ja Mietminderungen. Zudem sei man stets bemüht, die Beeinträchtigungen so gering wie möglich zu halten. So verlaufen die Ver- und Entsorgungsleitungen stets außen an der Fassade, die Wohnungen der Bestandsmieter werden nicht angefasst.

Ob es trotzdem Beschwerden gibt? Die gebe es immer, sagt Junker. Aber nicht viele. Das sei bei solch einer Baumaßnahme völlig normal. Aber sie sei ja nur zeitlich begrenzt. 2023, sagt er, sei von einer Baustelle nichts mehr zu sehen. Dann wären auch die letzten Feinarbeiten abgeschlossen und die ehemalige US-Siedlung so gut wie neu.

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