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Die Platensiedlung gilt als Problemviertel. Weil sich in einigen Wohnungen dort Drogendealer niedergelassen haben, geht die städtische Wohnungsbaugesellschaft ABG nun rigoros gegen diese vor und lässt zwangsräumen.

Problemviertel

Zwangsräumung in der Platensiedlung wegen Drogenhandel

ABG-Chef Frank Junker wirft Drogendealer aus ihren Wohnungen: Am Mittwoch kam der Gerichtsvollzieher in die Ginnheimer Platensiedlung. Die städtische Wohnungsbaugesellschaft hat zwei Wohnungen zwangsweise räumen lassen. Denn deren Mieter haben mit Rauschgift gehandelt.

Frankfurt - Insgesamt sechs Drogendealer und deren Familien will ABG-Chef Frank Junker als Mieter aus der Platensiedlung verbannen, damit in dem Ginnheimer Problemviertel wieder Ruhe einkehrt. "Drei von sechs Familien sind jetzt draußen", sagte Junker am Mittwoch, nachdem ein Gerichtsvollzieher am Vormittag zur Zwangsräumung an Ort und Stelle war. "Eine vierte Familie wird nächste Woche ausziehen, für die beiden anderen Wohnungen steht die Zwangsräumung noch aus."

Immer wieder Ärger

Der Geschäftsführer der städtischen Wohnungsbaugesellschaft hatte diesen harten Kurs eingeschlagen, nachdem es in der Platensiedlung mehrfach zur Ausschreitungen gekommen war. Die Polizei richtete eine eigene Arbeitsgruppe ein, die "AG Siedlung", um gegen die dominant auftretenden Drogendealer vorzugehen. In den sechs Fällen, die nun Konsequenzen tragen müssen, haben die Ermittler bei Wohnungsdurchsuchungen verkaufsfertig portionierte Drogen, teilweise auch Waffen und Geldbündel gefunden.

Vor Gericht setzte sich der ABG-Chef mit seiner Rechtsauffassung durch. Der Verdacht des Handels mit Rauschgift rechtfertige die Kündigung des Mietverhältnisses, urteilte das Amtsgericht Frankfurt. Eine der sechs Familien sei bereits ausgezogen, sagte Junker. Bei zwei weiteren Wohnungen war am Mittwoch die Zwangsräumung angesetzt. Als der Gerichtsvollzieher kam, waren deren Bewohner allerdings schon weg. "Eine Wohnung war leer, die andere mit Müll gefüllt und beschädigt", sagte Junker.

Eine Grenze überschritten

Andere Bewohner der Platensiedlung begrüßen den Rausschmiss ihrer kriminellen Nachbarn. Es habe ein Klima der Angst geherrscht, sagen sie. Auch der Frankfurter SPD-Chef und Planungsdezernent Mike Josef unterstützt Junkers Kurs ausdrücklich. In der Platensiedlung sei eine Grenze überschritten worden, sagte Josefs Sprecher vor einigen Monaten, nachdem der ABG-Chef begonnen hatte, seine Rauswurf-Drohung in die Tat umzusetzen.

Sicherheitsdezernent Markus Frank (CDU) sieht darin ein Beispiel, das Schule machen sollte. Er forderte, dass andere Wohnungsbaugesellschaften genauso rigoros reagieren sollten. "So knapp wie der Wohnraum in unserer Stadt ist, sollten wir nirgendwo dulden, dass Drogenbarone ihn als Hauptquartier nutzen. Das ist ganz klar eine Zweckentfremdung", sagte Frank damals. Junkers Rausschmiss-Taktik solle zum "Standardvorgehen" in ganz Frankfurt werden.

Es war auch nicht das erste Mal, dass Junker in der Platensiedlung aktiv wurde: Junker macht Ernst: Dealer fliegen aus Platensiedlung raus. Doch es gibt auch Neuankömmlinge: Platensiedlung – Die ersten Mieter sind schon da. Denn wie überall in Frankfurt gilt: Wohnungsnot: Nachverdichtung in Frankfurt ist schwierig.

Daniel Gräber

Bei einem anderen Vorfall in Frankfurt wurde eine Familie amt zwei Kindern mit Pfefferspray attackiert. Die Kinder sollen "vor Schmerzen geschrien haben", heißt es in der Verhandlung vor Gericht. 

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