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Das Goethe-Denkmal hat in den vergangenen 175 Jahren schon viel von Frankfurt gesehen, wechselte mehrfach den Standort. Ursprünglich stand es nur wenige Meter vom heutigen Standort auf dem Goetheplatz. Der große Dichter blickte damals aber noch gen Norden, nicht wie heute gen Süden. 

Stadtgeschichte

Es überlebte sogar den Bombenhagel: Goethe-Denkmal wird 175 

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Am 22. Oktober 1844  wurde sie enthüllt, heute kennt sie jeder Frankfurter: Die Statue des Johann Wolfgang von Goethe. Um ihre kleines Geheimnis, wissen aber die wenigsten. 

Frankfurt – Der noble Gasthof Weidenbusch im Steinweg war stadtbekannt für rauschende Feste und Konzerte berühmter Künstler im großen Speisesaal mit mehr als 1000 Plätzen. Vor 200 Jahren, am 28. August 1819, kam im Weidenbusch auf Einladung des Frankfurter Bankiers Johann Jakob Willemer eine erlauchte Gesellschaft zusammen, um Johann Wolfgang von Goethe an dessen 70. Geburtstag gebührend zu würdigen. Der Jubilar selbst war der Einladung seines Freundes Willemer nicht gefolgt, denn der Dichter hielt von großen Geburtstagsfeiern wenig. Er stieß vielmehr am Vorabend mit Weggefährten in Weimar auf sein Wohl an, am Geburtstag fuhr er zur Kur nach Karlsbad.

Goethe-Denkmal in Frankfurt: Bankier scheiterte mit Spendengesuch

Im Gasthof Weidenbusch wurden an jenem Samstag Pläne für eine großzügige Tempelanlage zu Ehren Goethes auf einer kleinen Maininsel am Schneidwall (heutiges Nizza) vorgestellt. Bankier Simon Moritz von Bethmann übernahm die Aufgabe, Spenden für den Rundtempel zu sammeln, dessen Kosten auf etwa 50 000 Gulden beziffert wurden. Doch die Idee scheiterte kläglich, weil nur wenig Geld zusammenkam. Der Dichter kommentierte die Blamage seiner Vaterstadt mit spöttischen Versen: "Zu Goethes Denkmal, was zahlst Du jetzt? / Fragt dieser, jener und der. - / Hätt' ich mir nicht selbst ein Denkmal gesetzt, / Das Denkmal, wo käm es denn her?"

Es kam dann doch noch, allerdings erst nach Goethes Tod - er starb am 22. März 1832 in seiner Wahlheimat Weimar im Alter von 82 Jahren. Fünf Jahre später nahmen Frankfurter Bürger einen neuen Anlauf für ein Goethedenkmal. Als 1841 von den veranschlagten Kosten in Höhe von 53 000 Gulden mehr als die Hälfte gesammelt worden war, erhielt der Münchner Bildhauer Ludwig von Schwanthaler (1802-1848), "Hofkünstler" von Bayernkönig Ludwig I., den Auftrag. Schwanthalers bedeutendstes Werk ist die berühmte Bavaria an der Theresienwiese, ein Wahrzeichen Münchens. Fast 19 Meter hoch und 87 Tonnen schwer ist die dort 1850 enthüllte Personifizierung Bayerns.

Frankfurts Goethe ist 6,90 Meter hoch und knapp sieben Tonnen schwer

Deutlich kleiner und leichter schuf Schwanthaler die Frankfurter Goethe-Skulptur: 6,90 Meter hoch und knapp sieben Tonnen schwer ist die Bronzeskulptur. Für den 28. August 1844, Goethes Geburtstag, war die Einweihung des Denkmals geplant. Doch der Guss des Kunstwerks in der Königlichen Erzgießerei von Johannes Baptist Stiglmaier in München verzögerte sich, und so erreichte der von sechs Pferden gezogene Wagen mit der Goethestatue erst am 19. Oktober Frankfurt. 

Es war kalt und es regnete in Strömen. Dennoch wurde das geschmückte Pferdefuhrwerk "von tausenden Frankfurtern am Sachsenhäuser Affentor empfangen und im Triumph über die Alte Brücke und die Zeil zu seinem Standort gebracht", wie in einem zeitgenössischen Artikel zu lesen war.

Nach der festlichen Enthüllung am 22. Oktober 1844 war der Bronze-Goethe in den ersten beiden Jahrzehnten mehrfach Zielscheibe von "Attentaten" mit Säure und ungelöschtem Kalk, die dem ehernen Dichter aber wenig anhaben konnten. Doch dann kam der Zweite Weltkrieg. Vor 75 Jahren, im März 1944, ging bei verheerenden Bombenangriffen nicht nur die historische Frankfurter Altstadt im Feuersturm unter, sondern auch Goethes Geburtshaus im Großen Hirschgraben. Das Goethedenkmal überstand dieses Inferno noch ohne Schäden.

Ein halbes Jahr später aber, am 25. September 1944, starteten morgens um sieben etwa 200 Bomber der 8. US-Luftflotte in Südengland und nahmen Kurs auf die Frankfurter Innenstadt und den Osthafen. Zu den Bomben an Bord gehörten auch Luftminen vom Typ HC 4000 lb (1,8 Tonnen schwer). Eine dieser gefürchteten Monsterbomben schmetterte das Goethedenkmal samt Sockel auf den Boden - genau 100 Jahre nach seiner Enthüllung. Die Skulptur blieb zerbeult am Boden liegen, ein Arm und der Kopf wurden abgerissen.

Goethe-Denkmal von Frankfurter Bürgern begraben

Einige Bürger retteten das Monument mit einer spontanen Aktion vor Metalldieben: Sie vergruben den arg ramponierten Goethe und buddelten ihn nach Kriegsende wieder aus. Im Skulpturenmuseum Liebieghaus am Schaumainkai wurde das Denkmal wieder zusammengesetzt, restauriert und 1952 vor dem Schauspielhaus aufgestellt.

Nach dem Bau der Tiefgarage Goetheplatz (2003 bis 2006) kehrte bei der Neugestaltung des Platzes das Goethedenkmal wieder dorthin zurück, wo es hingehört. Zunächst wurde das Kunstwerk von einer Spezialfirma in Ellerau (Schleswig-Holstein) grundlegend restauriert und konserviert.

Wie könnte es anders sein, wurde das fein herausgeputzte Denkmal dann 2007 an Goethes Geburtstag von Oberbürgermeisterin Petra Roth eingeweiht. Die Skulptur steht jetzt ein paar Meter vom ursprünglichen Standort entfernt und wurde außerdem umgedreht: Der bedeutendste Sohn der Stadt schaut nun nach Süd statt nach Nord. So hat Goethe die Frankfurter Skyline im Rücken - fotografierende und filmende Touristen aus aller Welt wissen diesen imposanten Hintergrund zu schätzen.

Das Goethe-Denkmal in Frankfurt hat ein Geheimnis

2010 war es wieder am 28. August, Goethes Geburtstag, als der französische Künstler Jean-Luc Cornec (64) am Frankfurter Denkmal für hitzige Debatten sorgte: Er ließ die Skulptur mit Ziegelsteinen einmauern - Cornecs Beitrag zur Festwoche "goethe ffm". Ursprünglich sollten die 3200 Steine mit den Initialen "WM" für Wilhelm Meister nach einer Woche wieder abgebaut werden, doch dann durfte das begehbare Kunstwerk ein Dreivierteljahr bleiben.

"Frankfurt steckt voller Merkwürdigkeiten", hat Goethe über seine Geburtsstadt gesagt. Doch auch vom Dichter selbst ist so manche Marotte bekannt. Beispielsweise war er so geizig, dass er abgetragene Kleidungsstücke gewendet und falsch herum weiter angezogen hat. Bildhauer Ludwig von Schwanthaler hat diesen Goethe-Spleen mit seinem Denkmal verewigt: Wer genau hinschaut, dem fällt auf: Die Jacke des Dichters unter dem schweren Mantel ist links geknöpft.

Von Jürgen Walburg

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