Rebecca Meyerhoff und Lars Rühlmann sind Nichtraucher und Teil der Initiative „Enactus“.
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Rebecca Meyerhoff und Lars Rühlmann sind Nichtraucher und Teil der Initiative „Enactus“.

Nachhaltiges Projekt

Gegen Umweltverschmutzung: Frankfurter Studenten nutzen Zigarettenkippen für Umfragen

  • vonSabine Schramek
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Studenten an der Goethe-Universität Frankfurt setzen sich gegen Umweltverschmutzung ein. Das machen sie auf kreative Weise – nämlich mit Zigarettenkippen.

  • Studenten der Goethe-Uni Frankfurt gehen mit kreativem Projekt gegen Umweltverschmutzung vor.
  • Zigarettenkippen werden für Umfragen genutzt – und liegen nicht mehr auf der Straße.
  • Im Anschluss werden die Zigarettenstummel recycelt und ein neues Produkt daraus gefertigt.

Frankfurt – Was trocken klingt, ist wirklich kreativ. Studenten der Wirtschaftswissenschaften, die sich zur Initiative „Enactus“ zusammengeschlossen haben, sorgen nicht nur dafür, dass Zigarettenkippen nicht auf der Straße landen. Raucher machen beim ordentlichen Entsorgen bei Umfragen mit und können sicher sein, dass ihre giftigen Glimmstängel recycelt werden – als Aschenbecher.

Rebecca Meyerhoff (20) und Lars Rühlmann (21) sind Nichtraucher. Trotzdem stehen sie auf dem Campus Westend vor der Bibliothek für Recht und Wirtschaft vor einem gelben Kasten, der zwei Scheiben hat. Die linke Seite ist fast voll mit Zigarettenkippen. "Welche Bibliothek nutzt Du lieber?" heißt die Frage, die links und rechts von einer aufgerauten Stelle zum Ausmachen der Zigaretten, auf einem Zettel steht.

Der Behälter unter „Recht und Wissenschaft“ ist fast voll, unter „Sozialwissenschaften und Psychologie“ ist noch Platz. 2017 hatten Wirtschaftswissenschaftsstudenten die Idee, etwas gegen Umweltverschmutzung durch Zigaretten zu tun. „Dieser Re-Cig war der Erste“, sagt Rühlmann. Mittlerweile gibt es 28 davon im Rhein-Main-Gebiet.

Studenten aus Frankfurt haben „Re-Cigs“ erfunden – JVA produziert Metallkästen

„Die ersten Kästen wurden in der Alten Werkstatt produziert, jetzt kommen sie aus der Schlosserei in der Justizvollzugsanstalt in Butzbach“, so Meyerhoff. Die beiden, die im dritten und siebten Semester studieren, und ihre sechs Projektmitglieder möchten nachhaltig produzieren und möglichst ohne Großunternehmen.

Die studentische Initiative „Enactus“ hat es sich zur Aufgabe gemacht hat, nachhaltig soziale und ökologische Probleme durch unternehmerisches Handeln zu lösen. „Re-Cigs“ ist ein Projekt des Vereins. Die Nachfrage nach den 245 Euro-Kästen mit ihrem ständig wechselnden Meinungsfilter ist hoch. „Zur Zeit ist die Produktion schwierig wegen Personal, Corona und dem Mangel an dem richtigen Werkzeug in der JVA“, erzählen sie.

Nachhaltiges Frankfurt: Studenten an der Goethe-Universität kooperieren mit Kölner Verein

Die Studenten wollten es nicht allein beim Sammeln von Kippen belassen. Auf ihrer Ideensuche stießen sie auf den Kölner Verein „Tobacycle“. Dort werden Kippen gesammelt und als Rohstoff für die Produktion von Taschenaschenbechern recycelt. „Das gibt es sonst noch nirgends“, sagen die Studenten stolz. Die private Initiative dort stellt aus den Zigarettenkippen unter Beigabe von Kunststoff als Additiv ein Granulat her. Daraus entstehen im 3-D-Drucker Taschenaschenbecher und Behältnisse für das Zigarettenkippen-Sammelsystem.

Auch diese sind komplett wiederverwertbar. Meyerhoff, Rühlmann und ihre sechs Kommilitonen leeren „ihren“ Re-Cig auf dem Campus regelmäßig, sammeln die Kippen geruchsneutral und luftdicht in den Behältern und schicken sie dann nach Köln zur Weiterverarbeitung. „Ein toller Kreislauf“, erklären sie, „weil so nicht nur die Unmengen an Kippen vom Boden wegfallen, sondern weil sie so auch nicht im Restmüll landen“.

Recycling: Stadt Frankfurt macht auch Umfragen mit Zigarettenstummeln

Alle in den Zigaretten enthaltenen Stoffe werden verwertet – auch Asche, Giftstoffe und Papier. Das Ziel ist die komplett rückstandsfreie Verwertung. „Tobacycle“ sammelt die Stummel von ihren Mitgliedern. Das können Großfirmen, Veranstalter, Gastronomen oder eben Studenten sein. Ihre „Re-Cygs“ stehen mittlerweile bis hinauf nach Norddeutschland. Vornehmlich Städte nutzen die leicht per Schlüssel leerbaren Metallkästen mit Meinungsfilter.

Auch die Stadt Frankfurt mit #cleanffm. Die Umfragen gestalten die jeweiligen Betreiber. Bei #cleanffm sind es eher Fragen, ob man lieber „Hibbdebach“ oder „Dribbdebach“ mag. Firmen fragen je nach eigenem Berufs- oder Umfeld nach Produkten oder Verbesserungen. „Es gibt nichts, was nicht gefragt werden kann und es kommt gut an“, so Rühlmann. „Es ist anonym und man wirft seine Kippe einfach in das Loch unter der Antwort, die einem besser zusagt. Was dann aus dem Themen gemacht wird, kann jeder Betreiber selbst entscheiden.

Nachhaltigkeit in Frankfurt: Themen der Zigarettenstummel-Umfragen wechselnd regelmäßig

An der Uni wechseln die Studenten regelmäßig die Themen. „Zurzeit nicht so oft wie sonst, weil wegen Corona nur die Studenten da sind, die in die Bibliothek kommen.“ Gewechselt wird trotzdem. „Was magst Du lieber? Teamsport oder Einzelsport“ oder „Bist du für die Legalisierung von Marihuana? Ja oder Nein“ oder „Was hält dich in der Klausurphase wach? Kaffee oder Energy“.

Das Studenten-Netzwerk Enactus ist in Deutschland an 36 Unis vertreten. 1700 Studenten sind dabei, um Projekte zu realisieren, die die Lebensverhältnisse von Menschen verbessern. „Wir wollen die Welt im Kleinen verändern“, sagen die beiden Frankfurter Studenten. Zigarettenstummel brauchen zehn bis 15 Jahre, bis sie vollständig verrotten. Täglich landen 10 Milliarden Kippen weltweit auf dem Boden. „Wenn wir diese Umweltverschmutzung in den Griff bekommen, ist schon vieles geschafft.“ (Sabine Schramek)

Fast alles findet an den Universitäten seit Monaten nur noch online statt. Einige Hotels in Frankfurt vermieten dauerhaft an Studenten wegen der angespannten Wohnsituation.

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