Ein Traum von Baum: „Gretel“ ist's, und sie steht noch im schönen Jossgrund tief im Main-Kinzig-Kreis versteckt. Aber bald ziert sie den Römerberg. Mit vielen Lichtern dran.
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Ein Traum von Baum: „Gretel“ ist's, und sie steht noch im schönen Jossgrund tief im Main-Kinzig-Kreis versteckt. Aber bald ziert sie den Römerberg. Mit vielen Lichtern dran.

„Jährliche Debatte eröffnet“

Lob und Kritik für neuen Weihnachtsbaum: So reagieren die Frankfurter auf Fichte „Gretel“

  • Isabel Wetzel
    VonIsabel Wetzel
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  • Steven Micksch
    Steven Micksch
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Eine 90 Jahre alte Fichte aus dem Spessart wird der neue Weihnachtsbaum in Frankfurt. Obwohl einige Menschen von dem prachtvollen Baum begeistert sind, gibt es auch viel Kritik.

Update vom Donnerstag, 28.10.2021, 14.55 Uhr: Vor wenigen Tagen ist sie auserwählt worden: Gretel, die Fichte, die ab dem 4. November den Römerberg in Frankfurt zieren und tausende Besucher des Weihnachtsmarktes erfreuen wird. Thomas Feda, der Geschäftsführer der städtischen Tourismus- und Congressgesellschaft Frankfurt (TCF), hat den 31 Meter hohen und 90 Jahre alten Baum im Spessart-Wald ausgewählt. Die Reaktionen auf die stolze Vorstellung des Baumes auf Facebook sind ganz unterschiedlich.

Vor allem sorgen sich viele Frankfurter darum, wie Gretel aussehen wird, wenn sie den Weg nach Frankfurt geschafft hat. „Sieht gut aus - hoffentlich auch nach dem Transport“, schreibt zum Beispiel eine Nutzerin und bekommt dafür zahlreiche Likes. Nach dem Weihnachtsbaum-Drama um Fichte Bertl im vergangenen Jahr, sind die Frankfurter da wohl besonders skeptisch.

Bertl war zu breit und musste schon während des Transports bereits um sieben Meter gekürzt werden. Dann wurde die Fichte beim Aufstellen auch noch arg ramponiert. Auf Facebook wurde er nicht nur einmal als „hässlichster Weihnachtsbaum Deutschlands“ bezeichnet. Dieses Schicksal soll Gretel erspart bleiben.

„Geht‘s nicht nachhaltiger?“: Frankfurter kritisieren Fällung von Weihnachtsbaum „Gretel“

Doch viele Frankfurter machen sich grundsätzlich Gedanken um die Fällung der Fichte. Viele fordern, den Baum im Wald stehenzulassen und eine Alternative zu schaffen - zum Beispiel mit einer „modernen 30 Meter Tannenbaum Lichtinstallation“, wie eine Frau vorschlägt. Man solle den Baum nicht für „ein paar Wochen auf dem Römer“ opfern. „Kann man hier nicht nachhaltiger arbeiten?“, fragt eine andere Frankfurterin.

Und das, obwohl die TCF in ihrer Ankündigung bereits versucht hatte, den meisten Kommentaren den Wind aus den Segeln zu nehmen: Sie verwies unter anderem darauf, dass der Baum im Sinne „nachhaltiger Forstwirtschaft“ ausgewählt wurde, dass ein gepflanzter Baum oder ein künstlicher Weihnachtsbaum auf dem Römerberg keine Alternative seien und vor allem, dass der Baum in diesem Jahr weiterverarbeitet werde. Gretel soll nach Weihnachten nämlich eine Sitzbank im Landschulheim an der Wegscheide werden.

Eine Nutzerin beeindruckt das allerdings alles herzlich wenig. Sie kommentiert: „Sie zeigen nur, dass man im Prinzip weiß, dass es nicht in Ordnung ist.“

Weihnachtsbaum in Frankfurt: Fichte Gretel ziert bald den Römerberg

Viele Frankfurter freuen sich aber auch einfach über die stattliche Fichte, die die TCF für den Weihnachtsmarkt ausgewählt hat und über ein wenig Normalität, wenn der Weihnachtsmarkt in Frankfurt trotz Corona wieder stattfinden kann. „Habt ihr gut gemacht“ oder „endlich mal ein schicker Baum für Frankfurt“, wird kommentiert.

Und während viele über Nachhaltigkeit und Ästhetik diskutieren, ärgern sich einige einfach nur darüber, dass überhaupt diskutiert wird. „Damit ist die jährliche Debatte eröffnet“, schreibt zum Beispiel ein Nutzer. „The same procedure as every year“ - also „Das gleiche Verfahren wie in jedem Jahr“, schreibt ein anderer. „Ist der Frankfurter Weihnachtsbaum gefällt, wird wie immer genörgelt.“ Am 4. November soll Gretel dann hoffentlich möglichst unbeschadet auf dem Römerberg aufgestellt werden und ab dem 22. November beginnt der Weihnachtsmarkt.

Weihnachtsbaum für Frankfurt gefunden: „Gretel“ wird schon bald den Römerberg zieren

Erstmeldung vom Dienstag, 26.10.2021: Frankfurt - Wenn eine Gruppe von Frankfurter Journalistinnen und Journalisten und einige Angestellte der städtischen Tourismus- und Congressgesellschaft Frankfurt (TCF) durch den Spessart-Wald ziehen, ist es wieder Zeit - Zeit, den einen, den wahren Frankfurter Weihnachtsbaum zu finden. Eine Fichte wird es diesmal sein, sie trägt einen weiblichen Namen. Eine Geschichte mit ungeahnten Höhen, einem Tiefpunkt und der Gretel als Schlusspunkt.

Warum in die Ferne schweifen, wenn die schönsten Fichten doch mitunter gleich in Hessen wachsen? Das dachte sich auch Thomas Feda, Geschäftsführer der TCF, und fragte wie schon im vergangen Jahr im Spessart nach, ob sich noch ein passables Bäumchen für den Römerberg finden ließe. Mit solcherlei Bäumen aus den Wäldern um Schlüchtern und Bad Orb hat die Stadt ja bereits gute Erfahrungen gemacht.

Frankfurt: Weihnachtsbaum kostet diesmal vierstelligen Betrag

In diesem Jahr kauft die TCF den Baum. Für einen vierstelligen Betrag, wie Feda sagte. Weil lange nicht klar gewesen sei, ob der Frankfurter Weihnachtsmarkt überhaupt stattfinden könne, habe man sich nicht nach möglichen gespendeten Bäumen umgeschaut. Nun kommt die Fichte aus dem öffentlichen Wald von Hessen-Forst.

Matthias Krug, Barbara Amrhein-Krug und Robert Bonhard haben geschaut, welcher Baum den Anforderungen genügen würde. Die drei kümmern sich sonst um weihnachtliche Dekorationsbäume, etwa in Kirchen oder der Europäischen Zentralbank (EZB). Vier mögliche Bäume hatte Krug ausgesucht, der sich damit auch einen Kindheitstraum erfüllt. „Ich stand schon als Sechsjähriger vor dem Baum am Römer und hab‘ ihn angeschaut.“ Den Baum selbst zu finden und vorm Römer zu sehen, das war nun sein Ziel.

Doch Thomas Feda muss den Baum ja noch abnehmen. Und so geht es zur Sichtung am Dienstagvormittag (26.10.2021) in den Spessart. Baum Nummer eins steht im Flörsbachtal nahe dem Örtchen Lohrhaupten. Feda ist begeistert. „Den würde ich gleich mitnehmen“, sagt er angesichts der fast 30 Meter hohen Fichte. Doch der Abtransport gilt als schwierig, weil der Baum nicht leicht zugänglich ist.

Bei näherem Hinsehen fallen Feda dann auch die zu dicken Äste auf. Den Baum für den Transport zu binden, ohne dass ein Ast bricht - fast unmöglich. So stattlich er auch ist, er ist zu breit für den Römer. Nun trauert Feda dem grünen Riesen etwas hinterher: „Vielleicht hätten Sie mir den gar nicht zeigen dürfen.“ Der Maßstab ist jedenfalls gesetzt. Ebenfalls positiv: Der nasse Herbst hat den Bäumen gutgetan. Diesmal sollten keine Äste brechen, weil der Baum womöglich zu trocken ist.

Weihnachtsbaum in Frankfurt: Nach „Mogelpackung“ kommt der Perfekte

Der zweite Ausgeguckte steht ein paar Autominuten entfernt. Er ist nur etwas kleiner als der erste, dicht gewachsen und hat dünnere Äste. Auch der Standort eignet sich gut zum Abtransport. Aber die Fichte steht nicht frei. Feda bahnt sich den Weg durch hohes Gras und Sträucher, um den Baum von hinten zu sehen. Ernüchterung macht sich breit: „Voll hässlich.“ Die Rückseite sieht aus, als ob der Baumfriseur mit dem Rasierer abgerutscht wäre: fast kahl. Eine Mogelpackung, der Feda doch noch Gutes abgewinnen kann. „Psychologisch ist das clever, vor dem Favoriten so einen zu präsentieren.“

Die im Vorfeld auserkorene Fichte steht im Jossgrund, nahe Pfaffenhausen. 31 Meter hoch, 90 Jahre alt, zwischen acht und neun Tonnen schwer und mit einem Stammumfang von gut 90 Zentimetern. „Der ist schon schön. Sehr schön“, lobt Feda. Unten werden maximal fünf Meter weggesägt. Im mittleren Teil muss dann der „Baumkosmetiker“ Jörg Renneisen, der sich um die Beleuchtung und den Baumschmuck kümmert, etwas nachjustieren. Aber sonst macht der Baum was her. Auch der Abtransport werde gut klappen. Nun drücken alle die Daumen, dass die Fichte unbeschadet am 4. November nach Frankfurt gelangt.

Traditionell hat der Baum einen Namen. Einen weiblichen, das gab es bisher erst ein Mal. Und so folgt der Ines nun die Gretel, passend zum Märchenwald im Spessart der Brüder Grimm. Und nach dem Weihnachtsmarkt wird aus der Gretel eine Sitzgelegenheit am Sportplatz an der Wegscheide. (Steven Micksch/Isabel Wetzel)

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