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"Unter aller Sau" nennt die SPD-Vorsitzende Birgit Puttendörfer den Zustand des Griesheimer Bahnhofs in Frankfurt. Gemeint ist damit unter anderem die ständige Vermüllung.

Griesheim

Bahnhof Griesheim: Umbau von verzögert sich um Jahre

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Der Bahnhof in Frankfurt-Griesheim ist für eine Sanierung überfällig. Der Umbau verzögert sich allerdings immer wieder.

  • Der Bahnhof in Frankfurt-Griesheim ist sanierungsbedürftig
  • Ein barrierefreier Umbau verzögert sich allerdings immer wieder
  • Griesheimer Politiker zeigen sich empört
  • Frankfurt – Die Sanierung ihres Bahnhofs in Frankfurt brennt den Griesheimer Bürgern seit mehr als zehn Jahren auf den Nägeln. Seither jedoch folgt Verzögerung auf Verzögerung. Die bislang letzte Hiobsbotschaft verkündete ein sichtlich zerknirschter Verkehrsdezernent Klaus Oesterling beim Neujahrsempfang der SPD: Der barrierefreie Umbau des Griesheimer Bahnhofs wird noch länger dauern als - wie zuletzt anvisiert - 2021. Details konnte er nicht nennen.

    Bahnhof in Frankfurt-Griesheim muss voll gesperrt werden

    Als Aufklärung bleibt auch eine Antwort schuldig, die jetzt ein Mitarbeiter der Deutschen Bahn auf Anfrage der Griesheimer SPD-Vorsitzenden Birgit Puttendörfer per E-Mail zukommen ließ: Bereits im Oktober hat demnach die Bahn die Stadt Frankfurt darüber informiert, dass "die von uns beantragten Sperrpausen für 2021 nicht realisiert werden können und eine notwendige Vollsperrung der Gleise voraussichtlich erst in 2023 möglich sein wird".

    Diese Vollsperrung am Bahnhof wiederum sei "wesentliche Voraussetzung für die Erneuerung der Personenunterführung Ost inklusive der Aufzüge auf dem Hauptbahnsteig und dem Mittelbahnsteig".

    Kritik an Deutscher Bahn für Sanierung in Frankfurt-Griesheim

    Heißt das im Klartext: Vor 2023 tut sich nichts? Müssen Behinderte in Rollstühlen und Eltern mit ihren Kinderwagen den Bahnhof Frankfurt-Griesheim besser weiter meiden? Die Bahn deutet ein Hintertürchen an: Aktuell werde geprüft, "welche Maßnahmen auch unabhängig von Sperrpausen durchgeführt werden können". Vage ist die Rede von "verschiedenen Szenarien, die wir jedoch mit unseren Projektpartnern, der Stadt, dem Rhein-Main-Verkehrsverbund und dem Land Hessen, abstimmen müssen". Ziel der Bahn sei es in Frankfurt-Griesheim, "bis 2022, so weit ohne Vollsperrungen der Bahnsteige möglich, erste Maßnahmen für den barrierefreien Ausbau des Bahnhofs zu realisieren".

    Aus allen Wolken gefallen sei sie, als sie die Antwort gelesen habe, berichtet Birgit Puttendörfer. "Dass sie die Gleise sperren müssen, davon höre ich zum ersten Mal", sagt sie und findet: "Das wusste die Bahn doch vorher und hätte das uns oder dem Ortsbeirat sagen müssen." Nun erst auf Anfrage davon zu erfahren - da fühle man sich doch auf den Arm genommen. "Mein erster Gedanke war: Man müsste sich auf die Gleise setzen", verrät sie. "Nach dem Motto: Wenn ihr sie nicht sperren könnt, machen wir es halt."

    Bahnhof in Frankfurt-Griesheim: Weitere Verzögerung im Umbau

    Ursprünglich, erinnert Puttendörfer, wollte die Bahn mit der Sanierung am Bahnhof in Frankfurt-Griesheim "2019 fertig sein, dann 2021 - nun sind wir bei 2023 angekommen." Schon die Verzögerung durch einen verunglückten ICE sei eine "Lachnummer" gewesen. Apropos: Das Ganze sei eigentlich ein Fall für eine Satiresendung. Problem dabei: "Die Bahn war da schon so oft Gegenstand - das prallt einfach an denen ab."

    Auch die als erfreuliche Neuigkeit vermeldete und mit Fotos im Anhang der E-Mail dokumentierte "Sonderreinigung" der Grünfläche rund um das Stellwerk am Bahnhof vermag Puttendörfer nicht zu überzeugen. Diese Aktion hält sie für einen "Tropfen auf den heißen Stein - solange die Fläche nicht mal ordentlich begrünt oder ein höherer Zaun drumherum gezogen wird". Die Griesheimer, fasst sie zusammen, hätten "ein dickes Fell und viel Geduld - aber die ist langsam aufgebraucht".

    Politiker kritisieren Vorgehen am Bahnhof Frankfurt-Griesheim

    Ähnlich formuliert es auch Thomas Schlimme, Vorsitzender der Grünen im Ortsbeirat 6, in seinem Antrag, der auf der jüngsten Sitzung durchgewunken wurde. "Nun ist das Maß für viele voll", schreibt Schlimme an den Magistrat und fragt nach Gründen der neuerlichen Verzögerung. Der Vertrauensverlust bezöge sich nicht nur auf die Bahn, sondern auch auf die Politiker, "obwohl diese selbst erneut im Regen stehen gelassen werden". Auch das Griesheimer Aktionsbündnis, das für den Umbau am Bahnhof kämpft, fordert Aufklärung - und will den DB-Konzernverantwortlichen Klaus Vornhusen in den Stadtteil zitieren: Die Bahn müsse das den Bürgern im Stadtteil Frankfurt-Griesheim erklären, nicht nur vor den Vertretern des Ortsbeirats, betont Aktionsbündnis-Sprecherin Ursula Schmidt.

    Falls es im Westen von Frankfurt ab Mitte März ein wenig merkwürdig riecht, könnte der Grund dafür ein ganz einfacher sein.

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