+
Den ersten heißen Sommertag mit Temperaturen von mehr als 30 Grad genießen viele Personen auf der Liegewiese am Mainufer vor dem Bankenviertel.

Wetter

Große Hitze: Wie sich Frankfurt auf Rekordtemperaturen vorbereitet

Die Stadt schwitzt, und es wird noch wärmer. Die 40-Grad-Marke könnte in dieser Woche geknackt werden. Wir haben uns umgehört, was die Hitze mit der Stadt anstellt.

Frankfurt - Frankfurt und der Rest der Republik liegen unter dem Einfluss des prächtigen Sommerhochs "Ulla". Daran ändert sich nichts bis zum Donnerstag. Und das ist der Siebenschläfertag. Einer alten Regel zufolge bleibt das Wetter für sieben Wochen so, wie es am Siebenschläfer ist - also diesmal wieder trocken und heiß. Die Regel stimmt immerhin in zwei von drei Jahren - jedenfalls in Süddeutschland.

Welche Schulen haben hitzefrei?

Sieben Wochen - das wären fast genau die Schulferien. Bis dahin gibt es an vielen Schulen Hitzefrei, gestern etwa an der Goldsteinschule in Goldstein wie schon einmal in der Vorwoche. Damit es Hitzefrei gibt, muss die Schulleitung zu einer festgelegten Uhrzeit die Temperatur in einem bestimmten Raum messen. Danach gibt es kein Ermessen mehr: Steigt das Quecksilber zu sehr, wird der Unterricht nach der fünften Stunde beendet, 45 Minuten früher als sonst, und die Grundschulkinder dürfen entweder nach Hause oder in den Hort gehen.

Anders ist es an der Erich-Kästner-Schule in Niederursel, ebenfalls eine Grundschule. Schulleiter Benedikt Gehrling gibt kein Hitzefrei mehr: "Wir sind eine Ganztagsschule. Es hat immer Unmut gegeben, wenn die einen früher gehen konnten und die anderen nicht durften." Denn wenn beide Eltern arbeiten, dürfen die Schulen die Kinder nicht einfach früher gehen lassen. "Wir bieten an heißen Tagen ein reduziertes Programm, machen mittags fast nur noch Betreuung, gehen raus." Auch gestern. Nächste Woche sind dann endlich Ferien.

Dass die heißen Tage schon so früh im Sommer kommen - er ist kaum eine Woche alt - ist ungewöhnlich. Meist ist es erst im Juli oder August so richtig heiß. Carlogero Falsone ist es gar nicht so recht. Er ist Filialleiter im Eiscafé Milano in der Schweizer Straße und rechnet nicht mit Rekordumsätzen. "Es ist zu heiß. Am meisten verkaufen wir bei 25 bis 28 Grad. Wenn es wie jetzt über 30 Grad ist, verlagert sich das Geschäft in die Morgen- und Abendstunden." Zur Frage danach, welche Sorten besonders gefragt sind, sagt er: "Bei der Hitze essen die Leute eher Fruchteis, normalerweise eher Schoko- oder Milcheis."

Hitze in Frankfurt: Lage noch entspannt

Viele erinnern sich noch an den vergangenen Sommer - fast ohne Regen von April bis Oktober. Beim städtischen Grünflächenamt ist Bernd Roser, Leiter der Grünflächenunterhaltung, noch entspannt. "Es ist längst nicht so schlimm wie 2018, auch nicht die heißen Tage." Es sei momentan zwar ungewöhnlich warm, aber abgerechnet werde am Schluss. "Ob das so bleibt, ist noch offen. Wahrscheinlich wird es ein ganz normaler, wechselhafter Sommer." Baumwässerung im großen Stil wie im Vorjahr sei noch nicht nötig, wenngleich die jungen Bäume zusätzlich bewässert würden.

Die Branddirektion hat schon am Freitag Hitzewarnungen bis zum Mittwoch ausgegeben. Im Pflegeheim Bockenheim sind die Räume schon verdunkelt, damit die große Hitze draußen bleibt. Die Leiterin Liane Junker berichtet: "Wir verdunkeln die Zimmer, legen feuchte Tücher auf, schalten die Klimageräte an und ermuntern die Bewohner, viel zu trinken." Wasser und eine Auswahl an Säften steht ebenso bereit wie Obst, zum Beispiel Melone und Ananas. "Bis jetzt ist alles noch im Rahmen."

Auch in den Notaufnahmen läuft bislang alles reibungslos. Petra Fleischer, Sprecherin des Klinikums in Höchst, berichtet, dass es bislang nur wenige Patienten sind, die in Folge der Hitze ins Klinikum gebracht werden. "Es sind ältere Patienten. Sie kommen vor allem mit Flüssigkeitsmangel und Austrocknung und deren Folgeerscheinungen. Wir schließen nicht aus, dass sich die Zahl in den kommenden Tagen, insbesondere ab Eintreten der Mittagshitze, noch erhöhen könnte."

Hitze in Frankfurt: Sonderschichten bei Hassia

Bei den Hassia-Mineralquellen in Bad Vilbel werden zurzeit Sonderschichten gefahren: "Wir haben an Fronleichnam abgefüllt, wir fahren auch samstags aus, wir beladen die Lastwagen schon wieder am Sonntagabend, damit sie am Montag schnell starten können", berichtet Sprecherin Sibylle Trautmann. "Normalerweise haben wir 1,9 Millionen Abfüllungen täglich, jetzt 2,7 Millionen." Leergut - 92 Prozent bei Hassia ist Mehrweg - ist noch nicht knapp: "Die Hitze hat ja gerade erst begonnen, wir haben genug leere Flaschen da", sagt Trautmann. Das Personal in der Produktion und im Fuhrpark wurde aufgestockt, eine Lehre aus 2018. Als klaren Trend gibt Sibylle Trautmann an: "Stilles Wasser hilft am besten bei der Hitze." Säfte und Bionade sind nur zweite Wahl.

Auch bei den Bierbrauern brummt das Geschäft. Birte Kleppien, Sprecherin bei Radeberger, bestätigt: "Der Wettergott ist ein besonders guter Bierverkäufer." Man spüre eine, saisonal typisch, klar steigende Nachfrage. "Der Handel und die Gastronomien bereiten sich auf die angekündigte heiße Wetterlage vor, und das merken wir als Hersteller sofort", so Kleppien. Dabei geht die Nachfrage neben den klassischen Pils- und Weizenbieren besonders zu den typischen "Sommersorten" wie Biermischgetränken, aber auch den alkoholfreien Varianten. Bei Radeberger ist man, wie auch bei Hassia, mit dem Leergut auf den Sommer eingestellt und derzeit noch gut versorgt. Kleppien bittet die Verbraucher trotzdem, ihr Leergut immer möglichst schnell zum Händler zurückzubringen. Im vergangenen Jahr war es zu Engpässen an Flaschen gekommen.

VON THOMAS J. SCHMIDT

INFO

Die "Tropennächte" werden häufiger. Alleine Hoch Ulla bringt, wie Lars Kirchhübel vom Deutschen Wetterdienst ankündigt, "mindestens noch in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch und in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag Temperaturen von über 20 Grad". Tiefsttemperaturen, wohlgemerkt. Der Wetterdienst hat ausgezählt: Während es im Zeitraum von 1960 bis 2000 nur ein einziges Jahr mit fünf und mehr Tropennächten gab, waren es zwischen 2001 und 2018 bereits sieben solcher Jahre. Doch Kirchhübel gibt zu bedenken: "Das muss nicht Klimawandel sein. Das kann auch an der dichteren Bebauung im Rhein-Main-Gebiet liegen, an der Störung der Frischluftschneisen in diesen Zeiträumen, an der Versiegelung." Tagsüber, ist der Wetterdienst sicher, bleibt es noch mindestens bis Montag heiß - mit deutlich mehr als 30 Grad.

Die heißeste Nacht in Frankfurt war am 11. Juli 2010 mit 24,5 Grad, die heißeste Juninacht bislang war am 19. Juni 2013 mit 22,6 Grad. Dieser Rekord, deutet Kirchhübel an, könnte in dieser Woche fallen.

Den heißesten Tag überhaupt hat Frankfurt am 7. August 2015 erlebt. Da waren es 39,6 Grad. Der heißeste Junitag hingegen wurde in Frankfurt 1947 mit 38,2 Grad gemessen - ein bundesweiter Rekord. Die höchste Durchschnittstemperatur im Juni lag im Jahr 2003 bei 21,9 Grad. tjs

Lesen Sie auch:

Extreme Hitzewelle rollt durch Hessen: Was Sie darüber wissen sollten

Hitzewelle! Experten erwarten Rekordtemperaturen in Hessen. Der Deutsche Wetterdienst warnt vor Gefahren.

Trotz Hitzewelle sind in Frankfurt die Wasserspiele nicht in Betrieb 

Im Günthersburgpark und dem Waldspielpark Louisa mussten die Wasserspielanlagen aus hygienischen Gründen abgeschaltet werden.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare