1. Startseite
  2. Frankfurt

Zwei Großeinsätze im Bahnhofsviertel Frankfurt: Polizei sorgt für Ruhe

Erstellt:

Von: Sabine Schramek

Kommentare

Um kurz vor 18 Uhr wird die Niddastraße zwischen Karlstraße und Elbestraße von der Polizei abgesperrt. Unter anderem sind das Überfallkommando und das SEK im Einsatz.
Um kurz vor 18 Uhr wird die Niddastraße zwischen Karlstraße und Elbestraße von der Polizei abgesperrt. Unter anderem sind das Überfallkommando und das SEK im Einsatz. © Sabine Schramek

Am Montagabend retten SEK und Überfallkommando in der Niddastraße das Leben einer Frau. Kurz darauf gibt es eine Razzia in der Taunusstraße.

Frankfurt – Die Polizei kommt im Bahnhofsviertel nicht zur Ruhe. Am Montagabend (24. Oktober) wird um kurz vor 18 Uhr die Niddastraße zwischen Karlstraße und Elbestraße von der Polizei abgesperrt. Einsatzwagen, zivile Wagen, Überfallkommando, Sondereinsatzkommando (SEK), Polizeihunde und ein Rettungswagen der Feuerwehr sind vor Ort. Der Rettungswagen parkt hinter der Absperrung. Die Einsatzkräfte sind leise und hoch konzentriert. Im Viertel kocht die Gerüchteküche. Schüsse seien gehört worden, es gäbe mehrere Tote.

Vor Ort ist es still. Das Leben einer Frau ist in Gefahr. Sie will sich mit einem Messer das Leben nehmen. Um sich selbst nicht in Gefahr zu bringen, betreten die Spezialeinsatzkräfte das Gebäude mit besonderer Schutzkleidung. Sie wollen ihr helfen und ihr Leben retten. Die Ruhe ist lebenswichtig für die Frau. Die Zeit scheint still zu stehen. Neugierige gucken aus Fenstern und hinter den Absperrungen auf das Geschehen. Ein Mann will in den mit Flatterband abgesperrten Bereich und wird laut. Er hat Angst vor anderen. „Mafia“, ruft er. Die Polizei schickt ihn raus, er kommt zurück. Beamte kontrollieren ihn. Zwei andere Männer nähern sich, schreien ihn an. Die Polizei sorgt für Ruhe.

Polizeieinsatz im Frankfurter Bahnhofsviertel hat ein Happy End

Um 19.19 Uhr verlassen die SEK-Kräfte das Gebäude. Andere Polizeibeamte sind noch im Gebäude. Der Rettungswagen fährt vor den Eingang. Die Rettungskräfte warten am Wagen, die bereit gestellte Trage wird wieder in den Wagen gefahren. Weitere bange 45 Minuten vergehen, in denen niemand hinter die Absperrungen darf. „Hoffentlich ist alles gut gegangen“, sagt eine 28-jährige Frau leise. „Als ich 15 war, wollte ich sterben. Das kann ich mir heute nicht mehr vorstellen. Ich bin so froh, dass mir damals geholfen wurde.“

Kurze Zeit später kommen Beamte aus dem Haus und begleiten die gerettete Frau. Sie steigt selbständig in den Rettungswagen, um sich in einer Klinik helfen zu lassen. Der Polizeieinsatz hat ein Happy End, der Frau wird geholfen. „Das ist schön und auch für alle Kollegen eine große Erleichterung“, so ein Polizist später. Die Sperre wird aufgehoben, um kurz nach 20 Uhr verlasen die Polizeiwagen die Niddastraße.

Bahnhofsviertel in Frankfurt ist berüchtigt

Keine Stunde später ist die Taunusstraße voller Blaulicht. Einsatzwagen der Beweissicherungs- und Festnahmeeinheiten (BFE) und zivile Fahrzeuge halten vor einem Bordell kurz vor der Ecke zur Moselstraße. Ohne zu zögern gehen sie hinein und kontrollieren auch hier leise.

Statt Türstehern stehen Polizisten in Uniform vor den Eingängen, Beamte kämmen die Etagen durch, überprüfen Mitarbeiter und Kunden ebenso wie Passanten. Das Bahnhofsviertel ist wegen vieler Delikte in Verruf. Handel mit Betäubungs- und Arzneimitteln, Gewalt- und Eigentumsdelikte, Körperverletzung, Diebstähle, Raubstraftaten. Kontrollen und Razzien gibt es regelmäßig mit dem Schwerpunkt auf Bekämpfung und Verfolgung der Betäubungsmittel- und Milieukriminalität. Im August wurden an einem Abend 300 Personen kontrolliert und durchsucht. 60 Strafanzeigen wurden dabei erstellt, neun per Haftbefehl gesuchte Personen angetroffen, verbotene Gegenstände und Betäubungsmittel sichergestellt und Bunker für Drogen gefunden.

Nachdem das Leben der jungen gerettet war, folgte noch eine Razzia in einem Bordell.
Nachdem das Leben der jungen gerettet war, folgte noch eine Razzia in einem Bordell. © Sabine Schramek

Bahnhofsviertel Frankfurt: Blaulicht im Rotlichtbezirk

Die Kontrolle ist ebenfalls leise. Autos fahren langsam an den Polizeiwagen vorbei, Passanten wechseln die Straßenseite und tuscheln. „Die haben doch erst vorhin am Kaisersack Leute kontrolliert“, erzählt ein Mann. „Wenn das so weitergeht, kann man das Rotlichtviertel bald Blaulichtviertel nennen“, sagt er und diskutiert mit anderen über das Viertel. „So lange sich die Stadt nicht ernsthaft darum kümmert, Drogenkranken und Obdachlosen zu helfen, wird es hier nicht besser werden. Egal, wie viel Polizei unterwegs ist, die Dealer haben einen Riecher, wann sie wo sein müssen, um nicht gestört zu werden. Wenn die Junkies und Obdachlosen Wohnungen und gute Betreuung oder Therapien hätten, würden bestimmt viele auch wieder den Weg in ein geregeltes Leben finden und es wäre für alle im Viertel erträglicher. Weniger Elend, weniger Drogen und viel weniger Dreck.“ (Sabine Schramek)

Wenn Sie oder eine Ihnen bekannte Person unter einer existenziellen Lebenskrise oder Depressionen leiden, können Sie rund um die Uhr die Telefonseelsorge unter 0800-111 01 11 oder 0800-111 02 22 kostenlos erreichen. Der psychosoziale Krisendienst ist unter 069-61 13 75 von Montag bis Freitag zwischen 17 Uhr und 1 Uhr erreichbar, samstags, sonntags und an Feiertagen von 9 Uhr bis 1 Uhr. In akuten Notfällen wählen Sie bitte den Rettungsdienst unter 112.

Auch interessant

Kommentare