Auch bei der Ortsbeiratswahl sieht es für die Grünen aktuell gut aus.
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Auch bei der Ortsbeiratswahl sieht es für die Grünen in Frankfurt aktuell gut aus.

Analyse

Grüne legen in allen Ortsbeiräten in Frankfurt zu: Fast überall stärkste Kraft

  • Julia Lorenz
    vonJulia Lorenz
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Die Grünen sind in Frankfurt in 13 von 16 Gremien die stärkste Kraft, vor allem in einem Stadtteil haben sie große Zugewinne erzielt. CDU und SPD verlieren fast überall.

Frankfurt – Noch ist es zwar nicht sicher, denn bei der Wahl für die 16 Ortsbeiräte in Frankfurt sind längst nicht alle Stimmzettel ausgezählt – und das wird auch noch dauern. Denn wie der Sprecher des für Wahlen zuständigen CDU-Stadtrates Jan Schneider am Montag (15.03.2021) mitteilte, werden nun erst die Stimmzettel für die Stadtverordnetenversammlung ausgezählt – die für die Ortsbeiräte folgen später. Mit einem vorläufigen Endergebnis wird nicht vor Freitag (19.03.2021) gerechnet. Ein Trend ist dennoch abzusehen: Auch in den Ortsbezirken ist Frankfurt grün.

Die Grünen können in allen Stadtteilgremien Zugewinne verzeichnen. In 13 der 16 Gremien wurden sie gar stärkste Kraft – Stand Montag. Ihr bestes Ergebnis erzielten sie – möglicherweise – im Ortsbezirk 3 (Nordend). Dort kamen sie auf 37,2 Prozent der Wählerstimmen. Im Vergleich zur Kommunalwahl 2016 ist das ein Plus von 9,3 Prozentpunkten.

Grüne legen in Frankfurt in allen Stadtteilgremien zu

"Es ist total erfreulich, dass wir auch in den Ortsbeiräten so gut abgeschnitten haben", sagt die Grünen-Spitzenkandidatin Martina Feldmayer. "Man sieht, dass wir in ganz Frankfurt überall gut ankommen. Wir sind keine kleine Partei mehr, sondern eine zentrale Kraft. Jetzt können wir auf allen Ebenen mitgestalten."

In Nieder-Eschbach (Ortsbezirk 15) konnten die Grünen den größten Stimmenzuwachs verzeichnen. Dort erzielten sie – vorerst – 32,6 Prozent der Stimmen, ein Plus von 14 Prozentpunkten. Das freut natürlich den Fraktionsvorsitzenden der Grünen in Nieder-Eschbach Michael Paul besonders. "Wir haben viele gute Ideen eingebracht. Das wurde von den Wählern honoriert", sagt er. Paul erklärt sich die Zugewinne seiner Partei im Norden der Stadt vor allem mit der Diskussion um das neue Gewerbegebiet, das nördlich von Ikea gebaut werden soll. "Wir hingegen beharren seit Jahrzehnten auf die Realisierung des Grüngürtel-Parks", sagt Paul. Überbewerten will er das Trendergebnis aber noch nicht. "Die vergangenen Jahre haben gezeigt, dass sich unser Ergebnis am Ende immer noch verschlechtert."

Im Frankfurter Westen schnitten die Grünen am schlechtesten ab

Mit 19,2 Prozent der Wählerstimmen schnitten die Grünen am schlechtesten im Frankfurter Westen (Ortsbezirk 6) ab – Zuwächse verzeichneten sie aber auch dort.

Die SPD erzielte hingegen mit vorläufig 23,1 Prozent der Wählerstimmen ihr bestes Ergebnis bei den Ortsbeiräten im Westen Frankfurts. Im Ortsbeirat 6 wurde sie stärkste Kraft. Generell kann man aber sagen, dass die SPD ebenso wie die CDU in fast allen Ortsbezirken Federn lassen musste. Die Christdemokraten konnten nur im Ortsbeirat 8 (Heddernheim, Niederursel, Nordweststadt) leicht zulegen, die Sozialdemokraten nur im Ortsbeirat 14 (Harheim).

SPD in Frankfurt „für AWO-Affäre abgestraft“ bei Ortsbeiratswahl

Am schlechtesten schnitten die Genossen wohl mit 12,7 Prozent in Kalbach-Riedberg (Ortsbezirk 12) ab, die meisten Verluste (minus 10,8 Prozentpunkte) mussten sie in der eigentlichen SPD-Hochburg, im Ortsbezirk 11 (Fechenheim, Riederwald, Seckbach) hinnehmen. Der Fraktionsvorsitzende der Sozialdemokraten im Stadtteilgremium Stephan Zilcher bewertet dieses Trendergebnis als "unfair". "Wir wurden abgestraft für die Awo-Affäre", sagt er. Zudem herrsche durch die Corona-Pandemie viel Frustration. "Die Menschen verwechseln die Bundes- mit der Kommunalpolitik." Dabei sei es im Ortsbeirat 11 die SPD gewesen, die "am meisten gearbeitet" und die "besten Ideen" gehabt hätte. "Darüber haben wir aber vielleicht zu wenige gesprochen."

Die CDU erzielte mit 32,8 Prozent ihr bestes Ergebnis in Nieder-Erlenbach (Ortsbeirat 13) und blieb dort stärkste Kraft, gleichwohl sie dort den Prognosen zufolge mit 15,4 Prozentpunkten aber auch die größten Verluste verzeichnen musste. "Ich bin noch gelassen", sagt Ortsvorsteher Yannick Schwander, der auch der stellvertretende Vorsitzende des CDU-Stadtbezirks Nieder-Erlenbach ist. "Wir werden nicht in diesem Maße eingebüßt haben", ist er sich sicher. Dennoch weiß auch er, dass sich die Christdemokraten im Frankfurter Norden nicht vom Bundestrend abkoppeln können. "Die Maskenaffäre wurde uns auch hier angelastet", so Schwander. "Da haben wir viel Gegenwind an den Wahlständen gespürt."

In Frankfurt hoffen auch die AfD und neue Volt-Partei auf Einzug in Ortsbeiräte

Die neue Partei Volt kann sich Hoffnungen auf den Einzug in drei Ortsbeiräte machen. Sie schafft es aller Voraussicht nach in die Ortsbezirke 1, 3 und 12. Auch die AfD, die bislang in keinem Ortsbeirat vertreten war, kann es in drei Gremien schaffen: die Ortsbezirke 5, 6 und 10. In einem Wahlbezirk in Sindlingen wurde die Partei sogar mit 22 Prozent der Wählerstimmen stärkste Kraft. Die FDP konnte ebenfalls einen Wahlbezirk im Gallus mit 30,9 Prozent für sich gewinnen. (Julia Lorenz)

Alle Ergebnisse und aktuellen Infos zur Wahl gibt es in unserem News-Ticker zur Kommunalwahl in Frankfurt sowie in unserem Ticker zu Kommunalwahl in Hessen.

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