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Auch bei der Gärtnerei Schecker am Hofladen ist einiges anders. Mehr als fünf Leute dürfen nicht gleichzeitig rein, um die Abstände einzuhalten.

Oberrad

Das Grüne-Soße-Dorf und seine Gärtner bleiben standhaft

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Corona-Krise in Frankfurt: Um weiterhin Kräuter und Gemüse verkaufen zu können, lassen sich die Gärtner einiges einfallen.

Frankfurt – Angela Jung hat keine Sekunde Pause. Die Schlange vor ihrem Obst- und Gemüsestand auf dem Buchrainplatz reicht bis zum anderen Ende des Platzes. Männer und Frauen halten freiwillig zwei Meter Abstand, sind still und geduldig. Jung nimmt die gewünschten Kräutertöpfe, Salate, Spinat, Lauch, Kohl, Karotten und Pakete voller Grüne-Soße-Kräuter aus den Körben, füllt sie in mitgebrachte Taschen, Körbe und Tüten. Vorher darf jeder Kunde genau hinsehen, was sie einpackt. "Die Ware kann nicht mehr von Kunden angefasst werden. Es gibt keine Selbstbedienung mehr", sagt die freundliche Gärtnerin mit Handschuhen. "Da gäbe es zu viele Möglichkeiten, das Coronavirus zu übertragen." 

Die Kunden zeigen volles Verständnis, lesen aus Zetteln ihre Einkaufslisten. Zu dritt steht die Gärtnerfamilie hinter dem langen Stand, berät und packt ein. "Die Nachfrage ist groß, aber auch wir müssen Abstände halten. Da dauert es leider etwas länger", so Jung und zieht einen großen Bund frischen Suppengrüns aus der Kiste. Vieles fühlt sich neu und anders an beim Einkaufen, aber die Kunden können auch vorbestellen. "Es spricht sich langsam rum", so Jung lachend. Wer am Tag vor dem Markt Bescheid sagt, was er braucht, kann alles fertig verpackt abholen".

Frankfurter Gärtner lassen sich nicht unterkriegen von Corona

Auch bei der Gärtnerei Schecker am Hofladen ist einiges anders. Mehr als fünf Leute dürfen nicht gleichzeitig rein, um die Abstände einzuhalten. Wer noch warten muss, blinzelt draußen am Waldrand in die Sonne und lauscht dem Vogelgezwitscher. Kunden, die den Laden voller Gemüse, Kräutern, frischem Brot und hausgemachten Suppen in Gläsern verlassen, nicken den Wartenden freundlich zu. Inhaber Rainer Schecker ist auf seinen Feldern, die Verkäuferin hält die Stellung. "Die Gastronomie und Veranstaltungen fallen für uns im Moment weitgehend weg", sagt sie und blickt zum Kühlschrank voller fertiger Grüner Soße, Grüne-Soße-Butter und anderen Leckereien. "Im Laden kann ich nicht meckern", sagt sie augenzwinkernd. "Es gibt viel mehr Spaziergänger als sonst, Jogger, Radler und Gassi-Geher", beobachtet sie. 

Dass gerade in der Corona-Krise der Bedarf an Frischem noch größer ist als sonst, ist deutlich. Eine Frau lässt sich beraten, was sie braucht, um selbst Gemüsesuppe zu kochen und bekommt geduldig Tipps. Die Frau strahlt und verlässt den Hofladen mit den Worten "das stärkt bestimmt unser Immunsystem und wird lecker". Drei Pakete mit Frankfurter Grüne Soße Kräutern hat sie auch gekauft. "Nachher mache ich die gleich fertig, koche Kartoffeln dazu und Eier. Da freuen sich auch die Nachbarn."

Frankfurt: Warum Oberrad als „Gärtnerdorf“ gilt

Knapp 20 Gärtnereien gibt es in Oberrad. Darum nennt sich der Stadtteil zwischen Mainufer und Stadtwald auch "Gärtnerdorf". Es sind Familienbetriebe. Man hält zusammen in den Betrieben. Sie säen und ziehen Obst, Gemüse, Kräuter und Blumen. Und sie beziehen weitere Angebote aus der Region. Der Ort ist idyllisch für Besucher. Auf den unteren Feldern im Frankfurter Grüngürtel steht das Grüne-Soße-Denkmal mit sieben nachempfundenen grünen Gewächshäusern. Bei den oberen Feldern des Stadtteils stehen Tafeln, die alle Eigenschaften der sieben Kräuter beschreiben. 

Die Art des Bodens, der nötig ist, der Geschmack, wozu man sie nutzen kann, und der Vitamingehalt. Das alles kann man auch auf einem eigen ausgeschilderten Wanderweg besichtigen, der vom Lokal "Grüne Soße und Mehr" zusammengestellt wurde. Der Weg bietet Raum für große Abstände beim Spaziergang an der frischen Luft.

Frankfurt: „Drive-In“-Gärtnereien in Oberrad

Damit auch alles, was die Gärtner anbieten, zu den Kunden ohne Ansteckungsgefahr gelangt, bieten zum Beispiel die Gärtnereien Krämer und Kräuter Huber "Drive Ins". Nach telefonischer Vorbestellung fährt man mit dem Auto zum Hof und lässt sich die Ware reinstellen. Kontaktlos, aber individuell. Horst Krämer liefert im Stadtteil auch individuell aus. Eingekauft werden kann in den Gärtnereien alles, was die Felder und Gewächshäuser der Gärtnereibetriebe im Angebot haben. Und das, was sie daraus herstellen. Vom Brotaufstrich über Öle und Essig bis zum Chutney - und allem, was mit der Frankfurter Grünen Soße zu tun hat.

Von Sabine Schramek

Die Gärtner in Frankfurt-Oberrad sind sauer. Sie beklagen das respektlose Verhalten von Spaziergängern in ihren Feldern, Vandalismus und Ernte-Diebstähle. 

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