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Grüne Soße Festival in Frankfurt: Beleidigungen und Morddrohungen gegen Malte Anders

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Erhält üble Beleidigungen und Morddrohungen: Malte Anders.
Erhält üble Beleidigungen und Morddrohungen: Malte Anders. © Enrico Sauda

Wegen seiner Arbeit und seiner Homosexualität wird der Moderator des Grüne Soße Festivals in Frankfurt übelst beschimpft.

Frankfurt - Er moderiert seit vielen Jahren das Grüne Soße Festival in Frankfurt, war mit seinem Programm "Gay for one Day" unterwegs und ist mit "Homologie" ein gern und oft gesehener Gast an Schulen. Mehr als 1000 Mal ist er damit in den Bildungseinrichtungen in ganz Deutschland aufgetreten. Nun hat Malte Anders wegen seiner Arbeit - und weil er homosexuell ist - Drohungen erhalten.

"Momentan kommt es ja an der Konsti vermehrt zu Übergriffen und ich denke, wir sind an einem gefährlichen Punkt in der Gesellschaft angekommen", macht sich Malte Anders Sorgen. Folgerichtig schaltete er den Staatsschutz ein. Die Beamten nahmen die Nachricht sehr ernst, da sie neben Beleidigungen auch eine Morddrohung enthielt. Da war eine Grenze erreicht. "Du weißt ja nicht, wer das ist, das kann auch ein Irrer sein, der dann da wirklich steht und ein Messer oder sonst eine Waffe schwingt." Weil die Drohung so konkret war, fühlte sich Malte Anders bei seinem Auftritt jüngst beim CSD auf der Konstabler Wache sehr beruhigt darüber, dass etliche Polizeibeamte vor Ort waren. "Das hat mich sehr entspannt, dass sie es im Blick hatten. Es ist gut zu sehen, dass sie nicht einfach denken, dass das ein Dummer-Jungen-Streich ist."

Homosexualität in Frankfurt: „Bei vielen Jugendlichen fehlt der Filter“

Dabei läuft es für den 38-Jährigen sehr gut zurzeit. "Seit April bin ich wieder durchgehend auf Tour mit meinem Schulprogramm 'Homologie'", sagt der Moderator, der damit vor Mädchen und Jungen ab der achten Klasse spielt. "Bis November bin ich schon wieder ausgebucht."

Timo Schweitzer, wie er mit bürgerlichem Namen heißt, arbeitete in Zeiten der Pandemie als Sozialpädagoge und hatte gerade seinen letzten (Schul-)Arbeitstag an der Wilhelm-Merton-Schule. Auch da gab er natürlich sein Programm. "Gerade solche Mails zeigen, wie wichtig es ist, aufzuklären." Seiner Ansicht nach habe die Corona-Pandemie auch ihren Teil dazu beigetragen. "Ich glaube, dass bei vielen Jugendlichen der Filter fehlt, weil ganz viel Soziales nicht stattfinden konnte."

Grüne Soße Festival in Frankfurt: Moderator will sich nicht einschüchtern lassen

Seit ungefähr sechs Jahren tritt Malte Anders mit seinem Programm in Schulen auf. "Klar, kam immer mal eine Beleidigung, aber in den vergangenen Monaten gab's mehrfach richtige Gewaltandrohungen - es waren ungefähr zehn richtig krasse dabei."Einen ähnlichen Vorfall habe er in einer Schule erlebt. "Da habe ich die Schule informiert und die haben herausgefunden, wer es war." Der Schüler erhielt eine Verwarnung und sprach übers Internet mit Malte Anders eine Stunde lang. "Es war ein deutscher Schüler aus schwierigen Verhältnissen", erinnert er sich. "Der musste seinen Hass einfach mal irgendwo abladen. Wir haben uns lange unterhalten und es war ein gutes Gespräch." Man dürfe nicht ignorieren, dass viel Hass im Netz und an Schulen unterwegs sei. "Ich habe keine Angst. Aber es müsste viel mehr gemacht werden. Momentan kippt die Stimmung", findet der Künstler.

Einschüchtern lassen will er sich dadurch nicht. Im Gegenteil. Am liebsten würde er noch viel öfter auftreten. Das könnte klappen, denn Unternehmen kamen auf ihn zu, die den Diversitybereich stärken wollen. So arbeitet er mit Maja Wolff, der Macherin des Grüne Soße Festivals, an Homologie für Erwachsene.

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